____
1

STRASSENFÜHRER DURCH DIE REGION UM

MOUNT ST. HELENS



Robert und Barbara Decker

Karten und Zeichnungen von Rick Hazlett

Urheberrechte 1993

ISBN: 0-9621019-6-6

Deutsche Ubersetzung von Angelika Cedzich


Diese Übersetzung des Buches: ROAD GUIDE T0 MOUNT ST. HELENS von Barbara und Robert Decker und Rick Hazlett (1993) ist mit den Illustrationen versehen, die sich auf aktivan Vulkanism bereihen. Die Seitenangaben in der Übersetzung beziehen sich ebenfalls auf die englische Originalausgabe.

Buchkopien des Englische originalführes konnen von dem Double Decker Press; 4087 Silver Bar Road, Mariposa, CA, USA, 95338 angefordert werden. Auf das Web übertragen mit Erlaubnis der verlages.


_____ 
4 

INHALT

5 VORWORT
6 EINFÜNHRUNG
13 WESTSEITE
24 NORDOSTSEITE
36 SÜDSEITE
43 WANDERWEGE
46 ESSEN, ÜBERNACHTUNG, CAMPINGPLÄTZE
47 LITERATURVORSCHLÄGE
48 PHOTONACHWEISE


____
5

VORWORT

Willkommen im Vulkanischen Nationalpark von Mount St. Helens (Mount St. Helens National Yolcanic Monument). Dieses Buch soll Besucher auf einer Autofahrt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in dieser dramatischen Landschaft vulkanischer Zerstörung und biologischer Erneuerung begleiten. Es ist für Leser gedacht, die etwa zwei Tage für umlfabt einen Besuch erübrigen konnen: Der erste Tag umfalßt eine aufregende Fahrt über 50 Meilen (80,5 km) auf dem neuen Spirit Lake Memorial Highway zum Besucherzentrum von Coldwater Ridge und weiter nach Johnston Ridge, von wo aus Sie direkt in das Innere des geborstenen Vulkans sehen können.

Für den zweiten Tag schlagen wir eine Tour durch den Norden und Osten des Parks vor, auf der Sie weite Strecken der infolge des Ausbruchs von Mount St. Helens am 18. Mai 1980 zerstörten Waldgebiete durchqueren und verschiedene Ausblicke auf den Spirit Lake genießen können. Darüberhinaus werden Sie zahlreiche Anzeichen des natürlichen Erneuerungsprozesses beobachten können, ja unter Umständen sogar eine der wiederkehrenden Herden von Wapiti - oder Elkhirschen zu sehen bekommen.

Für Besucher, die mehr als zwei Tage in dieser faszinierenden Naturlandschaft verbringen können, schließen wir eine Beschreibung der Südseite mit ein. Dieser Teil des Parks war von der Eruption 1980 weniger betroffen, doch die spezifischen vulkanischen Merkmale dieser Region enthalten wichtige Hinweise auf die Vergangenheit und womöglich auch die Zukunft von Mount St. Helens. Auf Seite 43 beschreiben wir außerdem eine Reihe von Wanderwegen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades.

Neben einer Schilderung der geologischen Geschichte Mount St. Helens' einschließlich des schrecklichen Ausbruchs von 1980, gibt dieses Buch auch Auskunft uber die Bäume, Blumen und Wildtiere des Parks und vor allem ihre Reaktion auf die Katastrophe. Doch unser Rahmen ist beschränkt, obgleich vieles mehr gesagt werden könnte. Für alle diejenigen, die ein spezielleres Interesse an einem der Themen fassen, fügen wir daher eine Liste mit Literaturvorschlägen zur näheren Information bei.

_____
6

Die Ausgangspunkte für die Touren am ersten bzw. zweiten Tag sind auf der Karte auf Region um Mount St. Helens (325K) mit Sternen gekennzeichnet. Die nachfolgend aufgeführten Symbole im Text geben folgende Hinweise.

STEIGE AUS = Stop auf dem Parkplatz, Aussteigen und Ausblick

WANDERE = Stop auf dem Parkplatz, vorgeschlagener kurzer Rundgang zu Fuß

BEACHTE = Sehenswertes, vom Wagen aus während der Fahrt zu beobachten

Die den Symbolen in Klammern folgenden Angaben zeigen jeweils die insgesamt auf einer Tour gefahrenen Meilen bzw. Kilometer an. (7.8 Meilen/ 12,5 km) bedeuted zum Beispiel, daß Ihr Tourenmeter 7.8 Meilen (=12,5 km) seit Beginn Ihrer Fahrt nach unseren Anleitungen anzeigen sollte.

Die für den zweiten Tag vorgesehene Tour ist lang, versuchen Sie daher mäglichst früh aufzubrechen. Innerhalb des Parks gibt es weder Übernachtungsmöglichkeiten noch Tankstellen, deshalb sollten Sie sich mit einem vollen Tank auf den Weg machen. Mahlzeiten und Snacks sind an einigen Stellen erhältlich. Falls Sie Mount St. Helens im Winter, d. h. zwischen November und Mai, besichtigen, müssen Sie damit rechnen, daß die Straßen für Ihre zweite Tagestour wegen Schnees gesperrt sind. Erkundigen Sie sich vorher am Besucherzentrum. Der Spirit Lake Memorial Highway ist auf jeden Fall das ganze Jahr über offen.


EINFÜHRUNG

Ausbruch und Regeneration von Mount St. Helens sind Inhalt einer Geschichte von Tod und Leben, von Zerstörung und Wiederentstehung. Im März 1980 erwachte der Vulkan aus einem Schlaf, der 123 Jahre lang angehalten hatte. Zwei Monate später zerstörte er sich selbst in einer riesigen, von massiven Einstürzen und Abrutschen begleiteten Explosion. Innerhalb weniger 11inuten verwandelte sich der einst anmutig aufragende Kegel Mount St. Helens' in einen geborstenen Stumpen. Die Verwüstung kam plötzlich und hatte katastrophale Ausmaße, doch die in den darauffolgenden Jahren einsetzende Regeneration ist kaum weniger aufsehenerregend.

Das von der Eruption verwüstete Gebiet ist so riesig, daß wir davon am besten abschnittsweise berichten; so haben Sie auf Ihrer Fahrt rings um den Vulkan die Möglichkeit, die konkreten Zeichen der Zerstörung und anschließenden Wiedererneuerung unmittelbar vor sich zu sehen. Doch all diese Einzelerscheinungen müssen in einen Rahmen gebracht werden, und aus dem Grund fassen wir in dieser Einführung die wichtigsten Etappen des Ausbruchs von Mount St. Helens, sowie des anschlteßend einsetzenden Genesungsprozesses zusammen.

Erdbeben und einige Eruptionen geringerer Explosivkraft kündigten das Erwachen des Vulkans an. Am 20. März ließ das erste Beben den Berg erzittern, und dann folgten in einem ganzen Schwarm viele mehr. Die Belegschaft des Naturparks und auch Geologen waren in Alarmbereitschaft gesetzt: Hier bahnte sich etwas höchst Außergewöhnliches an. Fünf Tage später zeigte eine gewaltige Wasserdampfexplosion am Gipfel Mount St. Helens' den ersten Ausbruch im Kaskadengebirge (Cascade Range) seit über sechzig Jahren an.

Risse und Krater erschienen in der vereisten Kuppe von Mount St. Helens, stoßweise Ausbrüche von Dampf und Asche begannen den schneebedekten Kegel schwarz zu färben. Obwohl in den Aschenpartikeln dieser relativ geringfügigen Eruptionen keine frische Magma -- d. h. geschmolzenes Gestein aus dem tiefen Erdinneren -- vorhanden war, machten die fortlaufenden Beben und Explosionen erhitzten Grundwassers unmißverständlich klar, daß unterhalb des Berges Magmamassen nach oben drängten.

Die Herde der Erdbeben lagen etwa 1,6 bis 3,2 km unter dem oberen Nordhang von Mount St. Helens. Messungen bestätigten schnell, was Beobachter dem Vulkan anzusehen glaubten: An der Nordflanke des Kegels begann sich eine riesige Schwellung.
_____
7

nach oben und außen hin auszudehnen. Mitte April betrug die Schwellung nach außen bei einem Durchmesser von über anderthalb Kilometern schon bedrohliche 91 m und nahm täglich um weitere 1,5 m zu.

Die schwachen Eruptionen setzten aus, wieder ein und wieder aus, doch die Beben hielten ununterbrochen an. Am frühen Morgen des 18. Mai ließ der Geologe Dave Johnston, der auf einem hochgelegenen Berggrat 9 km vom Vulkan entfernt Posten bezogen hatte, über Funk verlautbaren, daß nach seinen Messungen die Schwellung weiterhin kontinuierlich wuchs. Eine Stunde später war Dave tot. Um 8:32 Uhr erschütterte ein Erdbeben der Stärke 5, 1 Mount St. Helens und löste an seinem aufgeblähten Nordhang eine gigantische Steinlawine aus. Es war als hätte man den Deckel von einem riesigen, überhitzten Dampfkochtopf genommen. Während die Steinlawine in den Spirit Lake abrutschte, ließen das Gewicht bzw. der Druck des Berges auf das erhitzte Grundwasser sowie das flache Magmarsservoir plötzlich nach. Heißes Wasser schoß in Dampf auf, aus dem Magma entwtchen unter heftiger Energieentwicklung Gase.

Die Explosionswolke schoß aus der aufgerissenen Nordflanke des Vulkans und überholte schnell die mit immer größerer Geschwindigkeit zu Tal donnernde Steinlawine. Die Wolke trug eine solche Menge heißer Gesteinsfragmente mit sich, daß sie, während sie sich in rasendem Tempo nach Norden, Nordwesten und Nordosten ausbreitete, die Erdoberfläche mit einem dichten Bombardement überzog. Sie kletterte über Bergkämme und fegte durch Täler; eine heiße mit Festteilen vollbeladene Wolke, die Baume wie Zahnstocher zu Boden streckte, 600 km2 Waldes zerstörte und dabei praktisch alles Leben, das ihr in den Weg kam, auslöschte. All dies, vom auslösenden Erdbeben angefangen bis zur... (Fortsetzung auf Seite 9)
_____
9

totalen Verwüstung der Umgebung, dauerte nur fünf Minuten.

Die nunmehr ungehindert aufsteigende Magmasäule warf über die nächsten neun Stunden eine 24 km hohe Aschenwolke aus; das Bild glich einer gigantischen, mit der Spitze im Berg steckenden Rakete. In den dichteren Abschnitten dieser Aschenwolke an ihrer Basis bildeten sich sogenannte pyroklastische Ströme, glühend heiße Gesteinsfragmente, die sich unter dem Einfluß von expandierenden Gasen verflüssigen. Diese Ströme ergossen sich aus der Rundung des hufeisenförmigen Kraters in Richtung des Spirit Lake und bedeckten einen Teil der Ablagerungen der Steinlawine.

Schlammfluten, Ströme aus geschmolzenem Eis, die sich mit von Grundwasser durchweichten Bestandteilen der Steinlawine, sowie Asche, Erde und vermutlich Schlick aus dem Spirit Lake vermischten, stürzten in den Flußbetten rund um Mount St. Helens talwärts und schwemmten Häuser und Brücken davon. Der größte Teil des Schlamms lagerte sich schließlich im Bett des Columbia River ab, wo er auf Monate den Schiffahrtskanal verstopfte.

Die gigantische Eruption war bei weitem größer als erwartet, hauptsächlich deswegen, weil die unterdrückte vulkanische Energie infolge des Bergsturzes an der Nordflanke so plötzlich freigesetzt wurde. Siebenundfünfzig Menschen starben, der Sachschaden belief sich auf 1,5 Billionen Dollar. Die heiter beschauliche Vorstellung, die die Einwohner der Staaten Washingtons und Oregons von Vulkanen hegten, verwandelte sich mit einem Schlag in ein Schreckbild der Gewalt.

Menschheits -- und Naturgeschichte gleichen sich insofern, als ihr Rhythmus von plötzlich auftretenden Revolutionen, sowie nachfolgend einsetzenden langsamen Evolutionsperioden bestimmt wird. Der Ausbruch Mount St. Helens' war eine plötzliche, gewaltsame Revolution, die am Vulkan und seiner Umwelt tiefgreifende Veränderungen bewirkte. Jetzt arbeiten die Krafte der Evolution am langsamen Wiederaufbau von Berg und Wäldern. Die Gegenwart und Zukunft der nächsten hundert Jahre werden die Geschichte von Mount St. Helens' Regeneration enthüllen.

Unsere derzeitige Vorstellung von vulkanischer Zerstörung ist gewöhnlich vom Anblick der Lavaströme auf Hawaii geprägt, die sich langsam auf der Erdoberfläche fortbewegen, alles, was ihnen in den Weg kommt, unter sich begraben und die Landschaft schließlich mit einer Schicht schillernd schwarzen Gesteins überziehen. Die Regeneration dieser Schichten erfolgt ausschließlich von außen durch Neuansiedlung pflanzlichen Lebens, wobei dieser Prozess wiederum weitgehend von ausreichenden Niederschlagsmengen abhängt. Gewöhnlich treten dann nacheinander zunächst Algen, Flechten, Moose und schließlich auch Baumpflanzen in Erscheinung.

Am Mount St. Helens jedoch, wo sich die vulkanische Verwüstung in so vielfältiger Form manifestierte, geht die biologische Erneuerung nicht lehrbuchgemäß in voraussagbaren Schritten vor sich, sondern folgt einem ebenso faszinierenden wie komplizierten Muster von Verkettungen. So sind Schritt und Reihenfolge der Regeneration in unmittelbarer Nähe des Explosionsherdes, auf Lawinenschutt, Schlammflutablagerungen, dicken Aschenschichten und Lagen pyroklastischer Ströme (die hinsichtlich der hohen Temperaturen Lavaströmen am nächsten stehen) jeweils sehr verschieden. Von den pyroklastischen Ablagerungen abgesehen, beruhte die Erneuerung dabei bislang allerorts mehr auf vorhandenen Resten von Leben denn auf Neubesiedlung von außen.

Selbst in der unmittelbar von der Explosion betroffenen Zone, wo die Landschaft wie kahlrasiert und sterilisiert aussah, begannen sich schon innerhalb weniger Wochen erstaunliche Zeichen des Überlebens zu zeigen. Natürlich ist es ausgeschlossen, daß an der Oberfläche auch nur irgendetwas überleben hätte können, doch unter den Wurzeln ruhender Pflanzen entgingen einige Kolonien von Ameisen, sowie bestimmte Maulwurf -- und Mausearten dem Holokaust, der über ihre Köpfe hinwegraste.

Ein wichtiger Faktor für das Überleben einiger Pflanzen bestand in der Tatsache, daß das Unglück sich in der Mitte des Frühjahrs ereignete Schneereste schützten eine Anzahl kleinerer Bäume und anderer Pflanzen, so daß nach der Schneeschmelze an solchen Stellen einige Inseln lebendigen Grüns zu Tage traten. In den Erosionsrinnen, die Frühjahrsregen in einen Teil der Aschenablagerungen wuschen, begannen ebenfalls einige Pflanzen zu sprießen.

Noch komplizierter waren die Wechselwirkungen zwischen überlebenden und sich neu ansiedelnden Pflanzen. Wie schon der Naturforscher John Muir 1869 bemerkte: " Wenn wir versuchen, ein einzelnes Phänomen für sich zu betrachten, finden wir heraus, daß es mit allem und jedem im Universum in Verbindung steht." Nirgendwo hat sich das mehr bewahrheitet als am Mount St. Helens. Eine Lupine oder eine Heidelbeerpflanze, ...(Fortsetzung auf Seite 12)
_____
12

die aus tief in der Erde ruhenden Wurzeln sprießen und Feuchtigkeit zu bewahren vermögen, sind nicht nur in der Lage, Insekten anzulocken, sondern fangen auch fliegende Samen von Graspflanzen wie Fireweed oder Pearly Everlasting auf und geben ihnen die Möglichkeit, sich anzusiedeln. Vögel wiederum, die zwischen den jungen Pflanzen nach Feuchtigkeit und Insekten Ausschau halten, hinterlassen Mist, der, abgesehen davon, daß er als Dünger wirkt, wahrscheinlich auch weitere Samen enthält. So sind kleine Inseln des Lebens entstanden, die sich ausdehnten und anderen Pflanzen wie auch kleineren Tieren Schutz boten, bis sie später eine Nahrungsquelle für größere Tiere wurden.

Maulwürfe, die auf der Suche nach zarten Wurzeln und Knollen unterirdische Gänge gruben und Bauten anlegten, welche von Abfall befreit werden mußten, schaufelten organischen, von Pilzen durchsetzten Humus an die aschenbedeckte Erdoberfläche. Und diese Maulwurfshügel, von Gartnern so gefürchtet, wurden zu Oasen neuen Pflanzenlebens, als sich fliegende Samen in ihnen festsetzten und austrieben.

Die frische Vegetation lockte schließlich Hirsche und Rehe an, deren Hufe die verhärtete Aschenschicht aufbrachen und tiefe Spuren hinterließen, in denen sich weitere Samen ansammelten, wodurch wieder neue Pflanzenkolonien entstanden. 1983 waren 90% der ursprünglich am Mount St. Helens beheimateten Pflanzen wieder vertreten, wenngleich Anzahl und Dominanz der verschiedenen Arten von Ort zu Ort erheblich variierten.

Von den Vögeln und Säugetieren des Waldes überlebten nur diejenigen, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe am Rand des unmittelbaren Katastrophengebiets aufhielten. Die Geschichte ihrer Rückkehr in die Region Mount St. Helens' ist jedoch nicht weniger erstaunlich. Obwohl die meisten ihrer Nistplätze zerstört waren, flogen Vögel, kaum daß sich die Asche gesetzt hatte, wieder in die direkt von der Explosion betroffenen Region zurück. Auch größere und kleinere Säugetiere, die ihre Lebens-- und Nahrungsgewohnheiten relativ leicht umstellen konnten, kehrten schneller als erwartet zurück. Obwohl man befürchtet hatte, daß die katastrophale Zerstörung die Bestände an Roosevelt--Hirschen und Schwarzschwanz--Rehen auf unabsehbare Zeit hinaus dezimieren würde, stellte sich das Gegenteil heraus. Für etwa l500 Hirsche und 5000 Rehe, die sich am 18. Mai am falschen Ort befanden, wurde der Ausbruch zum Verhängnis; das traf jedoch in beiden Fällen nicht auf die gesamte Spezies zu.
_____
13

Schon nach fünf Jahren hatten die Bestände an Hirschen und Rehen auf Mount St. Helens wieder den Normalstand erreicht.

Die Wälder rings um Mount St. Helens gehörten mit zu den schönsten im amerikanischen Nordwesten. Douglas- und Edelföhren, westamerikanische Rotzedern und Schierling mischten sich hier mit Roterlen, Ahorn und Baumwollbäumen. In höheren Lagen gediehen die Pazifische Silberföhre, subalpine Pinien und einige andere widerstandskräftige Baumarten. Doch während des Ausbruchs wurden alle innerhalb einiger Minuten niedergestreckt oder zu Zahnstochern verarbeitet. Inzwischen erholt sich auch der Wald, doch diese Erholung geht auf zweifach, deutlich verschiedene Art vor sich.

In dem Gelände außerhalb der Parkgrenzen, das zum Teil vom Forstamt, zum Teil von Privatuneternehmen verwaltet wird, führt man ein rigoroses Auforstungsprogramm durch. Das Forstamt allein barg 472 000 Kubickmeter an umgestürzten oder noch stehenden toten Bäumen und pflanzte Millionen von Jungbäumen an.

Innerhalb der Parkgrenzen dagegen hat man 44 000 Hektar gänzlich sich selbst überlassen, um den natürlichen Erholungsprozess zu beobachten. Neben den Wechselwirkungen zwischen Überlebensresten und sich neu ansiedelnden Lebensformen werden vor allem zwei bekanntermaßen unbeständige Faktoren Richtung und Geschwindigkeit des Prozesses beeinflussen -- das Wetter sowie künftige vulkanische Aktivität. Von den zahlreichen möglichen Überraschungsfällen abgesehen, gehen rationale Schätzungen davon aus, daß sich in fünfzig Jahren ein gesunder junger Wald aus Nadelbäumen entwickelt haben wird, der sich in hundert Jahren zu einem reifen Hauptwald auswachsen könnte und in zweihundert Jahren vielleicht von den übrigen alten Wäldern des Nordwestens kaum noch zu unterscheiden ist.

Die Verwüstung am Mount St. Helens eröffnet fast nie dagewesene wissenschaftliche Möglichkeiten. Die Eruption hinterließ auf einer Fläche von beinah 520 km2 so reinen Tisch wie ihn Wissenschaftler sich nur wünschen können. Aus der ganzen Welt sind Forscher angereist, um hier ihre Experimente über die Regeneration eines schwer geschädigten Ökosystems anzustellen; einige der Experimente nehmen Jahre in Anspruch. Das gemeinsame Thema in Tausenden von wissenschaftlichen Aufsätzen ist immer wieder pures Erstaunen über die Anpassungsfähigkeit der Natur.

Geologen, die Mount St. Helens' Wunden studieren, wissen, daß sich der Kreislauf von Zerstörung und Wiederneuerung im Verlauf der letzten 40 000 Jahre oftmals wiederholt hat. Und es besteht nicht der geringste Grund anzunehmen, daß dergleichen nicht wieder passiert. Der Mensch hat die Möglichkeit die Umwelt gleich ob positiv oder negativ nachhaltig zu beeinflußen, doch wie das Sprichwort sagt: Die Natur hat immer das letzte Wort.


WESTSEITE

Der günstigste Ausgangspunkt für Ihre Tour ist das Besucherzentrum (Visitor Center) von Mount St. Helens, das 5 Meilen/ 8 km ostlich von der Interstate 5 am State Highway 504 liegt. Der Highway war ursprünglich die Hauptverbindung zum Spirit Lake und Mount St. Helens, doch während des Ausbruchs von 1980 verschwand er auf weiten Teilen unter Lawinenschutt und Schlammschichten. Die Strecke ist nun durch den Spirit Lake Memorial Highway ersetzt, dessen Bau 1992 in Angriff genommen wurde und voraussichtlich 1995 abgeschlossen sein wird. Er führt hoch über das Tal des North-Fork-Nebenflusses des Toutle River nach Johnston Ridge, von wo aus man einen unvergeßlichen Blick in den riesigen Vulkankrater genießt.

Mount St. Helens Visitor Center (Besucherzentrum)

WANDERE (0,0) Der vom Forstamt verwaltete Vulkanische Nationalpark von Mount St. Helens wurde 1982 zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung und Allgemeinbildung gegründet. Er sollte der Interpretation vulkanischer Vorgänge nützlich sein und darüberhinaus als Erholungsgebiet dienen. Das schmucke Besucherzentrum, eine großzügige Konstruktion aus Holz und Stein, paßt sich perfekt der umliegenden Landschaft ...(Fortsetzung auf Seite 16)
_____
16

mit ihrem altgewachsenem Nadelwald an. Obwohl es noch 40 Meilen (64,5 km) bis zur eigentlichen Grenze des Parks sind, beginnt Ihr Mount-St.- Helens-Erlebnis hier.

Nehmen Sie sich die Zeit, die audio-visuellen Vorführungen zu verfolgen und lassen Sie sich von den hervorragenden Ausstellungen über Vulkane auf der ganzen Welt, insbesondere die Vulkane des Kaskadengebirges und natürlich Mount St. Helens anregen. An dem topographischen Modell können Sie aus der Vogelperspektive den Verlauf Ihrer heutigen Tour, ebenso wie den Ihrer morgigen Exkursion nach der Ostseite und die Merkmale auf der Südseite des Vulkans überblicken.

An klaren Tagen haben Sie von der Terasse des Visitor Centers aus Sicht auf den wirklichen Mount St. Helens, der in 48 km Entfernung jenseits des Silver Lake (Silbersee) liegt. Bevor Sie sich im Wagen auf die Fahrt machen, sollten Sie die Gelegenheit wahrnehmen und auf dem um den Gebäudekomplex führenden Naturpfad einen kurzen, gemütlichen Spaziergang machen. Stellen Sie Ihr Tourenmeter auf Null, oder notieren Sie sich Ihren Meilenstand und biegen Sie dann nach rechts. auf die Route 504. Ihr nächster Anhalt ist in 21,5 Meilen/ 34,6 km.

BEACHTE Bei (2,9 Meilen/ 4,6 km) tangiert die Straße den Nordarm des Silver Lake, der hier in aggressiv wuchernden Wasserpflanzen fast erstickt. Der See entstand in vorgeschichtlicher Zeit, als ein Schlammstrom von Mount St. Helens das Wasser eines der Nebenflüsse des Toutle River staute.

Bei (5,6 Meilen/ 9 km) führt eine neue Brücke über den Toutle River; sie ersetzt eine frühere Konstruktion, die am Spätnachmittag des 18. Mai von der Schlammflut fortgerissen wurde. An dieser Stelle hatte die Flut zwar nur eine Geschwindigkeit von ca. 5 km/h, doch sie führte Hunderte von Baumstämmen von einem stromufwärts gelegenen Holzlager mit sich, die wie Rammböcke wi rkten.

Jenseits des Flusses, bei (14,4 Meilen/ 23,2 km), liegen in den durch prähistorische Schlammschichten schneidenden Straßenböschungen runde, von trockenem Schlamm locker zementierte Felsblöcke frei. Dies ist nur eines der vielen Phänomene, die einen Fingerzeig auf die Vergangenheit des Vulkans geben: solche übereinanderliegende Schlammschichten zeigen, daß Mount St. Helens bereits auf eine lange -- und kontinuierliche -- Reihe von AusbrUchen zurückblickt.

Sehen Sie bei (15,5 Meilen/ 25,1 km) links den Hügel hinab. Der Gebäudekomplex am North Fork des Toutle River ist eine Fisch- Auffangsstelle. Hier werden die Steelhead und Coho Lachse auf dem Weg zu ihren Laichplätzen eingefangen und um den stromaufwärts liegenden Damm transportier't. Der Toutle River mit seinen Nebenflüssen war ursprünglich die Heimat dieser Lachse, auch i hre Laichgründe befanden sich hier. Doch 1980 b rachen plötzliche und verheerende. Veränderungen über das Habitat ein. Nicht nur:, daß Vulkanasche und Schutt das Stromsystem verstopften, die erhöhten Schlammengen im Wasser unterbanden auch das Wachstum von Algen am Grund, wodurch die natürliche Nahrungskette unterbrochen wurde.

Steelhead und Coho Lachse verbringen das erste Lebensjahr in Flüssen, verlegen ihren Aufenthaltsort dann für zwei bis vier Jahre ins Meer und kommen schließlich wieder in die Heimatflüsse zurück, um zu laichen. Die Fische, die in jenem Frühjahr in den Cowlitz und Toutle River zurückwanderten, fanden dort deratig trübes und morastiges Wasser vor, daß sie in andere Nebenflüsse des Colombia Rivers übersiedelten.

Seither wurden die Flüsse von Jahr zu Jahr sauberer und gastfreundlicher, dafür stellte sich den Fischen auf ihrer Wanderung jetzt ein andereres Hindernis in den Weg: ein Damm zum Auffang von Sedimenten mit Überlaufrinne, den man zwischen 1986 und 1989 etwas weiter stromaufwärts errichtet hatte. Die Fisch-Auffangsstelle wurde eingerichtet, um die Fische sicher zu ihren Laichplätzen gelangen zu lassen. Die Lachse werden, wenn sie den Fluß heraufkommen, hier eingefangen, in Tanklastwagen verladen und dann an einer Stelle jenseits des Damms wieder freigelassen. Die Anlage wird möglicherweise bald dem Publikumsverkehr freigegeben, so daß Besucher den Vorgang mitverfolgen können.

Der Teil des Flusses, wo sich heute die Fischfallen befinden, wurde 1980, sieben Stunden nach Beginn des Ausbruchs, von einem riesigen Schlammstrom überschwemmt. Die dickflüssige Flut, laut Augenzeugenberichten hatte sie die Konsistenz flüssigwarmen Betons, erreichte Höhen von 6 bis 9 m über dem normalen Wasserstand des Flusses. Ein großer Teil des Schlamms war offenbar aus durchnäßtem Lawinenschutt, der sich oberhalb des Tals abzusetzen begann, abgeflossen. Die Schlammwoge zerstörte auf ihrem Weg flußabwärts etwa.
_____
17

200 Wohnhäuser, von denen sie einige ganz fortschwemmte, andere unter sich begrub. Gegen Mitternacht erreichte sie, 9 m hoch, Castle Rock am Cowlitz River; ihre Temperatur betrug zu dem Zeitpunkt noch fast 30 Grad Celsius. Als sie weiter in den Columbia River floß, lagerte sich der Schlamm dort im Schiffahrtskanal ab, der anstatt 12 schließlich nur noch 4,5 m tief war. Damit war der Schiffsverkehr von und nach Portland unterbrochen. Die Aufräumungsarbeiten nahmen sechs Monate in Anspruch, erst dann war der Fluß wieder voll beschiffbar.

Der Damm und Überlauf ein Stück flußaufwärts wurden vom Ingenieur- Corps der U. S. Army Zur Kontrolle von Wasser- und Schlammfluten gebaut, die man noch auf Jahre hinaus im North Fork erwartete. Der Damm ist 56 m hoch, 549 m lang und kann etwa 195 Millionen Kubikmeter an Ablagerungen auffangen, bevor das dahinterliegende Becken -- voraussichtlich im Jahr 2035 -- vollgelaufen ist.

Die Wälder längs des Highway nach der Fischanlage wurden von holzwirtschaftlichen Betrieben auf privatem Grund angepflanzt. Douglas- Föhren wachsen in dieser Höhenlage in fünfzehn Jahren etwa 6m hoch. Solche Baumschulen werden 10-15 und nochmals 25-35 Jahre, nachdem sie von Hand angepflanzt wurden, ausgedünnt, bevor sie mit ca. 50 Jahren ihr Reifestadium erreichen. Diese Pflanzungen, an denen fast sämtliche Zeichen und Phasen der kommerziellen Bewirtschaftung deutlich sind, wurden von der Eruption nicht betroffen.

Hoffstadt Viewpoint

STEIGE AUS (21,5 Meilen/ 34,6 km) Biegen Sie nach rechts auf den Parkplatz ab. Von hier haben Sie eine gute Fernsicht auf den 24 km südöstlich gelegenen Mount St. Helens. In einer Entfernung von 2,4 km in derselben Richtung sehen Sie die Überreste des ersten Staudamms, den man am Toutle River gebaut hatte, um den Abluß von Asche und Lavinenschutt infolge der Winterstürme zu stoppen. Er wurde 1980 errichtet, doch wurde schon zwischen 1981 und 1982 wieder von Schlammassen überflutet.

Schlammströme treten als Begleiterscheinung von Vulkanausbrüchen immer dort auf, wo größere Wassermengen vorhanden sind. Eruptionen, während derer ganze Kraterseen ausgeworfen werden, oder größere Eisflächen schmelzen, lösen oft extreme Schlammfluten aus. Als 1982 der Ruiz in - Colombia ausbrach, ...(Fortsetzung auf Seite 18)
_____
18

schmolz nur ein Teil seiner Eiskappe, doch in den Städten um den Vulkan fielen 25 000 Menschen einer dadurch verursachten Schlammflut zum Opfer.

Schlammströme treten aber auch unabhängig von Vulkanausbrüchen auf. Wenn immer Asche, lockeres Gestein, oder satte Böden infolge heftiger Regenfälle, rapide schmelzender Schneemassen, Erdbeben oder einer Kombination dieser Faktoren plötzlich gelöst werden, kann dies zu katastrophalen Schlammüberflutungen führen. Die lockeren Aschenschichten und Schuttablagerungen um Mount St. Helens gefährden das Flußsystem dieser Gegend auf Jahrzehnte hinaus.

Auf dem Weiterweg sind einige lange und steile Steigungen zu überwinden. Falls Sie einen Wohnwagen mit sich führen, sollten Sie ihn am besten auf dem eigens dafür eingerichteten Parkplatz am Hoffstadt Viewpoint abstellen. Der nächste Stop ist in 6,6 Meilen/ 10,6 km.

BEACHTE Die Steilfelsen und Hügel links der Straße gehören zu den sogenannten Hoffstadt Bluffs; es handelt sich bei ihnen um die um die verwitterten Überreste eines Vulkanausbruchs, der vor Jahrmillionen stattgefunden hat.

Bei (24,4 Meilen/ 29 km) überqueren Sie die 113 m hohe und 713 m lange Brücke über den Hoffstadt Creek. Die Baukosten für dieses Projekt betrugen 13 Millionen Dollar. Die Bäume dieser Gegend starben 1980 infolge des Ausbruchs ab, ohne niedergeschmettert zu werden. Doch die Hitze der hier bereits abgeschwächten Explosionswolke reichte noch, um ihre Nadeln so zu versengen, daß sie sich nicht mehr erholten. Was Sie heute an Bäumen hier sehen, wurde nach dem Unglück angepflanzt. Der Berg vor Ihnen -- North Fork Ridge -- ist 975 m hoch.

North Fork Ridge

WANDERE (28,1 Meilen/ 45,2 km) Biegen Sie nach rechts auf den Parkplatz. Sie befinden sich hier schon ein gutes Stück (ca. 1,6 km) in der Region, in der sämtliche Bäume von der gigantischen Explosion niedergefallt wurden. Das Explosionszentrum, Mount St. Helens, liegt in nur 22,4 km Entfernung. Einen knappen Kilometer weiter nördlich von hier arbeiteten am Morgen des Unglücks James Scymanky und drei andere Holzfäller. Mount St. Helens war hinter dem Kamm des North Fork Ridge verborgen. Laut Scymankys Worten ging der Explosionswolke " .. ein schreckliches Krachen, Grollen und Knirschen ... " voraus. Dann wurde er zu Boden geworfen. Er konnte nichts mehr sehen, aber erinnert sich an die sengende Hitze, Dunkelheit und daran, daß er etwa zwei Minuten kaum atmen konnte. Als er wieder sah, waren sämtliche Bäume niedergeschmettert, und eine dicke Schicht grauer Asche lag über der verwüsteten Gegend. Alle vier Männer erlitten lebensgefährliche Brandverletzungen, denen Scymankys drei Arbeitskollegen etwas später erlagen.

Nach 1980 wurde das Holz der umgestürzten Bäume geborgen, und man pflanzte neue Bäume an. Dazu mußten mit Hilfe von starken Bohrern Löcher...(Fortsetzung auf Seite 19)
_____
19

durch die Aschenschicht in das darunterliegenden Erdreich getrieben werden, in die dann BaumschöZeichnunglinge in eine Mischung aus Asche und Humus gesetzt wurden. Wie Sie sehen, bekommt den Jungbäumen der neue Nahrboden gut.

Von dem kleinen Hügel am Südende des Parkplatzes haben Sie eine eindrucksvolle Aussicht. Die riesige Lawine, die Mount St. Helens' Eruption ausloste, donnerte vom North Fork des Toutle River in das Tal zu Ihren Füßen. Hier wurde ein großer Teil der Ablagerungen bereits durch Verwitterung abgetragen und von Wasser- und Schlammfluten an anderen Stellen wieder abgesetzt, doch ein Stück stromaufwärts ist die ursprünglichei buckelige Oberfläche des Lawinenschutts noch erhalten.

Sehen Sie sich, wahrend Sie zu Ihrem Wagen zurückgehen, das Gestein im Straßeneinschnitt jenseits des Highway an. Diese alten, verwitterten vulkanischen Formationen vermitteln einen Eindruck von dem, was unter den gegenwärtig aktiven Vulkanen der Cascade Range liegt.

Der nächster Anhalt ist in 4,0 Meilen/ 6,4 km.

BEACHTE Der Steilfelsen, der bei (29,6 Meilen/ 47,6 km) geradeaus in Sicht kommt, ist der sogenannte Elk Rock. Er ist 1338 m hoch. Bei den horizontalen Linien, die sich hoch über seine Hänge hinziehen, handelt es sich um alte Holzfällerstraßen. Die Explosion tötete 1980 auch einige Camper am Elk Rock.

Elk Rock

STEIGE AUS (32,1 Meilen/ 51,7 km) Fahren Sie nach rechts auf den Parkplatz. Das Panorama, das sich Ihnen von hier bietet, ist spektakulär (sehen Sie dazu Seite 21-22 Zeichnung -- Panorama von Elk Rock aus (156K)) und durch ein Fernglas betrachtet geradezu atemberaubend. Von Norden nach Süden erkennen Sie am Horizont: in ca. 13 km Entfernung, gleich hinter der unmittelbar von der Katastrophe betroffenen Zone, den bewaldeten Gipfel des Black Mountain oder Schwarzen Berges; in 14,5 km Entfernung Mount Venus (Venusberg), dessen rechte Hälfte in das Katastrophengebiet hineinragt; in ca. 16 km Entfernung, direkt im Zerstörungsgebiet, Mount Whittier und die alpine Kammlinie, die ihn mit Mount Margaret verbindet; Harry's Ridge und dahinter, 66 km entfernt, Mount Adams; Johnston Ridge in 9,6 km Entfernung; Windy Ridge, jenseits des Spirit Lake (zwischen Harry's und Johnston Ridge verborgen) in 16 km Entfernung; Mount St. Helens, dessen einst 2950 m hohe Spitze jetzt nur noch 2550 m mißt; und schließlich, 5 km weiter im Süden, Spud Mountain, dessen Gipfel zwischen der unmittelbar von der Explosion betroffenen Zone (Ostseite) und dem lediglich von der Hitze versengten Gebiet (Westseite) aufragt. Spud Mountain, dessen abgestorbene Bäume alle geborgen wurden, liegt bereits außerhalb des Parks.

Vor dem Horizont sehen Sie eine Reihe weiterer Landschaftsmerkmale: Das Tal an der Nordseite von Mount St. Helens ist unter einer 183 m tiefen Decke von Lawinenschutt begraben; darüber liegt eine weitere Uber 30 m dicke Lage pyroklastischer Auswürfe -- die sogenannte Bimssteinebene. Die Lawine rollte auf diesen Aussichtspunkt zu und dann, westlich am Elk Rock vorbei, noch weitere 8 km....(Fortsetzung auf Seite 20)
_____
20

durch das Tal. Die Oberfläche der Lawinenrückstände, ursprünglich von Hunderten 6 bis 30 m hoher Buckel überdeckt, wird durch Flußerosion und weitere Ablagerungen zusehends ausgeglichen, und es entstehen weite, flachgrundige Täler mit steilen Seitenwänden.

Sehen Sie in die Schlucht hinunter. Wenn Sie Glück haben, entdecken Sie einige der Roosevelt Hirsche, die inzwischen in großer Zahl in das Katastrophengebiet zurückgekehrt sind. Sie grasen gewöhnlich in Herden auf den jungen Vegetationsflächen, die sich an den gewundenen Flußläufen entlangziehen. Der nächste Stop ist in 3,6 Meilen/ 5,8 km.

Castle Lake Overlook

STEIGE AUS (35.7 Meilen/ 57,5 km) Fahren Sie rechts auf den Parkplatz. Von hier bietet sich Ihnen eine beeindruckende Sicht auf den Lawinenschutt, der sich nach dem Unglück von 1980 in der Gegend ablagerte. Der Castle Lake auf der anderen Seite des Tales entstand, als die gewaltigen Schutthalden das Wasser des Castle Creek stauten. Solche großen, infolge von Erdrutschen angestauten Seen sind ein standiger Risikofaktor: falls sie überfließen und ihr Ablaufkanal dabei zerstört wird, können die ausbrechenden Wassermassen verheerende Fluten auslösen.

Wenige Menschen haben je mit eigenen Augen gesehen, wie sich eine große Lawine in Bewegung setzt. Aus purem Zufall aber -- oder sollte man es als einen geologischen Glücksfall bezeichnen -- waren zwei Geologen zugegen, als sich 1980 diese gewaltige Lawine löste. Keith und Dorothy Stoffel überflogen Mount St. Helens in einer kleinen Maschine gerade in dem Augenblick, als das Erdbeben der Stärke 5,1 mit Zentrum unter dem Berg einsetzte. Es war der Tropfen, der das Faß -- die bis zum Zerreißen aufgeblähte Nordflanke des Vulkans -- zum Überlaufen brachte. Etwa 15 Sekunden nach dem ersten Stoß, begannen mehrere riesige Schollen auf der Nordseite Mount St. Helens' abzurutschen. Dorothy Stoffel schilderte den Vorgang in den folgenden Worten: "Auf einen Schlag geriet die gesamte Nordseite des Kraters .wie eine riesige Masse in Aufruhr ... (sie) fing an, sich in Falten zu werfen und zu verziehen ...dann setzte sich die ganze Gipfelseite nach Norden hin in Bewegung..."

Die Lawine erreichte am Fuß von Mount St. Helens Spitzengeschwindigkeiten von 274 km/h. Auf dem Weg über die flacheren Hänge des North-Fork-Tals verlangsamte sie sich. Der Absturz über 24 km bis ins Tal dauerte rund zehn Minuten. Es war die gewaltigste Lawine, die die Geschichte je verzeichnet hatte; ihre Masse umfaßte fast 3 Kubikkilometer an Gestein, Eis, Erdreich und Bäumen. Niemand sah den Absturz in das Tal -- die Wolke der durch die Lawine ausgelösten Explosion....(Fortsetzung auf Seite 21)
_____
21

holte die abrutschenden Massen ein und verbarg die Sicht schon nach der ersten Minute nach dem Kollaps.

Sehen Sie die Teiche dort, wo die buckeligen Ablagerungen noch nicht von Schlammfluten ausgeglichen wurden? Einige dieser Bodensenken entstanden, als riesige Gletscherschollen im Schutt der Lawine allmählich schmolzen und dadurch der Grund über ihnen absank.

Der nächste Anhalt ist in 2,9 Meilen/ 4,6 km.

Coldwater Ridge Visitor Center

WANDERE(38,6 Meilen/ 62,1 km) Das Thema der Ausstellungen dieses Visitor Centers betrifft die Regeneration Mount St. Helens' bzw. allgemein die Art und Weise, auf die die Natur ihre eigenen Wunden heilt. Von der Besichtigung dieser Ausstellungen abgesehen, sollten Sie sich hier auf jeden Fall auch Zeit für einen Rundgang auf dem ca. einen halben Kilometer langen Winds of Change Lehrpfad nehmen.

Der Coldwater- (Kaltwasser-) See am Fuß des Coldwater Ridge ist ein weiteres Beispiel für einen Lawinenstausee. Hier stauten sich die Wassermassen des Coldwater Creek. Alles noch nutzbare Holz der rings um den See von der Explosionswelle niedergestreckten Bäume wurde in den ersten Jahren nach der Katastrophe geborgen, in Flöße gebunden und von Schleppschiffen über den See abtransportiert. Besuchern des Coldwater Lake stehen eine Bootsrampe, ein Angelpier, verschiedene Rundwanderwege und Picknickmöglichkeiten offen.

Bis zum Abschluß der Straßenbauarbeiten im Sommer 1995 endet der Spirit Lake Memorial Highway hier. Später gelangen Sie auf der Strecke bis nach Johnston Ridge; dann ist Ihr nächster Anhalt in ca. 6 Meilen/ 9,6 km.

Spirit Lake Tunnel

STEIGE AUS (45 Meilen/ 72,5 km) Um ein Überfließen des Spirit Lake zu verhindern und seinen Wasserstand zu stabilisieren bohrte das Ingenieurs-Corps der U. S. Army unterhalb von Harry's Ridge einen Tunnel bts in den See. 1982 wäre der See fast über seinen Damm aus lockerem, von der Lawine 1980 hinterlassenen Schutt geschwappt, was im North Fork des Toutle River zu verheerenden Wasser- und Schlammfluten hätte führen können. Damals installierte man Pumpen zum Notbehelf, die den Wasserpegel bis zur Vollendung des Tunnels 1985 kontrollierten.

Der nächste Stop ist in 3 Meilen/ 4,8 km.
_____
22

Johnston Ridge

WANDERE (48 Meilen/ 77,3 km) Hier, nur 8,8 km vom Ausbruchskrater entfernt und vor dem Erdrutsch 366 m hoch über dem Flußtal gelegen, fiel David Johnston, der Geologe, der die letzten Messungen bezüglich der aufgeblähten Nordflanke Mount St. Helens' durchgab, der katastrophalen Vulkaneruption am 18. Mai 1980 zum Opfer. Da die gründliche Abholzung der Gegend freie Sicht auf den Berg gewährte, hatte man diese Stelle gewählt, um die dem Ausbruch vorausgehenden Vorgänge zu beobachten. David Johnstons letzte Meldung an jenem schicksalhaften Morgen wurde um um 8:33 Uhr aufgefangen: "Vancouver, Vancouver, das ist das Ende!" Danach folgte Schweigen.

Gerry Martin, ein Amateurfunker, der 3,3 km nordlich am Coldwater Divide Posten bezogen hatte, wurde ebenfalls Augenzeuge des Bergrutsches und der nachfolgenden Explosion. Sein letzter Funkspruch lautete: "Der Camper und sein Wagen südlich über mir (David Johnston in seinem mit Meßwerkzeugen ausgerüsteten Fahrzeug) sind schon verschüttet. Mich erwischt es auch."

Nach der ersten gewaltigen Explosion, die hauptsächlich die Nordseite Mount St. Helens' betraf, warf der Yulkan über die nächsten neun Stunden Asche in einer hoch in den Himmel aufsteigenden Säule aus, die vom Wind nach Osten abgetrieben wurde. Gase, die aus dem entkorkten Vulkan entwichen, bildeten die Triebkraft für diese anhaltende Eruption. Während des Nachmittags begann aus der offenen Nordseite des Kraters am Fuß der Aschensäule pyroklastisches Material auszuströmen.
_____
23

Pyroklastische Auswürfe (pyro leitet sich aus dem griechischen Wort für Feuer ab, während; kastisch aus dem Verb für "zertrümmern" gebildet ist) sind das gefährlichste und am meisten mißverstandene Erscheinungsmerkmal vulkanischer Aktivität. Ihrer Materie nach sind sie ein relativ dichtes Gemisch aus Steinfragmenten und Gasen, hauptsächlich Wasserdampf, Kohlendioxid und erhitzter Luft. Diese Mischung aus Festbestandteilen und turbulenten Gasen verhält sich bei hohen Temperaturen wie eine Flüssigkeit. An steilen Abhängen bewegen sich pyroklastische Ströme mit Geschwindigkeiten bis über 150 km/h abwärts. Von solch rasch fließenden Strömen aufsteigende Aschenwolken vermitteln den Eindruck, als würden entlang der Vulkanseiten. Eruptionsspalten aufreißen. Am Nachmittag des 18. Mai ergossen sich etwa 20 solcher pyroklastischen Ströme aus dem Krater über die Hänge von Mount St. Helens und hinterließen eine Schicht aus Bimsteinablagerungen auf dem Lawinenschutt. Die Bimssteinablagerungen sind nichts anderes als erstarrter vulkanischer Schaum. Aus einer tiefgefrorenen Bierblume ergäbe sich etwas Ähnliches. Gefrorener Bierschaum bestünde aus winzigen von Eis umgebenen Gasblasen; Bimstein ist nichts anderes als eine Menge winziger von erstarrtem Glas umgebenen Gasblasen. Ausbrechendes pyroklastisches Material ist bis zu 700 Grad Celsius heiß. Wenn es mit Wasser in Berührung kommt, können daraus resultierende Dampfexplosionen ganze Krater in die Ablagerungen sprengen. Die pyroklastischen Ströme, die sich in den Spirit Lake ergossen, oder auf nassen Lawinenschutt auftrafen, lösten eine ganze Reihe solch sekundärer Explosionen aus. Hier in der Bimssteinebene kam es sogar noch Wochen und Monate nach dem Ausbruch zu Dampfexplosionen; unter dem heißen Auswurfsmaterial hatten sich Wassermengen allmählich bis zu dem Punkt erhitzt, daß die Deckschicht unter dem Druck des Dampfs in die Luft flog.

Pyroklastische Auswürfe werden irrtuümlich oft als Lava bezeichnet. Bei letzterer handelt es sich um zähflüssiges, geschmolzenes Gestein, das sich mit weit niedrigerer Geschwindigkeit fortbewegt. Die Kuppe im Krater von Mount St. Helens besteht aus Lava, die, bereits als sie ausbrach, so zähflüssig war, daß sie, anstatt abzufließen, sich über dem Eruptionsschlot anhäufte. Die Kuppe wuchs schubweise. Geringere Lavamengen, die im Sommer 1980 aus dem Magmakanal hervorquollen, wurden im Juli, August und Oktober von Explosionen in die Umgebung geschleudert. Obwohl diese Explosionen weit schwächer waren als die Sprengkraft des ersten Ausbruchs, produzierten auch sie beachtliche Aschenwolken und eine Anzahl kleinerer pyroklastischer Ströme, die sich über die Bimssteinebene ergossen.

Zwischen Ende 1980 und 1986 wuchs die Kuppe während 16 ruhig verlaufender Eruptionen, auf die keine gewaltsamen Explosionen folgten. 1992 hatte sie eine Höhe von 305 m erreicht, ihr Durchmesser an der Basis betrug 915 m. Doch diese Zahlen werden der Sache kaum gerecht; ein Vergleich vermittelt da eine bessere Vorstellung. Stellen Sie sich das Washington-Monument in den Krater versetzt vor; es ist nur halb so hoch wie diese Lavakuppe und würde sich von hier wie ein Streichholz ausnehmen. Der nahezu 1, 6 km weite, 3, 2 km lange und 610 m tiefe Krater ist so groß, daß selbst die Kuppe darin klein wirkt.

Zwischen 1986 und 1992 haben keine weiteren Lavaausbrüche zur Vergrößerung des interessanten Gebildes mehr beigetragen. Allerdings verzeichnete man wischen 1989 und 1992 28 geringfügige Explosionen, deren Herd sich in der Lavakuppe selbst befand; vermutlich wurden sie von erhitztem Grundwasser ausgelöst.

Sind weitere Eruptionen am Mount St. Helens zu erwarten? Die Antwort ist ja, doch wann, läßt sich nur schwer sagen. Die Tatsache, daß die Kuppe seit 1986 nicht mehr weitergewachsen ist, mag ein Zeichen dafür sein, daß die jüngste Aktivitätsperiode endgültig vorüber ist. Andererseits aber weiß man daß einige Ausbrüche des Vulkans in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wie auch schon in vorgeschichtlicher Zeit mehrere Jahrzehnte lang andauerten. Geschichte, und dazu gehört auch die geologische Geschichte, hat die Tendenz, sich zu wiederholen. Die Antwort auf die Frage, wann Mount St. Helens wieder ausbrechen wird, lautet daher: Abwarten und Teetrinken.

Dies ist die letzte Unterbrechung auf Ihrer heutigen Tour. Falls Sie sich noch nicht an den Besucherzentren von Mount St. Helens oder Coldwater Ridge umgesehen haben, können Sie das auf dem Rückweg nachholen. Der zweite Tagesausflug zur Ostseite des Parks beginnt an der Kreuzung der Straßen 25 und 26 (sehen Sie dazu Seiten 2-3 Kartenskizze - Region um Mt St Helens (325K) und 25 Kartenskizze - Nordostseite (104K) ). Versuchen Sie früh aufzubrechen -- es gibt eine Menge zu sehen.


_____
24

KASTEN: VULKANISCH DATEN

Mount St Helens: wurde 1792 von George Vancouver nach Baron St Helens einem englischen Aristokraten benannt
Höhe: 1979 noch 2950m, nach dem Ausbruch von 1980 nur noch 2550m
Erster Ausbruch im 20. Jh: 27. März 1980
Größter Ausbruch: 18. Mai 1980, 57 Opfer
Lawine: raste über eine Strecke von mehr als 24km; ihr Volumen betrug 3 Kubikkilometer
Explosionwolke: zerstöte eine Fläche von 598 km2
Aschenwolke: bix zu 26 km hoch
Pyroklastische Ströme: Temperaturen von über 427 Grad Celsius
Schammfluten: flossen über 120 km weit
Größe des Kraters: 2.4 x 1.6 km, bei einer Tiefe von 610m
Geringere Explosioned: am 25 Mai, 12. Juni, 22. Juli, 7. August und 6. Oktober 1980
Lavakuppe: wuchs schubweise awischen Oktober 1980 und oktober 1986; 1992 war sie ca. 305 m hoch
Schätzzungsweise Zeitspanne für die Regeneration der Wälder, wei sie vor 1980 bestanden: 200 Jahre
Künftige Eruptionen: Ja. Doch wann ist ungewiß


NORDOSTSEITE

Fahren Sie von Castle Rock auf der Interstate 5 bis zur Ausfahrt Nr.68, und von dort weiter auf dem Highway 12 nach Osten in Richtung Randle. Die 106 km lange Strecke folgt in engeren und weiteren Abständen dem Cowlitz- Fluß, der an zwei Stellen, Mayfield und Riffe, zu Wasserreservoirs angestaut wurde.

Falls die Sicht klar ist, konnen Sie von einem nördlich des Highway gelegenen Aussichtspunkt Mount St. Helens aus einer Entfernung von ca. 38 km sehen. Halten Sie ca. 6,5 km hinter Mossyrock-Damm nach dem Straßenschild Ausschau, fahren Sie dort etwa 1,6 km bis zum Ende der Nebengtraße und sehen Sie nach Süden. Sie erkennen Mount St. Helens an seiner typischen Silhouette und, wenn Sie Glück haben, auch die Lavakuppe im Krater. Zurück auf der Hauptstraße sollten Sie die Augen nach Mount Rainier und Mount Adams offenhalten. Entlang des Highway 12 haben Sie von mehreren Stellen aus Sicht auf die beiden Berge.

In Randle sollten Sie Ihren Benzinvorrat überprüfen; denn von hier aus geht es ins Hinterland, wo es keine Tankstellen gibt. Biegen Sie nach Süden auf die Straße Nr. 25 ab, und nehmen Sie dann, 14,5 km südlich von Randle, die Straße Nr. 26, die nach rechts abzweigt. Stellen Sie Ihr Tourenmeter hier auf Null, oder notieren Sie sich Ihren Meilenstand. Ihr erster Stop ist in 9,2 Meilen/ 14,8 km.

BEACHTE Die schmale, landschaftlich schöne Straße steigt im Hochland nördlich von Mount St. Helens kontinuierlich an. Sie kommen hier nicht schnell vorwärts, die Geschwindigkeit ist auf 25 mph/ 40,2 km/h begrenzt, was angesichts der zweispurigen Fahrbahn mit Gegenverkehr, auf der sich nur alle paar hundert Meter an seitlichen Ausbuchtungen Überholungsmöglichkleiten bieten, nur vernünftig erscheint. Bestände alter Nadelwälder wechseln hier mit abgeholzten Arealen ab. Laubbäume, besonders Roterlen und Ahorn, wachsen auf Lichtungen, die nicht wieder aufgeforstet wurden. Im Niederstand finden sich vor allem Holunder, Farne und Vanille.
_____
25

Im Frühsommer können Sie hier die fedrigen Blüten des Geißbart und die hohen Dolden der sogenannten Kuh-Pastinake. Bei (4,0 Meilen/ 6,4 km) vermittelt Ihnen ein alter Nadelwald einen Eindruck davon, wie die gesamte Region vor hundert Jahren aussah.

Bei (8,0 Meilen/ 12,9 km) zweigt eine Schotterstraße rechts nach Quartz Creek Big Trees ab. Falls Sie früh genug aufgebrochen sind und Zeit für einen kurzen Seitenabstecher haben, fahren Sie die Straße entlang, bis Sie nach 1,3 Meilen/ 2,1 km zu einem Rundwanderweg gelangen, der sich durch einen wunderbaren alten Wald aus Westlichen Rotzedern und Douglas-Föhren windet. Stellen Sie sich auf Ihrem Spaziergang hier vor, wie Bäume dieser Größe -- einige sind tatsächlich nicht weniger als 61 m hoch -- von der vulkanischen Gewalt innerhalb einiger Augenblicke in ein Nichts verwandelt wurden. Falls Sie sich zu diesem Seitentrip entschließen, vergessen Sie nicht, ihrem Gesamtmeilenstand ab hier 2,6 Meilen/ 4,2 km hinzuzurechnen.

Destructions Edge

STEIGE AUS (9,2 Meilen/ 14,8 km) Biegen Sie rechts auf die Straßenausbuchtung ab. Hier befinden Sie sich genau am Rand der 1980 von der Eruption verwüsteten Region, obwohl Mount St. Helens, das Zentrum der Zerstörung, über 20 km weiter südlich liegt und hinter den davorliegenden Gebirgszügen nicht einmal sichtbar ist. Die meisten der verbrannten oder niedergefällten Bäume in dieser Gegend wurden inzwischen geborgen, daher sind die Auswirkungen des Ausbruchs vielfach gar nicht mehr klar erkennbar. Hoch auf den Abhängen über der Straße sind einige alte Bäume am Leben geblieben, was zeigt, daß die Explosionswolke durch das Tal des Quartz Creek kanalisiert wurde. Ihr nächster Anhalt ist in 3,5 Meilen/ 5,6 km.

BEACHTE Besonders nach der Schneeschmelze oder nach Regenfällen können Sie entlang dieser Strecke mehr oder weniger stark niedergehende Wasserfälle sehen. Einer der schönsten ist der am Quartz Creek bei (10,4 Meilen/ 16,7 km). Das Gebiet der Cascade Range verzeichnet gewöhnlich starke Schneefälle im Winter und trockene Sommer.
_____
26

Ryan Lake

WANDERE (12,7 Meilen/ 20,4 km) Biegen Sie nach rechts auf den Parkplatz ab. Hier haben Sie von einem 0,9 km langen Wanderrundweg Ausblick auf den Ryan-See, sowie, hinter dem Gebirgskamm, das Tal des Green River und das Hinterland von Mount St. Margaret. Schilder entlang des Pfades geben Auskunft über die Zerstörung und Regeneration des Gebiets, ebenso wie über hier vargenommenen Bergungsarbeiten.

Nördlich des Ryan Lake wurde 1980 ein Urlauber während des Ausbruchs getötet. Wie so viele andere Opfer, die sich zu dem Zeitpunkt im Unglücksgebiet aufhielten, erstickte er in den heißen Gasen und der Asche der Explosionswolke. Die niedergeschmetterten Bäume um den See hat man an Ort und Stelle belassen, obgleich das Gebiet sich außerhalb des Parks befindet. Etwas weiter vom Ufer entfernt, wurde das noch nutzbare Holz umgestürzter und verkohlter Bäume in den ersten zwei bis drei Jahren nach dem Ausbruch geborgen. Danach ging man an die Wiederaufforstung des Areals; 1992 waren die jungen Douglas-Föhren zu beiden Seiten des Rundwegs bereits 2,5 m hoch, wobei ihre jährliche Waehstumsrate ca. 30 cm beträgt.

Der Ryan Lake war zum Zeitpunkt des Ausbruchs im Unterschied zu anderen, höher gelegenen Seen nicht zugefroren. Die großen Mengen organischen Schutts, die direkt ins Wasser geschleudert wurden, bewirkten daher drastische chemische Veränderungen, Erhöhtes Mikrobenwachstum führte zu Sauerstoffmangel und zum Absterben sämtlicher Fischbestände. Schon fünf Jahre später aber hatte sich die chemische Zusammensetzung des Wassers weitgehend normalisiert, und viele der ursprünglichen Lebensformen traten wieder in Erscheinung. Inzwischen hat sich Ryan Lake fast ganz erholt.

Bei dem grauen, lockerkörnigen Bodenmaterial zu beiden Seiten des Pfads handelt es sich um Asche, die während des Ausbruchs ausgeworfen wurde. Die Schicht ist 7,6 cm dick; darüber verstreut sind kieselartige, lederfarbige Bimssteinbrocken, die nach der ersten Explosion aus der hochaufsteigenden Eruptionswolke niederprasselten. Nehmen Sie einige dieser luftblasengefüllten Brocken vulkanischen Glases in die Hand, um zu fühlen wie leicht sie sind. Aber nehmen Sie sie nicht mit; werfen sie sie lieber zurück, damit die Besucher nach Ihnen auch noch etwas zu sehen haben.

Erdhörnchen, Goldenmantled Ground Squirrels, wie diese spezifische Art auf Englisch genannt wird, gibt es am Ryan Lake in Hülle und Fülle. Auch am Parkplatz betteln sie frech um Futter und posieren dafür auch gern für ein Photo. Doch wenn Sie sie tatsächlich mit Picknick-Snacks belohnen,
_____
27

kann das ihren Tod bedeuten. Ihre unterirdischen Vorräte an wilden Samen halten den Winter über. Aber verderbliche Lebensmittel können, wenn sie am gleichen Ort vergraben werden, dazu führen, daß alles getagerte Futter verfault, und das Tier schließlich verhungert.

Biegen Sie nach rechts auf die Straße Nr.26 ab; Ihr nächster Zwischenstop ist in 1,5 Meilen/ 2,4 km.

Das verwüstete Gebiet

STEIGE AUS (14,2 Meilen/ 22,9 km) Halten Sie auf der klei nen Ausbuchtung an der Straße an. Die zu Boden gestürzten Bäume hier im Quellgebiet des Green River hat man so gelassen wie sie fielen. Bemerken Sie, daß sich in der Lage der Stämme auf den Hängen vor I hnen die wirbelnde Bewegung der Explosionswolke widerspiegelt? In der Nähe von Mount St. Helens fielen die Bäume so, daß ihre Spitzen in die Gegenrichtung des Kraters zeigten. Doch in dieser Entfernung hier begannen Schwerkraft und Topographie die Bewegungsrichtung des überluftdichten Gemisches aus heißen Gasen und Gesteinsfragmenten abzulenken. Womöglich hätten manche der Bäume orkanartigen Winden Widerstand geboten, doch der Anprall der schwer mit Asche gesättigten Wolke war zu groß; und sobald die Bäume einmal zu stürzen begannen, rissen sie andere wie Dominosteine mit sich.

Wenn Sie die Jahre, die seit dem Ausbruch vergangen sind addieren, wird klar, daß die Regeneration hier ein sehr langsames Schrittempo anlegt. Noch 1992 bestimmt der trostlose Anblick umgestürzter Bäume das Landschaftsbild. Doch in ein oder zwei Jahrzehnten werden selbst hier nachwachsende Bäume die Wunden jenes großen "Steinwindes" allmählich überdecken.

Der nächste Anhalt ist in 2,7 Meilen/ 4,3 km.

BEACHTE Der Norway Pass Trailhead ist Ausgangspunkt für eine atemberaubende Wanderung in das verwüstete Gebiet mit Blick auf den Spirit Lake (sehen Sie dazu auch S.43).

Meta Lake

STEIGE AUS (16,9 Meilen/ 27,2 km) Biegen Sie rechts auf den Seitenstreifen, um einen Blick auf diesen kleinen, von zerstörtem Wald umgebenen Bergsee zu werfen. Vom nächsten Zwischenstop in 0,7 Meilen/ 1,1 km aus können Sie zu Fuß bis zum Ufer des Meta-Sees gelangen. Biegen Sie ein Stück weiter von hier, bei (17,4 Meilen/ 28 km) auf die Straße Nr.99 nach Windy Ridge ab.

Meta Lake und Wagen der Erzschürfer

WANDERE (17,6 Meilen/ 28.3 km) Am 17. Mai 1980 parkten drei Mitglieder einer Familie diesen Wagen am Rand einer Holzfällerstraße, um zu Fuß eine nahegelegene Erzschürfer-Hütte zu erreichen. Am nächsten Morgen fanden sie alle den Tod. (Fortsetzung auf Seite 28)
_____
28

Die Explosion zerstörte die Hütte und schleuderte den Wagen 18m weit durch die Luft, obwohl der Ort immer noch 14,5 km von Mount St. Helens entfernt liegt.

Solche Gewalt ist fast unvorstellbar. Es handelte sich weder um eine atomare noch eine chemische Explosion (wie z.B. Trinitrotoluol), eher war sie dem In-die-Luft-Gehen eines gigantischen Heißwasser-Boilers vergleichbar. Die mit Steinpartikeln beladene Wolke brach mit einer Geschwindigkeit von 322 km/h aus. Ihre Temperatur variierte beträchtlich, doch erreichte bis zu 260 Grad Celsius. Augenzeugen knapp außerhalb der tödlichen Reichweite beschrieben, wie die 150-300 m dicke, schwarze, wirbelnde Wolke, am Boden entlang raste, Bergzüge überkletterte, und in Tälern verschwand, um dann über der nächsten Hügelkette ein Stück näher wieder aufzutauchen.

Machen Sie einen Spaziergang zum Meta Lake, um den Regenerationsprozess in dieser Gegend zu begutachten. Der 0,8 km lange, fas ganzlich ebene Wanderrundweg kann auch von Rollstuhlfahrern benutzt werden.

Anders als der Ryan Lake war der Meta Lake zum Zeitpunkt des Ausbruchs von einer Eis- und Schneeschicht bedeckt, unter der Fische, einige Amphibienarten und Insektenlarven überlebten. Auch in diesen See floß eine Menge organischen Materials, das die chemische Zusammensetzung des Wassers beeinträchtigte, doch das schmelzende Eis hinterließ an der Oberfläche eine Schicht frischen Wassers, in der Fische sich am Leben hielten. Inzwischen hat sich das biologische Gleichgewicht des Sees wieder normalisiert und bietet einer Vielfart von Lebensformen Raum.

Die gesunden, jungen Bäume um den See sind Pazifische Silberföhren. Sie waren 1980 noch so klein, daß sie unter einer Schneedecke die Katastrophe überdauerten, während größere Bäume zerstört wurden. Inzwischen sind sie über den ursprünglichen Wald hinausgewachsen.

Sehen Sie die unter Wasser stehende Beobachtungsplattform? Hier haben Bieber, die zum Meta Lake zurückkehrten, durch ihre Dammbauten den Wasserspiegel des Sees erhöht. Einige der Dämme werden Sie auf dem Rückweg zum Parkplatz in dem Bach bemerken, der hier fließt.

Vom Parkplatz aus fahren Sie nach rechts weiter auf der Straße Nr. 99 in die Richtung von Windy Ridge. Der nächste Anhalt ist in 4,2 Meilen/ 6,8 km.

BEACHTE An klaren Tagen beherrscht Mount Adams (3742m) ca. 45km in östlicher Richtung die Fernsicht. Geologen haben errechnet, daß dieser Vulkan seit der letzten Eiszeit vor etwa 12 000 Jahren insgesamt acht Mal ausgebrochen ist, das Datum der letzten Eruption ist jedoch ungewiß.

Bei (19,0 Meilen/ 30,6 km) passieren Sie einen Ort, von dem aus Sie Blick auf die Gipfel des Kaskadengebirges haben. An diesem Aussichtspunkt, er liegt unmittelbar außerhalb des Parks, sind Mahlzeiten und Snacks erhältlich. Da die Straße an dieser Stelle direkt an der Parkgrenze entlang verläuft, ist der Kontrast zwischen den ...(Fortsetzung auf Seite 29)
_____
29

Landschaften klar erkenntlich. Zu Ihrer Rechten, innerhalb des Parks, befindet sich das Gebiet, das man dem natürlichen Regenerationsprozeß überlassen hat. Das Gelände links wurde von zerstörten Bäumen geräumt und anschließend zu holzwirtschaftlichen Zwecken neu aufgeforstet.

In den Straßeneinschnitten zwischen hier und Windy Ridge liegen schichtenweise lockere Asche und Bimsstein zutage -- Auswürfe mehrerer Generationsstufen von Mount St. Helens. Die Deckschicht, nicht weniger als 90 cm dick, stammt von dem Ausbruch von 1980, während die tieferen Lagen Überreste aus fünf weiteren Aktivitätsperioden sind, die in einem Zeitraum von vor 150 bis vor 4000 Jahre anzusiedeln sind.

Am Parkplatz zu Ihrer Rechten bei (20, 4 Meilen/32,8 km) befindet sich der Eingang zum Independence-Pass-Wanderweg, der auf Seite 43 beschrieben ist.

Harmony Viewpoint

STEIGE AUS (21.8 Meilen/ 35.1 km) Der Spirit Lake, oder Geistersee, der 183 m unterhalb dieses Aussichtspunkts liegt, hat eine wechselhafte Geschichte. Der See entstand vor etwa 3500 Jahren, als Schuttmassen infolge eines Ausbruchs von Mount St. Helens den Toutle River in seinem Tal anstauten. Vor etwas mer als 400 Jahren ließen ihn massive Bimssteinauswürfe aus einem anderen Ausbruch ansteigen. Zu jenen Zeiten war die Region des Berges von Indianern besiedelt, deren Legenden von b&uouml;sen, den See bewohnenden Geistern vermutlich auf natürlichen Erscheinungen beruhen: Perioden während derer der See plötzlich abfiel, wobei vermutlich auch verheerende Schlammfluten auftraten.

Doch der Geeistersee kennt auch Zeiten der Ruhe und Schönheit. Viele Einwohner erinnern sich der glücklichen Sommer, während derer sie am Spirit Lake campierten. Harmony Falls Resort, ein Urlaubsort am Seeufer, der nur im Boot erreicht werden konnte, bot vielen Menschen Erholung von der Hektik der Städte des 20. Jahrhunderts. Vor 1980 bedeuteten Kanu-Fahrten auf dem von hohen Wäldern umgebenen See eine Reise zurück in den Nordwesten Amerikas des 19. Jahrhunderts.

Doch die Ruhe war schlagartig dahin, als 1980 die riesige Steinlawine mit unvorstellbarer Gewalt von Mount St. Helens niederstürzte, und ihre Massen sich mit der Geschwindigkeit eines Schnellzugs in den See ergossen. Bis zu 260 m hohe Wellen schlugen an die Ufer und rissen zerschmetterte Baumstämme wieder mit sich zurück ins Wasser. Fast im selben Augenblick donnerte die Explosionswolke des sich entladenden Vulkans über den wogenden See.

Als das Wüten nachließ, trauten die ersten Augenzeugen in Rettungshubschraubern ihren Augen nicht: Der See war eine ganze Meile (1,6 km) länger und 61 m höher als noch am Tag zuvor. Seine Ufer waren leer gespült; der umliegende Wald war verschwunden und eine Schicht zersplitterten Holzes bedeckte die Oberfläche ...(Fortsetzung auf Seite 30)
_____
30

des toten Gewässers. Pyroklastische Ströme, die unaufhörlich aus dem Krater rannen, lösten an der südwestlichen Uferlinie Dampfexplosionen aus.

Inzwischen herrscht hier wieder Ruhe, doch die Zeichen der Verwüstung jenes Morgens sind noch sichtbar. Falls Sie genug Zeit haben, können Sie auf einem 1,6 km langen, steil abfallenden Pfad bis zum Ufer wandern, um zu sehen, inwieweit der See sich in der Zwischenzeit von dieser jUngsten Attacke böser Geister erholt hat. Das Gebiet steht Forschungszwecken zur Verfügung, bleiben Sie daher unbedingt auf dem Weg.

Ihr nächster Aufenthalt ist in 2,8 Meilen/ 4,5 km am Windy Ridge. Den Smith-Creek Aussichtspunkt links bei (23,4 Meilen/ 37,7 km) sollten Sie sich für den Rückweg aufheben.

Windy Ridge

STEIGE AUS (24.6 Meilen/ 39.6 km) Windy Ridge (Windiger Kamm) ist der herausragende Aussichtsort auf Ihrer heutigen Tour. Hier sehen Sie von 1219 m Höhe zum 2550 m Hohen Mount St. Helens auf und hinab auf den Spirit Lake (1050 m). Sehen Sie sich die Zeichnung auf Seite 32-33 Panorama von Windy Ridge (156K) an und suchen Sie dann mit scharfen Augen, oder besser noch mit einem Fernglas, den Horizont vor sich von rechts nach links ab. Mount Margeret, ganz rechts, befand sich mitten im Katastrophengebiet. Genau besehen lagen alle von hier sichtbaren Landschaftsstriche innerhalb des 1980 von der verheerenden Eruption betroffenen Gebiets. Harry's Ridge ist nach Harry Truman, dem Besitzer des Spirit Lake Lodge, benannt, der starb, als die Lawine sein Hotel unter sich begrub. An Harry's Ridge sind die Spuren, die die von der Lawine und der Druckwelle mitgerissenen Bäume und Erdmassen 1m Grundfelsen hinterließen, heute noch sichtbar.

Bei dem buckeligen Landschaftsabschnitt zwischen Harry's Ridge und Johnston Ridge handelt es sich um Lawinenschutt. Die Wucht der Lawine war so groß, daß sie sich 366 m an der Kammwand von Johnston Ridge emporschob. Ein Teil der Schuttmassen ergoß sich sogar über den Kamm bis in das nachste Tal (von hier aus hinter Johnston Ridge gelegen).

Elk Rock, einer der wichtigsten Aussichtspunkte am Spirit Lake Memorial Highway, liegt 17,7 km östlich von hier. Zwischen dem Ufer des Spirit Lake unterhalb Harry's Ridge und der nördlichen Basis von Mount St. Helens breitet sich die Bimssteinebene aus, die enstand, als pyroklastische Ströme sich über den Lawinenschutt ergossen und im See gewaltige Nebenexplosionen auslösten.

Der "Badewannenring" aus Holzteilen, die der See während seines Höchststandes an das Ufer spülte, zeigt, wie nahe vor der Überflutung der Spirit Lake 1982 stand. Wäre es tatsächlich dazu gekommen, dann hätten die rasch verwitternden Massen von Bimsstein und Lawinenschutt im North Fork des Toutle River zu noch größeren Schlammfluten führen können, als sie während des ...(Fortsetzung auf Seite 31)
_____
31

Ausbruchs aufgetreten waren. Das Ingenieurs-Corps der Armee senkte den Wasserspiegel mit Hilfe von Pumpbooten und quer über die Bimssteinebene verlegten Rohren, bis 1985 der Bau des permanenten Abfluß abgeschlossen war (siehe dazu auch S. 21).

Spirit Lake, der See, der nicht nur am nächsten zu Mount St. Helens lag, sondern sich auch genau im Weg der Druckwelle und der Lawine befand, war von der Zerstörung am meisten betroffen. Abgesehen davon, daß er in Lawinenschutt, Asche und unzähligen Tonnen organischen Materials fast erstickte, erhöhte sich, als sich die pyroklastischen Ströme in ihn ergossen, seine Temperatur auf fast 38 Grad Celsius. Überleben konnte dabei nichts mehr.

Der Spirit Lake machte die gleichen chemischen Prozesse durch wie die kleineren Seen, allerdings in so großem Maßstab, daß vielfach angezweifelt wurde, ob er jemals wieder Leben beherbergen könnte. Doch schon nach fünf Jahren hatte sich sein Wasser weitgehend erholt. Zwei der wichtigsten Faktoren waren dabei große Mengen frischen Wassers, die durch durch Regen und schmelzenden Schnee in den See gelangten, sowie der Zusatz von Sauerstoff infolge steter Wind -- und Wellenbewegung. Heute gedeihen im Spirit Lake die verschiedensten Lebensformen, von Algen angefangen bis hin zu Fröschen. Auch Fische könnten hier leben, fänden sie nur Zugang zu dem See.

Das Splitterholz, das heute noch Teile des Sees bedeckt, breitete sich einst über seine gesamte Oberfläche aus. Obwohl es mit der Zeit allmählich absinkt, wird der Großteil wohl noch auf Jahre hinaus auf der Wasseroberfläche treiben. Die hölzernen Matten, die vom Wind über den See getrieben werden, lassen ihn jeden Tag anders aussehen.

In 8 km Entfernung ragt der Stumpen von Mount St. Helens auf. Die Lavakuppe in seinem gewaltigen, hufeisenförmigen Krater ist hinter dem nordöstlichen Rand des Trichters verborgen, doch am Südrand ist der 2550 m hohe restliche Teil des Gipfels sichtbar. Vor 1980 war dieser Gipfel 2950 m hoch; aber der Verlust der 396 m ist nur ein Teil der Geschichte; der 610 m tiefe Krater unterhalb des stehengebliebenen Randes ist ein anderer. Hat der Vulkan seine eigen Spitze in die Luft gesprengt? Nicht wirklich. Der großte Teil des Gipfels rutschte mit der Lawine ab, und der dadurch entstandene Krater wurde durch die Explosion und die nachfolgend hoch aufschießende Aschenwolke lediglich vergrößert. Etwa 90% der verschwundenen Teile des Berges befinden sich im Lawinenschutt.
_____
32

Von dem Hügel am Nordende des Parkplatzes von Windy Ridge hat man eine spektakuläre Aussicht auf den Spirit Lake und das umliegende Land, falls Sie bereit sind, die 368 steilen Stufen bis nach oben zu steigen. Fahren Sie von Windy Ridge wieder bis zur Kreuzung am Meta Lake zurück. Der nächste Stop ist in 1,2 Meilen/ l,9 km.

Smith Creek Viewpoint

STEIGE AUS (25,8 Meilen/ 41,5 km) Fahren Sie nach rechts auf den Parkplatz. Der Oberlauf des Smith Creek, ebenso wie die steilen Hügel und das Tal, die Sie von hier aus sehen, lagen direkt im Unglücksgebiet und befinden sich innerhalb des Parks. Die Regeneration ist und wird hier auf natUrlichem Weg vor sich gehen.

Während des Ausbruchs von 1980 ergoß sich eine Schlamflut in den Smith Creek, und von da in den Muddy River (Schlammigen Fluß) und das Swift- Reservoir. Glücklicherweise war diese Flut schwächer als die, die durch den Toutle River tobte. Außerdem hatte man den Pegel des Swift-Reservoirs vor der Eruption vorsichthalber erniedrigt, so daß ein Überfließen des Wassers in den Lewis River südlich von Mount St. Helens verhütet wurde.

Am Morgen der gigantischen Eruption, hielt sich eine Gruppe von Bergsteigern in Gipfelnähe von Mount Adams auf, den Sie jenseits des unweit gelegenen Bergrückens aufragen sehen. Die Bergsteiger konnten die sich weit nach Norden ausdehnende Explosionswolke klar sehen, doch die anschließend vertikal aufschießende Aschensäule verschwand in hochliegender Bewölkung. Etwa 20 Minuten später begannen aus dieser Aschensäule feste Gegenstände auf sie niederzuregnen. Zunächst kamen winzige, weiche Kügelchen, dann versengte Kiefernzapfen und -- zweige, manche über 40 cm lang, die beim Auftreffen noch heiß waren, Kurz darauf fielen Bimsteinbrocken, von denen manche einen Durchmesser von fast zwei Zentimetern hatten, herab. Während die Bergsteiger sich eilends auf den Weg nach unten machten, hielt der Regen feiner Asche bis in den Nachmittag hinein an. Mount Adams befand sich am Südrand der von dem Aschenregen betroffenen Region, doch der Wind blies höhere Teile der Wolke bis unmittelbar über Yakima in Zentral- und Ritzville in Ost- Washington.

In Yakima fiel die Asche vom späten Vormittag an den ganzen Tag lang. Die automatische Straßenbeleuchtung schaltete sich ein, man erinnert sich, daß der Tag "scharz wie die tiefste Nacht" war, obwohl der Aschenregen nur etwas über einen Zentimeter betrug. Ritzwille wurde von einer talkumartigen Aschenschicht bedeckt, die 5 - ca. 7,5 cm dick war. Wagenfilter verstopften, die Leute gingen mit Staubmasken auf die Straße und wurden von Bankangestellten gebeten, sich zu demaskieren, bevor sie das Gebäude betraten. Auch Idaho und Montana bekamen etwas von dem Aschenregen ab, und am Mittag des 19. Mai fiel sogar auf Denver eine Puderschicht. Die Räumung...(Fortsetzung auf Seite 33)
_____
33

dickerer Aschenlagen auf Landstraßen und in Städten war kostspielig. Man sprach von "grauem Schnee, der nicht schmelzen wollte," immerhin aber richtete dieser "Schnee" keine größeren Schäden an. Ja, langfristig gesehen profitieren die Böden Nordwestamerikas beträchtlich von den Nährstoffen, die in den von den Vulkanen des Kaskadengebirges eruptierten Aschenlagen allmählich freigesetzt werden.

Warum hatte der Auswurf so ungeheurer Massen von Asche während des Ausbruchs von Mount St. Helens keine größere Auswirkung auf das Klima? Der Pinatubo auf den Philippinen brach 1991 aus, und die Wolke aus Staub und Schwefelgasen kreist immer noch (1993!) in der Stratosphäre, erniedrigt weltweit die Temperaturen um 0,5 - 1,0 Grad Celsius und sorgt für blendende, farbige Sonnenuntergänge. Als Antwort auf diese Frage lassen sich drei Gründe anführen: Erstens war die Eruption des Pinatubo zehnmal stärker als diese -- was angesichts der Zerstörung hier kaum vorstellbar ist. Zweitens stiegen die Aschenwolken des Pinatubo weit höher als die von Mount St. Helens; mehrere Millionen Tonnen von Asche und Schwefelgasen gelangten bis in die Stratosphäre, wo sie nicht mehr von Regen ausgewaschen werden können. Und drittens liegt der Pinatubo näher zum Äquator, so daß der eruptive Staub und die Gase um beide Hemisphären der Erde kreisen.

Der nächste Stop ist in 8,6 Meilen/ 13,8 km.

BEACHTE An der Kreuzung der Straßen Nr. 99 und 26 bei (31,9 Meilen/ 51,3 km) fahren Sie auf der 99 weiter geradeaus. Bei (32,5 Meilen/ 52,3 km) gelangen Sie an den Rand der direkt von der Explosiombetroffenen Zone. Ab hier windet sich die Straße zwischen zerschmetterten Bäumen auf der einen Seite und stehenden toten Bäumen auf der anderen, sekundär von der Hitze in Mitleidenschaft gezogenen Seite hin und her.

Boundary Viewpoint

STEIGE AUS (34,4 Meilen/ 55,4 km) Hier überschneidet sich der Rand des Katastrophengebietes mit der Parkgrenze. Der Clearwater Creek den Sie tief im Tal zu Ihren Füßen sehen, fließt in den Muddy River und von da weiter in und das Swift-Reservoir. Sie haben hier eine letzte Möglichkeit, ein Photo von Mount St. Helens im Hintergrund abgestorbener Bäume, die die Explosionswolke gerade noch am Rand erreichte, zu schießen. Ihr nächster Zwischenstop ist in 2 Meilen/ 3,2 km.
_____
36

Bear Meadow (Bärenwiese)

STEIGE AUS (36,4 Meilen/ 58,6 km) Zwei Photographen, Gary Rosenquist und Keith Ronholm, befanden sich mit anderen Campern an dieser Stelle, als der Vulkan ausbrach. Die Photos, die sie aufnahmen, sind von ebenso hohem wissenschaftlichen Wert, wie sie populär wurden, denn sie zeigen mit dramatischer Klarheit, was sich in den ersten Minuten nach der Eruption abspielte. Abgesehen davon hatten die Leute hier unwahrscheinliches Glück. Die Stelle ist nur ca. 16 km von Mount St. Helens entfernt, doch während ein Teil der Explosionswolke sich 22,5 km nach Norden ausbreitete und ein anderer 17,7 km gen Osten raste, blieb Bear Meadow, exakt dazwischen, verschont.

Augenzeugen, die das Unglück hier oder anderswo überlebten, berichten in Zusammenhang mit der wirbelnden, aschebeladenen Explosionswolke auch von häufig auftretenden Blitzen. Diese unheimlichen elektrische Entladungen fügen dem Schrecken explosiver YulkanausbrUche noch ein weiteres Moment hinzu.

Der nächste Stop ist in 8, 4 km. Bei (41,1 Meilen/ 66,2 km) biegen Sie nach links auf dle Straße Nr. 25 ab.

Iron Creek Falls

WANDERE (41,6 Meilen/ 67,0 km) Biegen Sie auf den Parkplatz nach rechts ab und laufen Sie auf dem 0,4 km langen Weg bis zu den Iron Creek Falls (hin und zurück). Der Wasserfall, der in einem Becken mit kristallklarem Wasser aufgefangen wird, und ist ringsum von tiefem Wald umgeben. Die Stelle gibt die beruhigende Rückversicherung, daß die Erde beständig ist und daß wohl der größte Teil des Parks dereinst wieder so aussehen wird wie hier.

Damit sind Sie am Ende Ihres heutigen Ausflugs angelangt. Auf der Straße Nr. 25 können Sie weiter bis Randle oder nach SUden bis Cougar fahren.


SÜDSEITE

Der Ausbruch von 1980 zog hauptsächlich die West-, Nord- und Ostseite des Berges in Mitleidenschaft. Falls Sie Ihren Besuch am Mount St. Helens um einen Tag verlängern können, sind jedoch die einzigartigen vulkanologischen Phänomene wie auch die landschaftliche Schönheit der Südseite ebenfalls einen Ausflug wert. Nehmen Sie bei Woodland die Abfahrt 21 von der Interstate 5 und fahren Sie zunächst auf der Route 503, dann Route 90 ca. 48 km durch das Tal des Lewis River bis nach Cougar (sehen Sie hierzu Seite 2-3 (325K)). Bezüglich der hinter Cougas liegenden Ziele gibt Ihnen die Karte auf Seite 37 Auskunft. (Kartenskizze -- Sudseite (104K)).

Trail of Two Forests

WANDERE Fahren Sie von Cougar aus auf den Straßen 90, 83 und 8303 etwa 16 km, bis Sie zu diesem außergewöhnlichen Wanderweg gelangen. Auf den ersten Blick sieht er aus, als handle es sich hier lediglich um irgendeinen einen landschaftlich schön gelegenen, gut angelegten Plankenpfad durch einen üppig grünen Wald. Stimmt auch, doch der Weg hat außerdem eine interessante Hintergrundsgeschichte. Unter ihm und den ihn umgebenden Bäumen liegt ein alter Wald, der vor rund 2000 Jahren von Lava überschwemmt wurde.

Ströme flüssiger Lava des sogenannten Pahoehoe-Typs, für einen explosiven Vulkan wie Mount St. Helens äußerst ungewöhnlich, ergossen sich damals über den Südhang des Berges und begruben Baume unter sich, die weit hoher waren als die, die heute hier wachsen. Die meisten der Bäume stürzten um, einige blieben stehen, alle aber starben ab. Sie verbrannten, während die Lava langsam auskühlte und erstarrte, und hinterließen Gußformen, in denen die Abdrücke ihrer Rinden heute noch sichtbar sind.

Ein Grund für die Größe der Bäume jenes alteren Waldes ist vermutlich, daß sie in einem tiefen Grund vulkanischer Asche wurzelten, während der gegenwärtige Wald sich mit einer relativ dünnen Erdschicht auf den erstarrten Lavalagen begnügen muß.
_____
37

Von dem 0,4 km langen Rundweg aus können Sie einige der von den Bäumen hinterlassenen Gußformen sehen, in denen inzwischen junge Bauml;ume und Farne wachsen. Falls Sie genügend Abenteuerlust besitzen, können Sie auf einer Leiter in eine vertikale Gußform hinuntersteigen und von da durch zwei andere weiträumige, horizontal verlaufende Hohlformen kriechen. Falls Sie klaustrophobisch veranlagt sind, lassen Sie das jedoch besser bleiben.

Ape Cave (Affenhöhle)

B>WANDERE Die weiträumige Höhle -- eigentlich handelt es sich um einen Lavatunnel -- liegt etwa 1,6 km hinter dem Trail of Two Forests an der Straße Nr. 8303 (wird im Winter nicht von Schnee geräumt). Lavatunnel bilden sich im Inneren von Strömen flüssiger Lava, die über Wochen oder Monate aus einem einzigen Eruptionsschlot dringen. Während der Hauptkanal der Lava abkühlt und sich außen mit einer festen, bis ca. 1 m dicken Kruste umgibt, strömt im Kern flüssiges Material weiter. Dadurch wird Hitze konserviert und der Strom kann kilometerweit bergabwärts fließen. Sobald jedoch der Nachschub frischer Lava aus dem Eruptionsschlot aufhört, fließt der Flüssigkern des Stromes nach unten ab und hinterläßt einen leeren Tunnel.

Der Lavastrom, in dessen glühend heißem Inneren auf diese Weise die Affenhöhle entstand, bahnte sich vor 2000 Jahren seinen Weg durch ein Flußtal von Mount St. Helens abwärts. Weiter unten begrub und yerbrannte er die Bäume, deren Gußformen am Trail of Two Forests noch zu sehen sind. Aus der Tatsache, daß hier eine von Hawaii her bekannte Art von Lava austrat, ist zu schließen, daß nicht alle Eruptionen im Verlauf der Geschichte von Mount St. Helens gewaltsam und explosiv waren.

Die Affenhöhle, sie wurde 1951 entdeckt, doch erst 1958 gänzlich erforscht, ist der längste bekannte Lavatunnel Nordamerikas. Vom Haupteingang, einer Einbruchstelle in der Decke des Tunnels aus erstreckt sich die Höhle 1392 m nach unten und 2134 m nach oben. Den unteren Teil des Tunnels können Sie mit starken Taschenlampen oder Laternen (während der Sommersaison am Ei ngang der... (Fortsetzung auf Seite 40)
_____
40

Höhle auszuleihen) ohne Schwierigkeiten selbst erkunden. Doch Kletterparien über die Steinhaufen im oberen Teil der Höhle überlassen Sie lieber den Experten.

Solange solche Tunnel aktiv sind, füllen die Flüsse geschmolzener Lava im Kern sie oft nur bis zur Hälfte oder weniger aus. Konnen Sie sich, wahrend Sie durch die dunkle, kalte Höhle wandern, vorstellen, wie es hier vor 2000 Jahren aussah? Womöglich ist es besser, sich das gar nicht erst auszumalen.

Lahar Viewpoint und Lava Canyon

WANDERE An diesen beiden Stellen (die im Winter gesperrt sind) am Ende der Straße Nr. 83 wird die Gewalt von Schlammfluten deutlich. Der Lahar- Aussichtspunkt liegt auf einer weitflächigen, kargen Schutthalde, die von der am 18. Mai 1980 durch den Pine Creek tosenden Flut aus Schlamm, Wasser und Geröll hinterlassen wurde. Lahar ist die indonesische Bezeichnung für eine vulkanische Schlammflut. Da sich um viele der aktiven Vulkane Indonesiens dicht besiedelte Bauerndörfer befinden, sind solchen Lahars nicht nur Tausende von Menschen zum Opfer gefallen, es verschwanden dort oft auch wie hier weite Gebiete unter dicken Lagen aus Schlamm und Schutt.

Der Lava Canyon etwa 1,6 km hinter dem Lahar Viewpoint ist ein altes Tal an der Seite Mount St. Helens', das vor etwa 3500 Jahren von einem Lavastrom gefüllt wurde. Flußerosion trieb tiefe Kanäle und Schlaglöcher in die Lava, die später wiederum unter den Niederschlägen von Explosionen und Schlammfluten begraben wurden. Am 18. Mai 1980 lösten schmelzende Eis- und Schneemassen hier eine Schlammflut aus, die auf ihrem Weg durch die Schlucht Teile der fräheren Ablagerungen mit sich riß, so daß die alten Kanäle und Löcher wieder zu Tage traten. Ob eine Schlammflut erodierend wirkt oder selbst Ablagerungen hinterläßt, hängt allein von ihrer Geschwindigkeit ab. Wild dahinrasende Fluten tragen Bodenschichten ab, während langsamere Ströme ihre eigene Ladung an Schlamm und Steinen zurucklassen.

Die ersten ca. 800 m des Wegs durch den Lava Canyon sind so befestigt, daß sich auch Rollstullfahrer hier ungehindert bewegen können. Auf den weiteren knapp 5 km wird der Pfad jedoch zunehmend schwieriger und erfordert eine gewisse Geschicklichkeit im Klettern.

Cedar Flats Nature Trail

WANDERE Cedar Flats liegt 20 Meilen/ 32,2 km östlich von Cougar und ist über die Straßen Nr. 90 und 25 zu erreichen. Der 1,6 km lange Rundwanderweg führt durch einen auf einem Plateau oberhalb des Muddy River gelegenen alten Wald aus Rotzedern und Douglas-Föhren. Vom hohen Kronendach über die Erlen und Ahornbäume des Zwischenstands bis hin zu dem üppigen Teppich aus Farnen und Moosen schimmert hier alles in sanften Abstufungen von Grün -- eine reine Wohltat für das Auge nach all den Szenen vulkanischer Verwüstung. Sehen Sie die am Boden verrottenden umgestürzten Bäume? Sie bieten für Farne, Moose und Baumschößlinge einen nährstoffreichen Untergrund. Wo immer heute eine Anzahl größerer Bäume ln einer geraden Linie stehen, handelt es sich vermutlich um ehemalige auf einem solchem inzwischen gänzlich verrotteten Baumstamm aufgewachsene Schößlinge.

Bitte bleiben Sie hier unbedingt auf dem Weg. Das Gebiet dient der Wissenschaft zur Beobachtung eines ungestörten Ökosystems.


_____
43

WANDERWEGE

Gleich ob Sie die Ruhe in den Kathedralen alter Wälder oder den schneebedeckten Rand des Kraters vorziehen, Mount St. Helens bietet Wandermöglichkeiten für jeden Geschmack. In und um den Park gibt es mehr als 40 Fußwanderwege, weitere sind geplant oder werden gerade eingerichtet. Vulkanlandschaften, Wasserfälle, Bergseen, riesige Bäume und Hochlandsansichten, all dies können Sie von diesen Pfaden aus bewundern. Wir können hier nur einige der Möglichkeiten anführen, doch an den Besucherzentren erhalten Sie Auskunft über viele mehr.

Norway Pass

Diese 9,7 km lange Wanderung vom Norway Pass Trailhead an der Straße Nr. 26 aus bis zum Independence Pass Trailhead an der Straße Nr. 99 ist eine der aufregendsten und schönsten, die Sie am Mount St. Helens unternehmen können. NatUrlich konnen Sie hier in die eine wie die andere Richtung gehen j doch den besten Eindruck haben Sie, wenn Sie vom Norway Pass Trailhead (1036 m) aufbrechen. Nach einem Aufstieg von 3,2 km gelangen Sie zum Norway Pass (1372 m), von wo aus sich Ihnen eion sagenhafter Blick auf den Spirit Lake und den Krater mit seiner Lavakuppe eröffnet. Falls Sie mit dem Wagen abgeholt werden, können Sie von hier nach Süden bis zum Independence Pass weiterwandern, andernfalls kehren Sie zum Norway Pass Trailhead zurück. Die gesamte Strecke befindet sich in der direkt von der Explosion betroffenen Zone. Die Zeichen der Zerstörung und Regeneration, die Sie entlang des Wegs sehen, lassen unmittelbar erleben, wie hart auf der einen und wie schonend und sanft auf der anderen Seite die Natur sich verhalten kann.

Harmony Trail

Hier gelangen Sie über einen 1,6 km langen, ziemlich steil abfallenden Fußweg vom Harmony Viewpoint an der Straße Nr. 99 (siehe Seite 29) bis zum Ufer des Spirit Lake, genau dort, wo sich vor dem Ausbruch von 1980 ein beliebter Urlaubs- und Erholungsort befunden hatte (vergleichen Sie dazu das Photo auf Seite 31). (78K) Heute liegt das Seeufer 76 m höher als noch 1979, doch haben Sie von hier aus eine gute Sicht auf die Lavakuppe im Krater von Mount St. Helens.

Truman Trail

Dieser 11,2 km lange Pfad (verläuft nur in einer Richtung) steigt in Windungen von Windy Rtdge bis zur Bimssteinebene ab. Hier am Ufer des Spirit Lake, bedecken pyroklastische Strömen die Lawinenablagerungen, die Harry Truman 1980 in seinem Hotel begruben. Die Bimssteinauswürfe waren so heiß, das sie weite Teile der Region gänzlich sterilisierten. Weder Pflanzen noch Tiere überlebten, jegliche neue Lebensform mußte sich von außen ansiedeln. Die Biologen richten ihr ganzes Augenmerk auf den hier einsetzenden natürlichen Regenerationsprozess. Aus dem Grund sind Besucher unbedingt dazu aufgefordert, den Pfad nicht zu verlassen. Wer dagegen verstößt, muß nicht nur mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen, sondern zieht sich auch den Zorn der Wissenschaftler zu, die das Wirken der Natur nur selten in einem so gänzlich sich selbst Uberlassenen Areal beobachten können.
_____
46

Blue Lake

Dieser kleine See, 1006 m hoch an der Südwestflanke von Mount St. Helens gelegen, und der umliegende Wald wurden 1980 kaum von dem großen Ausbruch betroffen (sehen Sie dazu auch die (Kartenskizze -- Sudseite (104K) auf Seite 37). Vom Eingang an der Straße Nr. 8123 aus wandern Sie hier etwa 1,6 km auf einem sich durch einen herrlichen Wald aus Edelföhren am Blue Lake entlangwindenden Teilstück des Toutle River Trail.

June Lake

Zum June Lake führt ein ca. 2,6 km langer Weg (nur in eine Richtung) von der Straße Nr. 23 aus am June Creek entlang aufwärts (sehen Sie die (Kartenskizze -- Sudseite (104K) auf Seite 37). Der Wasserfall an seiner Nordseite und der Sandstrand am Südufer machen diesen kleinen Bergsee zu einem idealen Picknickplatz.

Der Gipfel von Mount St. Helens

Diese 14,5 km lange Kletterpartie (hin und zurück) von Climbers' Bivouac (1143 m; sehen Sie die (Kartenskizze -- Sudseite (104K) auf Seite 37) bis zum Gipfel (2550 m) ist anstrengend und erfordert Erfahrung im Bergsteigen. Die Mühe lohnt sich allerdings. Der ehrfurchteinflößende Anblick des Kraters mit seiner gewaltigen Lavakuppe, sowie des Spirit Lake und, in der Ferne, Mount Rainier vermittelt einen Eindruck vom Urzustand der Erde. Für die Überwindung der Schneefelder in Gipfelnähe benötigen Sie Pickel und Steigeisen. Außerdem sollten Sie spezielle Schutzkleidung mitbringen, da selbst im Juli hier plötzlich heftige Stürme auftreten können. Bergsteiger müssen sich vor dem Aufbruch zu dieser Tour registrieren; von Mai bis November sind zudem besondere Genehmigungen vorgeschrieben. Setzen Sie sich telephonisch oder schriftlich mit der Verwaltungsstelle des: Mount St. Helens National Volcanic Monument, 42218 N. E. Yale Bridge Road, Amboy, WA 98601 (Tel.: 206 247-58003 in Verbindung, um Auskunft zu erhalten und die Genehmigung zu beantragen.


ESSEN, ÜBERNACHTUNG, CAMPINGPLÄTZE

In den Städten rings um Mount St. Helens können Sie zwischen vielen Motels und Restaurants wählen, doch innerhalb des Parks sind Mahlzeiten nur an zwei Stellen zu erhalten, und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es gar keine. Für volle Mahlzeiten oder Snacks stehen an der Westseite das Coldwater Ridge Visitor Center und an der Ostseite der Cascade Peaks Overlook nahe Windy Ridge bereit.

An Campingplätzen besteht rings um Mount St. Helens kein Mangel. Die nachfolgend aufgeführten liegen in der Nähe der in diesem Buch beschriebenen Routen.

Seaquest State Park -- 5 Meilen/8 km östlich von Castle Rock, jenseits des am Mount St. Helens Visitor Center vorbeiführenden Highways. Auskunft und Voranmeldung, Tel: (206) 274-8633.

Iron Creek Campground -- eine Einrichtung des Forstamts 10 Meilen/ 16,1 km südlich von Randle an der Straße Nr. 25. Auskunft, Tel: (206) 497-7565.

Cougar Camp -- ein Zeltplatz, der von der Pacific Power and Light Company am Ufer des Yale Reservoir gleich östlich von Cougar unterhalten wird. Auskunft und Voranmeldung, Tel: (503) 464-5035.


_____
47

LITERATURVORSCHLAGE

Allgemein

Boly, William, FIRE MOUNTAIN. Portland, OR: Cathco Publishing, 1980.

Carson, Rob, MOUNT ST. HELENS. Seattle, WA: Sasquatch Books, with The Morning News Tribune, Tacoma, 1990.

Lauber, Patricia, VOLCANO, THE ERUPTION AND HEALING OF MOUNT ST. HELENS. New York, NY: Bradbury Press, 1986. (Für junge Leser).

Shane, Scott, DISCOVERING MOUNT ST. HELENS. Seattle, WA: University of Washington Press, 1985.

Quiring, James, MOUNT ST. HELENS: THE CONTINUING STORY. Las Vegas, NV: KC Publications, 1991.

U. S. Department of Agriculture, Forest Service, MOUNT ST. HELENS (MAP). Washington, D. C.: U. S. Government Printing Office, 1990.

Geologie

Decker, Robert und Barbara Decker, MOUNTAINS OF FIRE: THE NATURE OF VOLCANOES. New York, NY: Cambridge University Press, 1991.

Harris, Stephen, FIRE MOUNTAINS OF THE WEST. Missoula, MT: Mountain Press Publishing Co., 1988.

Tilling, Robert, Lyn Topinka and Donald A. Swanson, ERUPTIONS OF MOUNT ST. HELENS: PAST, PRESENT, AND FUTURE. Washington, D. C.: U. S. Government Printing Office, 1990.

Flora und Fauna

Arno, Stephen, NORTHWEST TREES. Seattle, WA: The Mountaineers, 1990 (Fünfte Auflage).

Matthews, Daniel, CASCADE-OLYMPIC NATURAL HISTORY. Portland, OR: Raven Editions in conjunction with the Portland Audubon Society, 1990 (Zweite Auflage).

Nlehaus, Theodore F. und Charles L. Ripper, A FIELD GUIDE TO PACIFIC STATE WILDFLOWERS Boston, MA: Houghton Mifflin Company, 1976.

Underhill, J. E., UPLAND FIELD AND FOREST WILDFLOWERS. Blaine, WA: Hancock House Publishers, 1986

Whitney, Stephen R., FIELD GUIDE TO THE CASCADES & OLYMPICS. Seattle, WA: The Mountaineers, 1983.
_____
48

PHOTONACHWEISE

Außer den nachfolgend aufgeführten wurden sämtliche Photographien in diesem Straßenführer von den Autoren selbst aufgenommen: Einband, Lyn Topinka, U. S. Geological Survey ( USGS), 1985; S. 5 Lyn Topinka, USGS, 1988; S. 7 Robert Krimmel, USGS; S. 8 (oben) Katia Krafft; S. 8 (unten) Dwight Hamilton, 1955; S. 10 (oben) Katia Krafft; S. 10 (unten) Jim Quiring, U. S. Department of Agriculture, Forest Service (USDA-FS); S. 11 (oben) USGS; S. 11 (unten) Dan Miller, USGS; S. 14 (oben) Lyn Topinka,USGS; S. 14 (unten) Tom Casadevall,USGS; S. 15 (oben)Tom Casadevall, USGS; S. 15 (unten) Chuck Tonn, USDA-FS, 1989; S. 22 Robert Krimmel, USGS; S. 31 Oregon Historical Society, Negativ # 70888; S. 34-35 (Hintergrund) Katia Krafft; S. 39 (unten) Lyn Topinka, USGS, 1984; S. 42 (unten) Lyn Topinka, USGS; S. 44 (oben) Richard Hoblitt, USGS; S. 44 (unten) John Dvorak, USGS; S. 45 (oben) Charly und Jo Larson, USDA-FS; S. 45 (unten) Rick Hazlett; S. 48 (unten) Lyn Topinka, USGS.


Züruck zum Aufhang der Seite

Züruck zu The Electronic Volcano
Web Page by Elaine Anderson for the Electronic Volcano