____
1

STRASSENFÜHRER DURCH DEN NATIONALPARK DER HAWAIIANSCHEN VULKANE


Pu'u O'o eruption 1983

Robert und Barbara Decker

Karten und Zeichnungen von Rick Hazlett

Urheberrechte 1992

ISBN: 0-9621019-5-8

Deutsche Ubersetzung von Angelika Cedzich


Diese Übersetzung des Buches: ROAD GUIDE TO HAWAII VOLCANOES NATIONAL PARK von Barbara und Robert Decker und Rick Hazlett (1992) ist mit den Illustrationen versehen, die sich auf aktivan Vulkanism bereihen. Die Seitenangaben in der Übersetzung beziehen sich ebenfalls auf die englische Originalausgabe.

Buchkopien des Englische originalführes konnen von dem Double Decker Press; 4087 Silver Bar Road, Mariposa, CA, USA, 95338 angefordert werden. Auf das Web übertragen mit Erlaubnis der verlages.


_____ 
4 

INHALT

5 VORWORT
6 EINFÜNHRUNG
7 CRATER RIM DRIVE
29 CHAIN OF CRATERS ROAD
46 WANDERWEGE
46 ESSEN UND ÜBERNACHTUNG
47 LITERATURVORSCHLÄGE
48 PHOTONACHWEISE


_____ 
5

VORWORT

Willkommen im Nationalpark der Hawaiianischen Vulkane (Hawaii Yolcanoes National Park). Dieses Buch soll Besucher auf einer Autofahrt zw den wichtigsten Sehenswürdigkeiten dieses faszinierenden Landes der Vulkane und Regenwälder, der Wüstenregicnen und Meeresküsten begleiten. Es ist für Leser gedacht, die etwa zwei Tage Zeit für einen Besuch im Park erübrigen können: Der erste Tag umfaßt eine Tour entlang des Crater Rim Drive (Kraterrandstraße) und der zweite eine Fahrt über die Chain of Craters Road (Kraterkettenstraße) hinunter bis zum Meer. Da die gesamte Fahrtstrecke nicht sehr wsit ist (ca. 60 Meilen/ 96,5 km innerhalb des Parks), können Sie, falls Ihre Zeit begrenzt ist, auch eine Wirbelwind-Tour in nur einem Tag machen. Andererseits ist es aber auf jeden Fall empfehlenswert, wenn Sie Ihren Aufenthalt im Nationalpark über zwei Tage hinaus ausdehnen können. Auf Seite 46 dieses Buches haben wir daher verschiedene Wanderungen vorgeschlagen, von einem halbtägigen Erkundungsgang über die Caldera (d. h., den weiten kesselförmiger Krater) des Kilauea angefangen, bis hin zu einer herausfordernden und anstrengenden Rucksack-Tour zum Gipfel des Mauna Loa.

Wir versuchen in unserem Buch nicht nur die dramatischen Zeichen des Vulkanismus zu erklären, die Ihnen auf Ihrer Tour auffallen werden, sondern erz&a uml;hlen Ihnen auch ein wenig über die Pflanzen, Vögel und das Klima dieser Insel, sowie über deren Geschichte. Natürlich könnte vieles mehr gesagt werden, doch ist unser Rahmen hier notwendigerweise begrenzt. Für all die Leser, die ein spezielleres Interesse an den einzelnen Themen fassen, fügen wir daher eine Liste mit Literaturvorschlägen bei, die es Ihnen ermoglicht, sich eingehender zu inform ieren.

Die Fahrt entlang des Crater Rim Drive haben wir ausgehend vom Kilauea Visitor Center oder Besucherzentrum im Uhrzeigersinn beschrieben. Die nachfolgend aufgeführten Symbole im Text geben folgende Hinweise.

STEIGE AUS = Stop auf dem Parkplatz, Aussteigen und Ausblick

WANDERE = Stop auf dem Parkplatz, vorgeschlagener kurzer Rundgang zu Fuß

BEACHTE = Sehenswertes, vom Wagen aus während der Fahrt zu beobachten

Die den Symbolen in Klammern folgenden Angaben zeigen jeweils die insgesamt auf einer Tour...
_____ 
6

gefahrenen Meilen bzw. Kilometer an. (6.1 Meilen/ 9,8 km) bedeuted zum Beispiel, daß Ihr Tourenmeter 6.1 Meilen (= 9,8 km) seit Beginn Ihrer Fahrt nach unseren Anleitungen anzeigen sollte.

Falls Sie das Glück haben, sich gerade dann im Nationalpark aufzuhalten, wenn einer der Vulkane aktiv ist, erkundigen Sie sich beim Personal des Parks nach den besten Beobachtungsmöglichkeiten für das Schauspiel. Der Anblick wird Ihnen unvergeßlich bleiben. Aber selbst wenn keiner der Berge Feuer spukt, werden Sie die immensen, diesen Vulkanen innewohnenden Kräfte unmittelbar fühlen. Und Sie werden in dieser sich stetig wandelnden Landschaft auch einige der jüngsten Gesteine der Erde sehen.


EINFÜHRUNG

Zwischen Hilo und der Verwaltungssstelle des Hawaii Volcanoes National Park steigt die Straße über die sanft geböschten Abhänge des Mauna-Loa- und des Kilauea-Vulkans ca. 1219 m an. Es ist kaum zu glauben, daß Sie sich hier auf dem Gipfel eines der aktivsten Vulkane der Welt befinden. Tatsächlich fragen viele Besucher, die auf einen spitz auslaufenden Kegel gefaßt sind, wo denn der Vulkan nun eigentlich sei. Anstelle einer schroffen Spitze weist der Kilauea an seiner höchsten Stelle nur ein abgerundetes Plateau um eine von Felsen begrenzte Einbuchtung, eine sogenannte Caldera, auf.

Diese Caldera mißt zwischen 3 bis 5 km im Durchmesser und ist an der Nordseite etwa 122 m tief. Sie bildete sich infolge von Einbrüchen, und zwar nicht durch langsames, graduelles Absinken, sondern wirklich durch gewaltsame, von schweren Erdbeben und Steinschlägen begleitende Einstürze, während derer der Kraterboden innerhalb einiger Tage oder Wochen gleich l00 m oder mehr abfiel. Die Lebensgeschichte eines Vulkans wie des Kilauea umfaßt einer ganze Reihe solch rapider Einsturzphasen, auf die dann jeweils Jahrhunderte folgten, in deren Verlauf sich die abgesunkene Caldera wieder auffüllte.

Die Geologen glauben, daß sich solche Einstürze immer dann ereignen, wenn durch unterseeische Eruptionen größere Mengen geschmolzenen Gesteins (genannt Magma) aus ihren ursprünglichen, etwa 3 bis 6,5 km unterhalb der Kessslkrater gelegenen Reservoiren abgezapft werden. Ohne das Magma kann der Vulkan sein Gewicht nicht mehr tragen und bricht in den unter ihm entstandenen Leerraum ein.

Der letzte große Einsturz am Kilauea ereignete sich 1790. Er war von einer Eruption von so außergewöhnlicher Explosivkraft begleitet, daß eine ganze Gruppe hawaiianischer Krieger dabei ums Leben kam. Die glücklosen Fußsoldaten gehörten zu einer Armee, die quer über die Insel gegen Kamehameha, den großen Häuptling, der schließlich alle hawaianiischen Inseln eroberte, in den Kampf zog. Der Vorfall wurde als Beweis gedeutet, daß die Göttin des Vulkans, Pele, auf der Seite Kamehamehas stand, was dessen Ruf natürlich keinen Abbruch tat.

Die Ausbrüche des Kilauela seit 1790 produzierten mit einer einzigen Ausnahme zwar spektakuläre, jedoch ruhigfließende Lavaströme, zu deren Beobachtung sich stetig wachsende Besucherströme einfanden. Hawaii ist einer der wenigen Flecken auf dieser Erde, wo sich Vulkanausbrüche aus nächster Nähe und mit relativ geringem Risiko verfolgen lassen.

Die häufigen Eruptionen des Kilauela erfolgen manchmal auf dem Gipfel, andere Male wieder entlang der Rift- oder Spaltenzonen, die sich an seinen östlichen und südwestlichen Flanken bis zur Küste und noch einige Kilometer darüber hinaus über den Meeresgrund erstrecken. Riftzonen werden die Schwachstellen kilometerlang vertikal verlaufender klaffender Risse an den Seiten eines Vulkans genannt. Nach Ansicht der Geologen entstehen solche Frakturen unter dem Druck sich unterirdisch ansammelnden Magmas. Von Zentralausbrüchen am Gipfel ergießen sich Lavaströme in den Kessel der großen Caldera und füllen sie allmählich auf, während die an den Vulkanflanken ausbrechende Lava von den Riftzonen über die Hänge manchmal bis ins Meer fließt, wodurch die Insel an Land gewinnt.

Der Kilauela entstand aus Hundertausenden von Lavaflüssen, wie ein gigantisches Tropfengebilde aus Kerzenwachs. piesen Typ eines Vulkans nennen die Geologen auch Schildvulkan, weil seine sanft geschwungenen Abhänge im Profil entfernt an das....
_____
7

Schild eines Kriegers erinnern, das mit der Außenseite aufwärts auf dem Boden liegt. Der Kilauea ist etwa l00 000 Jahre alt und damit geologisch gesehen noch ein Kleinkind. Der Mauna Loa dagegen, der gewaltige Schildvulkan am westlichen Horizont, der den Kilauea noch überragt, ist beträchtlich älter -- er mag es eventuell sogar auf eine halbe Million Jahre bringen.

Die Szenerie, die sich Ihnen auf dieser Fahrt durch den Nationalpark der Hawaiianischen Vulkane Hawaiis bietet, ist ungewöhnlich und abwechslungsreich. Zur Entstehung dieser außergewöhnlichen Landschaft haben verschiedene Faktoren beigetragen; in erster Linie natürlich die anhaltende vulkanische Aktivität. Der Kilauea bricht fast regelmäßig aus; zwischen 1986 und 1992 war er zudem beinah unablässig aktiv, und die Lavaflüsse dieser jüngsten Eruptionen haben in der üppigen Vegetation, die auf den fruchtbaren vulkanischen Böden aus nur ein paar Jahrhunderte älteren Lava- und Aschenablagerungen gedeiht, schon wieder kohlschwarze Narben hinterlassen.

Auch das Klima variiert stark. Da sich der Park vom Meeresspiegel bis auf eine Höhe von 4169 m am Gipfel des Mauna Loa ausdehnt, rangieren die Temperaturen zwischen Höhenwerten um 30 Grad Celsius und darüber und Tiefstwerten, die teilweise beträchtlich unter dem Gefrierpunkt liegen. Während die feuchtigkeitsreichen Passat-Winde aus Nordosten an den windzugekehrten Berghängen aufwärts streichen, kühlen sie ab und lassen beträchtliche Mengen an Regen fallen. Auf ihrem Weiterweg abwärts über die Hänge im Lee der Vulkane erwärmen sie sich und trocknen aus. Daher gehen die Klimazonen des Hawaii Volcanoes National Park innerhalb nur weniger Kilometer von feuchten Tropen in heiße Wüsten, und von kühlen, nebelverhangenen Wäldern in offene Areale nackter Felsen und Schneefelder über.

Die hawaiianische Inselkette ist so isoliert (der nächste kontinentale Nachbar liegt in mehr als 4000 km Entfernung), daß Flora und Fauna die jungen und öden Vulkaninseln vor der Ankunft der Menschen nur unter besonderen Umständen erreichten. Sämtliche Lebensformen gelangten hierher entweder durch die Luft, oder über das Meer, oder aber sie wurden von Zugvögeln eingeflogen. Die Evolution wirkte auf Hawaii in völliger Isolation; im Verlauf von Jahrmillionen der Anpassung entwickelte sich aus den wenigen Samen und Kreaturen, die der Zufall auf diese Inseln verschlug, ein einzigartiges biologisches Gewand für eine ohnehin schon ungewöhnliche Topographie. Im Hawaii Volcanoes National Park hat man das Gefühl, daß hier in einer besonderen, abgelegenen Welt der Schöpfungsakt noch anhält, ein Gefühl, das Sie auf der ganzen Welt nirgendwo sonst empfinden werden.

CRATER RIM DRIVE

Der günstigste Ausgangspunkt für Ihre Tour ist die Verwaltungsstelle des Parks. Hier befindet sich auch ein Museum mit Ausstellungen zur Naturgeschichte des Parks.

Parkverwaltung und Besucherzentrum

STEIGE AUS (0.0 Meilen/ 0 km) Das hervorragende Relief-Modell der Insel Hawaii auf der Veranda des Visitor Centers erleichtert Ihnen die Orientierung innerhalb der Inseltopographie, während die Ausstellungen im Inneren des Gebäudes Sie mit den wichtigsten Besonderheiten des Parks vertraut machen. Die überwältigenden Szenen eines 12-minütigen Films zum Thema Vulkane (er wird stündlich vorgeführt) geben Ihnen außerdem eine zuverlässige Einführung in die Geheimnisse vulkanischer Aktivität. Bei der Information erhalten Sie auch Auskunft über Touren unter der Führung von Park-Rangern und andere Sonderveranstaltungen.

Solange Sie sich in der Nähe der Parkverwaltung aufhalten, sollten Sie auch dem Volcano Art Center (oder Vulkanischem Kunstzentrum) im sogenannten Volcano House (Vulkan-Haus) einen Besuch abstatten. Das 1877 errichtete Gebäude, diente im 19. Jahrhundert zahlreichen Besuchern des Kilauea als Unterkunft; inzwischen ist es in eine Gallerie für ortsansässige KUnstler und Handwerker umgewandelt Ebenfalls eine Besichtigung wert ist das neue Volcano House, ein rustikales Hotel, das sich hinter den Bäumen jenseits der am Visitor Center vorbeiführenden Straße verbirgt. Die ruhige Pension ist auf den aüßersten Rand des weiten Kraters des Kilauea gebaut.

Bevor Sie Ihre Auto-Tour auf dem Crater Rim Drive beginnen, sollten Sie einen Spaziergang entlang des Earthquake Trail (Erdbebenweg) bis nach Waldron Ledge machen. Der Pfad beginnt am Ausgang des Volcano-House-Parkplatzes.
_____
9

Earthquake Trail und Waldron Ledge

WANDERE (0.0 Meilen/ 0 km) Der Crater Rim Drive verlief ursprünglich über den hoch aufragenden Nordost-Rand der Kilauela-Caldera gleich östlich des Volcano Irlouse. Doch am frühen Morgen des 16. November 1983 änderte sich die Situation schlagartig, als ein von der Ostseite des Mauna Loa ausgehendes Erdbeben der Stärke 6,6 den Park so heftig erschütterte, daß ganze Abschnitte der Straße und des Crater-Rim-Wanderweges mitsamt dem Randfelsen in die Caldera stürzten.

Der Earthquake-Wanderrundweg beginnt am Ausgang des Parkplatzes beim Volcano House und führt entlang der zerstörten Straße nach Waldron Ledge. Hin- und Rückweg betragen knapp 1 km. Die Risse, die Sie hier sehen, gehoren nicht zu der Verwerfung, von der das Erdbeben ausging. Das Zentrum des Bebens vom November 1983 befand sich unterhalb der Ostflanke des Mauna Loa, das heißt etwa in der Mitte zwischen den beiden Vulkanen Kilauea und Mauna Loa. Die Brüche hier entstanden infolge der von der heftigen Erschütterung ausgelösten Felsrutsche von den steilen Überhängen des Calderarandes. Die Risse in der Straße mögen zwar bedrohlich wirken, doch Messungen zeigen, daß das Gebiet inzwischen stabil ist -- zumindest bis zum nächsten großen Erdbeben.

Von Waldron Ledge aus haben Sie eine großartige Aussicht auf den Kilauea und den Mauna Loa. Der Felsüberhang von Waldron Ledge selbst gehört zum Rand des mächtigen 3 bis 5 km weiten und 122 m tiefen Kessels der Kilauea-Caldera, den Sie ebenfalls von hier überblicken.

Mehrere hervorstechende Landschaftsmerkmale fallen hier ins Auge: Der rötlich-braune Hügel links ist ein Aufschüttungskegel, der 1959 während einer Eruption im nahegelegenen Kilauea lki-Krater entstand. Bei dem rauchendem schwarzen Loch am anderen Ende der Kilauea-Caldera handelt es sich um den Halemaumau-Krater. Und der Schildvulkan, der rechts im Hintergrund so dominierend aufragt, ist der Mauna Loa.
_____
12

Als der Missionar William Ellis im Jahr 1823 den Kilauea als erster Nicht-Hawaiianer besichtigte und beschrieb, war der wuchtige Kesselkrater des Vulkans noch doppelt so tief. Ellis wie auch andere verwegene Reisende, die im 19. Jahrhundert zu Fuß oder zu Pferde zum Kilauea gelangten, staunten über den See brodelnder, rot-glühender Lava, der damals die Caldera allmählich auffüllte. Obwohl die anhaltenden Zentraleruptionen von damals 1924 abrupt aussetzten, gilt der Kilauea wegen seiner häufigen Ausbrüche am Zentrum sowie an den Riftzonen nach wie vor als einer der aktivsten Vulkane der Welt.

Die schwarze Lavaschicht am Fuß von Waldron Ledge stammt von einem Ausbruch im Jahr 1974. Der schwach erkennbare, darüber hinwegführende Pfad wurde von den Schuhen Tausender von Bergwanderern ausgetreten, die dle Caldera auf dem Halemaumau Trail über quer ten.

Gehen Sie nun zu lhrem Wagsn am Besucherzentrum zurück und stellen Sie Ihr Tourenmeter auf Null, oder notieren Sis sich Ihren Meilenstand auf dem Tachometer. Bisgen Sie vom Parkplatz aus zunächst nach links und dann unmittelbar vor dem Park-Eingang nach rechts auf den Crater Rim Drive (Verglsichen Sie hierzu die Karte auf S.13 Kartenskizze -- die Caldera des Kilauea und der Crater Rim Drive).

BEACHTE Gleich nach dem Aufbruch vom Besucherzentrum zu Ihrer Rundtour um den Kraterrand, durchqueren Sie einsn herrlichen Regenwald, in dem Farne und sogenannte Ohi'a-Bäume vorherrschen. Dsr Ohi'a Lehua ist der am häufigsten vertretene einheimischs Baum im Park. Er gedeiht in allen Höhenlagen zwischen dem Meerespiegel und etwa 2750 m, und zwar sowohl auf trockenen Lavaschichtsn als auch wie hier in feuchten Dschungelregionen. Seine leuchtendroten, fedrigsn Blüten machen lhn zu einem der bsliebtesten Bäume Hawaiis. Da seine winzigen Samen leicht vom Wind transportiert werden, ist der Ohi'a Lehua gewöhnlich eines der ersten Holzgewächse, das auf frischen Lavaschichtsn Wurzeln faßt. Ein naher Verwandter dieses Baums, der Pohutakawa hat sich übrigsns in Nsuseeland entwickslt.

Dis buschigen Farns in den Niederbsreichen des Waldes sind fast alle einheimisch auf Hawaii. Alleln drei verschiedene Arten von Baum-Farnen sind hier vertreten, darunter der sogenannte Hapu'u, der über l0 m hoch werden kann. Typisches Merkmal des gewöhnlich zwischen 0,5 bis 1 m hohsn Ama'uma'u-Farns ist die Rotfärbung seiner frischen Wedel, die erst im voll entwickelten Stadium grün werden.

Sie beflnden sich hier auf der feuchtigkeitsreichen Seite des Kilauea, auf die durchschnittlich 2,5 m Niedsrschlag im Jahr fallen. In trockenen Gebieten sind Lavaschichten glsichen Alters wie der üppig bewaldete Untergrund hier fast kahl.

Der Kilauea-Iki-Krater

STEIGE AUS (1,4 Meilen/ 2,25 km) Die glatte schwarze Fläche, auf die Sie hier herabblicken, ist die Kruste eines Lavasees (verglgichen Sie die Karte auf S. 17 Kartenskizze -- Kilauea-Iki-Krater (104K) ). Ende November 1959 hätte sich Ihnen in dem Krater zu Ihren Füßen der schier unglaubliche Anblick eines kochenden und wogsndsn Sees aus geschmolzener Lava gsboten. Der Kilauea-lki- Krater, der Name bedsutet auf Hawaiianisch soviel wie Kleiner Kilauea, entstand in grauer Vorzeit wie dis Caldsra des Kilauea selbst infoloe von Einbrüchen.

Am 14. November 1959 erschien auf der gegenüber liegenden Kraterwand zunächst eine Linie von Sprüngen; kurz darauf spritzten daraus Lavafontänen hoch in den Himmel, und Ströme rotglühenden geschmolzenen Gesteins ergossen sich in den Kilauea Iki. Während die Lava in den Krater floß, schloß sich dis Reihe von Vulkanschloten entlang der Eruptionsfissuren rschts an der gegenüber liegsnden Kraterwand, genau dort wo sich heute die Basis des Aufschüttungshügels befindet, zu einem Hauptkrater zusammen. Einige der Lavafontänen schossen weit über 500 m hoch auf; der See aus geschmolzener Lava stand teilweise 122 m hoch, so daß zeitwsise sogar der Schlot dar in ertrank. In den Pausen zwischen den ausbrechenden Fontänen, Floß die Lava Uber der Schlothöhe auf dem gleichen Weg, auf dem sie gekommsn war, wieder in die Erde zurück und hinterließ den "Badewannenring," den Sie an der Kraterwand über der jetzigen Oberflächs des Lavasses sshsn können.

Die aus dsn Lavafontänen niederprasselnden Spritzer (auch Bomben genannt) und Schlacken formten den Kegel des Pu'u Pua'i, dsssen Name soviel wie "Überfließender Hügel" besagt....
_____
16

Infolge der stetig aus Nordosten wehenden Passatwinde bildete sich dieser Aufschüttungskegel nicht symmetrisch rings um den Schlot, sondern lediglich um dessen südwestliche Begrenzung. Säurehaltige vulkanische Gase, die durch die lockere Anhäufung entwichen, oxidierten die in der Lava enthaltenen Eisenminerale, wodurch ihre Farbe von ursprünglich schwarz in die Gelb und Brauntöne überging, die den Pu'u Puai heute charakterisieren.

Die Ausmaße des Kilauea-lki-Kraters stellen einige Anforderung an die Vorstellungskraft: Er ist ganze 1,6 km lang, mißt über 900 m im Durchmesser, und Sie blicken von Ihrem Ausguck rund 116 m auf die Oberfläche des Lavasees herab. Die Menschen, die den Kraterboden auf dem Fußpfad überqueren, nehmen sich von hier wie Ameisen aus.

Da Lava hervorragend isoliert, entweicht die Hitze aus dem überkrusteten See nur sehr langsam. 1988, fast dreißig Jahre nach der Entstehung des Sees, stieß man bei Borungen nur ca. 70 m unter der Oberfläche auf einen Kern noch immer flüssiger Lava.

Ihr nächster Anhalt ist in 0,4 Meilen/ 0,6 km.

BEACHTE Einige der Pflanzen, Vögel und anderen Tiere, denen Sie auf Ihrer Fahrt vielleicht begegnen, sind nicht einheimisch auf Hawaii, sondern wurden von außerhalb eingeführt. Ein gutes Beispiel dafür sind die Blumen in dem Farn-Ohi'a-Wald zwischen Kilauea Iki und dem Thurston-Lavatunnel (Thurston Lava Tube). Da stoßen Sie auf rote Fuchsien, drei verschiedene, gelb oder weiß blühende Arten von Ingwer, hochwachsende Bambusorchideen und leuchtend-orange Tritonien. Obwohl die farbintensiven Blüten ganz so aussehen, als wären sie in dem feuchten Urwald seit jeher zu Haus, sind es ursprünglich durchwegs fremde Kulturpflanzen, die jetzt hier in der Wildnis gedeihen. Nicht eine der Orchideenzüchtungen, für die Hawaii zu Recht so berühmt ist, ist tatsächlich auf hawaiianischem Boden beheimatet.

Falls Sie hier unversehens ein kleines wieselartiges Tier über die Straße huschen sehen, handelt es sich dabei gleichfalls um einen Ausländer, einen Mungo nämlich. Zuckerrohrbauern brachten die Mungos im letzten Jahrhundert nach Hawaii, in der Hoffnung, daß diese Kleinjäger der Rattenplage, die ihre Ernten bedrohten, Herr werden könnten. Doch da Ratten Nachttiere sind, und Mungos bei Tage auf Beutefang gehen, schlug das Experiment fehl, und beide Tierarten vermehrten sich munter weiter.


_____
17

EINIGE DATEN BEZÜGLICH VULKANE

Name des Vulkans: Kilauea Mauna Loa
Type des Vulkans: Schildvulkan mit caldera Schildvulkan mit caldera
Komposition: Basalt Basalt
Höhe über dem Meeresspiegel: 1220 m 4169 m
Annähernde Höhe über dem Meeresspiegel: 6400 m 9449 m
Größe der Caldera: 4,8 x 3,2 km 4,8 x 2,4 km
Älteste zutagelie-gendeLavaschichten: ca. 100,000 Jahre alt ca. 200,000 Jahre alt
Letzte Eruption (Stand 1992): 1983-1992 1984


_____
16

Der Thurston-Lavatunnel (Thurston Lava Tube)

WANDERE (1,8 Meilen/ 2,9 km) Hier führt ein ca. 0,5 km langer Rundweg in einen kleinen dschungelüberwachsenen Krater und durch eine Lavahöhle (vergleichen Sie die Karte auf S. 19 Kartenskizzee -- Thurston Lava Tube (143k)). Vor dem Kollaps der Kilauea-Caldera im Jahr 1790 stellte diese Region eine Zeitlang das Zentrum des Vulkans dar. Die Laven aus diesem Krater ergossen sich bergabwarts in Richtung der Bucht von Hilo (Hilo Bay). Einer jener heißen Lavaflüsse kühlte an der Oberfläche ab und bekam eine starre Kruste, während in seinem Inneren weiterhin geschmolzene Lava zu Tal strömte. Als die Eruption nachließ und schließlich ganz aufhörte, floß der flüssige Kern ab und hinterließ einen leeren höhlenartigen Lavatunnel. Solche Lavatunnel, die manchmal mehrere Kilometer lang sind, finden sich häufig auf Hawaii. Sie dienten den frühen Hawaiianern als Begräbnisstätten und Zufluchtsorte.

Der dichte Dschungel aus Farnen entlang des Pfads zum Lavatunnel ist typisch für die Vegetation in den niederschlagsreichen Gebieten dieser Höhenlage auf Hawaii. Legen Sie ruhig eine Pause ein, um auf die verschiedenen Vogelstimmen zu hören. Wenn Sie genügend Geduld aufbringen, bekommen Sie vielleicht sogar einen der seltenen hawaiianischen Vögel zu sehen, die in diesem Dschungel zu Hause sind. Der Apapane zum Beispiel, ein leuchtend roter Vogel, hält sich oft in den Baumwipfeln auf, wo er sich von Insekten und vom Nektar der ihm im Aussehen gleichenden roten, fedrigen Ohi'a-Blüten ernährt. Sollten Sie unter dem Laubdach des Waldes einen kleinen gelblichen Vogel emsig nach Insekten jagen sehen, so handelt es sich dabei vermutlich um einen sogenannten Amakihi, einen der am häufigsten zu beobachtenden einheimischen Vögel Hawaiis.

Der Lavatunnel wurde 1913 von Lorrin Thurston, einem ortsansässigen Zeitungsherausgeber und Naturschützer, entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt hingen vom Höhlendach noch unzählige Lava- ....
_____
18

Stalaktiten herab, die jedoch bald in den Taschen und Rucksäcken von Souvenirjägern verschwanden.

Versuchen Sie sich auf Ihrem Gang durch die Höhle einmal vorzustellen, daß sich hier nur ein paar Jahrhunderte zuvor ein rotglühender Lavastrom seinen Weg in dieselbe Richtung bahnte, in die Sie jetzt gehen. Beachten Sie die hochliegenden Lavamarkierungen an den Seitenwänden der Höhle, sie zeigen den Pegel des ehemals durch den Tunnel fließenden Stromes an. Und beachten Sie auch die nach Regenfällen von Wasser triefenden Baumwurzeln, die an vielen Stellen durch die Höhlendecke hängen. Diese Ohi'a-Wurzeln sind für viele Arten blinder und farbloser Insekten und Spinnen, die sich in dunklen Höhlen wie dieser entwickelt haben, die einzige äußere Energiequelle.

An einer Einbruchstelle im dünnen Höhlendach führt der Pfad durch ein Loch nach oben wieder ins Freie. Der Tunnel geht auf der anderen Seite zwar weiter, doch brüchige Stellen und herabfallende Steine machen seine weitere Erkundung zu riskant.

Der nächste Zwischenstop ist in 1,3 Meilen/ 2,1 km.

Der Pu u Pua'i und der Devastation Trail (Pfad der Zerstörung)

WANDERE (3,1 Meilen/ 4,9 km) Biegen Sie beim Stand von (2,8 Meilen/ 4,5 km) nach rechts vom Crater Rim Drive zum Pu'u-Pua'i-Aussichtspunkt ab. Bevor Sie sich hier zu einem Gang über den 0,6 km langen Plankenweg aufmachen (vergleichen Sie die Karte auf Seite 20 Kartenskizze -- Devastation Trail (91k)), sollten Sie noch einen Blick in den Kilauea-lki-Krater werfen. Sie befinden sich jetzt genau gegenüber des Ausblicks auf den Kilauea Iki, an dem Sie vorher angehalten haben.

Falls Sie es vorziehen, kann der Fahrer Ihres Wagens hier auch etwa 0,7 Meilen/ 1 km weiter auf dem Crater Rim Drive bis zum Parkplatz des Devastation Trail fahren, um das Auto dort zu parken und Ihrer Gruppe dann vom anderen Ende des Wanderweges entgegenzugehen.

An fast allen Tagen weht hier am Pu'u-Pua'i-Aussichtspunkt ein starker Passatwind, und man kann sich gut vorstellen, wie dieser Kegel während der heftigen Lavaausbrüche des Jahres 1959 im Abwind des Kamins entstand. Beachten Sie die Reste der ehemaligen Straße, die unterhalb des oberen Teils des Pu'u Pua'i begraben wurde. Die Lavaspritzer, die hier nahe des Schlotes niederfielen, waren noch heiß genug, um mit älterem Auswurfmaterial zu einem festen sogenannten Bombenkegel zu verschmelzen.

50 bis 100 m weiter im Abwind waren die herabfallenden Bimssteinschlacken schon soweit abgekühlt, daß sie anstatt mit den früheren Auswürfen zu verschmelzen nur eine lockere Schlackendecke darüber bildeten. Allerdings reichte ihre Hitze noch aus, die Ohi'a-Bäume, die zuvor an der Stelle wuchsen, zu verbrennen: ein paar Stämme toten, weißen Holzes, ansonsten Locher in der Schlackendecke, das ist alles, was von dem einst üppigen Wald übriggeblieben ist.

Die grünenden Bäume und Sträucher entlang dieser Teilstrecke des Pfades haben sich alle erst nach der Eruption entwickelt. Einheimische Pflanzen, zu denen Farne, Ohi'a-Bäume und Ohelo-Büsche zählen, sind in der Regel die ersten, die eine derart zerstörte Umwelt wiedererobern. Doch hier sind auch ein paar fremde Gewächse stark auf dem Vormarsch. Buddleia, japanische Anemonen und Brombeersträucher, sind zahlreich entlang des Pfads vertreten und rivalisieren so heftig mit den einheimischen Pflanzen, daß sie jene eines Tages womöglich ganz verdrängen.

Untersuchen Sie einige der Bimssteinstücke. Das Material ist so leicht, daß Brocken davon auf dem Wasser schwimmen, Sehen Sie die winzigen Luftblasen? Bimsstein ist eigentlich eine schaumig erstarrte Mischung aus Gas und Glas, die so rapide abkühlte, daß die Gasblasen nicht mehr miteinander verschmelzen und platzen konnten. Die solide, dichtere Lava, die sich im Kilauea-lki-Krater sammelte, setzt sich prinzipiell aus den gleichen Bestandteilen zusammen, doch hier kühlte die Lava langsamer ab und ließ dem Gas Zeit zu entweichen.

Südlich gegen Ende des "Pfades der Zerstörung" haben Ohi'a-Bäume, die von den Bimsteinschlacken in einer Höhe von weniger als 3 m verschüttet wurden, überlebt. Sämtlicher ihrer Blätter und eines großen Teils ihrer Rinde entledigt, hatte man sie für tot gehalten, aber ein oder zwei Jahre nach dem Ausbruch begannen sie neue Blätter zu treiben und kehrten zum Leben zurück. Die dichten Büschel von Luftwurzeln an....
_____
20

einigen der Ohi'a-Baume hier entwickelten sich im Verlauf des Erholungsprozesses, um die teilweise Verschüttung auszugleichen.

Ihr nächster Stop is in 0,9 Meilen/ 1,4 km.

BEACHTE Biegen Sie vom Parkplatz des Devastation Trail nach rechts auf den Crater Rim Drive. Auf einer Strecke von etwa einer viertel Meile (0,4 km) sehen Sie hier links und rechts der Straße Böschungen aus Bimssteinschlacke; es sind ebenfalls Auswürfe aus den Lavafontänen, denen der Pu'u Pua'i seine Entstehung verdankt. Nach dem Ausbruch des Kilauea Iki von 1959 wurde das Geröll von der Fahrbahn auf die Straßeränder geräumt . Mit wachsender Entfernung von. ihrem Ursprungsort verringert sich der Durchmesser der Schlackenanhäufungen von etwa 2,5 m auf nur noch 30 bis 60 cm. Fallt Ihnen auf, daß die Bäume hier ziemlich klein und kümmerlich erscheinen? Selbst das Gebüsch wird zunehmend dürrer. Sie befinden sich hier auf der Schwelle zur Ka'u-Wüste, deren ödes Areal nur wenige Kilometer von den grünen Farn Dschungeln des dem Wind zugekehrten Nordwestrings der Kilauea-Caldera entfernt liegt.

Der Keanakako'i-Krater

STEIGE AUS (4,7 Meilen/ 7,6 km) Der Keanakako'i, sein Name bedeutet soviel wie "Höhle der Äxte," ist der Kesselkrater links der Straße. Kesselkrater entstehen wie gesagt durch Einbrüche infolge des Entzugs unter ihnen lagernder Magmamassen und sind zusammen mit Oberflächensprüngen und Eruptionsschloten kennzeichnend für die seitlichen Riftzonen der hawaiianischen Vulkane.

Die jüngeren Lavaschichten, die diese Region überlagern, brachen 1974 aus Schloten zu beiden Seiten der Straße aus. Links der Straße können Sie sehen, wo einige der glühendheißen Flüsse in Kaskaden über den Rand des Keanakako'i niedergingen, um sich dann auf dem Grund des Kraters zu sammeln. Unter ihnen begraben liegt die von älteren, aus dem Jahr 1877 stammenden Lavaschichten bedeckte Höhle, nach der der Krater benannt wurde. Der Basalt, den man in dieser Höhle vorfand, eignete sich wegen seiner Feinkörnigkeit und Dichte offenbar zur Herstellung von Steinwerkzeugen.
_____
21

Gehen Sie die kurze Strecke bis zu dem Aussichtspunkt auf der Caldera-Seite der Straße, um sich die Reihe der Schlote anzusehen, aus denen die junge Lava stammt. Aus einigen noch aktiven Gasschloten entlang dieser Eruptionsfissuren dringt immer noch Schwefeldampf.

An klaren Tagen haben Sie von hier aus eine herrliche Panoramasicht auf den Mauna Loa. Von links nach rechts schwingt sich der Südrift des Schildvulkans in einer sanften Linie vom Ozean (von hier nicht zu sehen) bis auf eine Höhe von 4169 m auf, bevor sich die nahezu flache Kuppe in einem großzügigen Abwärtsbogen in der nordöstlichen Riftzone fortsetzt. Ihre Sicht des Mauna Loa umfaßt von hier einen Winkel van 120 Grad; kein Wunder, daß die Hawaiianer diesem Vulkan den Namen "Langer Berg" gaben.

Hinter der nordöstlichen Kammlinie des r1auna Loa ist die Kuppe des Mauna Kea oder "Weißen Berges" sichtbar, In den astronomischen Beobachtungswarten, die auf den aufragenden Schlackenkegeln rings um den 4205 m hohen Gipfel des Mauna Kea stationiert sind, befinden sich einige der größten und technisch ausgereiftesten Teleskope der Welt.

Der nächste Aufenthalt ist in 1,2 Meilen/ 1,9 km.

BEACHTE Achten Sie, während Sie den Keanakako'i verlassen, auf die hellen Aschenschichten im Straßeneinschnitt; bei ihnen handelt es sich um Ablagerungen aus riesigen, während der explosiven Ausbrüche von 1790 aufsteigenden Aschewolken.

Hinter dem Keanakako'i-Krater führt die Straße an der südlichen Begrenzung der Kilauea Caldera nach unten. Im September 1982 war während eines Ausbruchs in dlesem Teil der Caldera die Straße kurzfristig auf mehreren hundert Metern von sogenannter Pahoehoe überflutet. Pahoehoe ist die hawaiianische Bezeichnung für Laven mit glatter oder streifig gezogener Oberfläche im Unterschied zur sogenannten A'a-Lava, deren Gemisch grobe Festbracken aufweist.

Nur sechs Wochen nach der Eruption wurde die Straße von den Bautrupps des Nationalparks wieder instandgesetzt. Die Bulldozer, die in die abkühlenden Pahoehoe-Lavaschichten vorstießen, hoben Schollen aus, deren Innenseiten zwar schon erstarrt waren, aber immer noch glühten. Dle Instandsetzung lavaüberfluteter Straßen gehört zu den Routinearbeiten im Hawaii Volcanoes National Park, Kartenhersteller und Verfasser von Straßenführern haben Mühe, über die wechselnden Gelände- und Straßenbedingungen auf dem Laufenden zu bleiben.

In der Nahe des Halemaumau-Kraters wird Ihnen eine große Zahl scharfkantiger, über die Gegend verstreuter Blöcke auffallen -- sie wurden 1924 während einer Eruption von außergewöhnlicher Explosivkraft aus dem Krater geschleudert. Obgleich einige der Gesteinsbrocken mehrere Tonnen wiegen, wurden sie von stoßweise ausbrechenden Wasserdampfwolken fast einen Kilometer weit durch die Luft getragen. Derart explosive Ausbrüche ereignen sich jedoch selten auf Hawaii, und wenn, gehen ihnen schon Wochen vorher deutliche Bodensenkungen in der Caldera voraus, sie kommen also nicht ohne Vorwarnung.

Der Halemaumau-Krater

WANDERE (5,9 Meilen/ 9,5 km) WARNUNG! Falls einer der Insaßen Ihres Wagens an Asthma, Atemwegserkrankungen, oder Herzbeschwerden leidet, wird Ihnen wegen der konzentrierten Schwefeldämpfe in der Umgebung des Kraters dringlichst empfohlen, die Wagenfenster zu schließen, die Freiluftventilation abzustellen und ohne Verzug weiterzufahren. Kleine Kinder und schwangere Frauen sollten die Gegend ebenfalls meiden. Obgleich ein kurzzeitiger Kontakt mit den vulkanischen Gasen gesunde Personen in der Regel nicht gefährdet, ist es auf jeden Fall ratsam, sich nicht über Stunden hinaus in der Region aufzuhalten.

Der Halemaumau-Krater ist der legendare Wohnsitz Peles, cier Göttin der hawaiianischen VuIkane.

Folgen Sie dem 0,32 km langen Fußpfad bis zum Rand des Kraters. Beachten Sie dabei die mineralverkrusteten, rauchspuckenden Risse am Wegrand. Die Minerale entstehen aus der...
_____
22

Verbindung chemischer Bestandteile in den vulkanischen Gasen -- hauptsächlich Kohlen- und Schwefeldioxide -- mit in der Lava enthaltenen Chemikalien. Die säurehaltigen Gase reagieren mit der Lava und beginnen sie in Ton umzuwandeln. Mark Twain, der diesen Weg vor mehr als hundert Jahren beschritt, machte die Bemerkung: "Der Schwefelgeruch ist zwar streng, doch dem Sünder durchaus nicht unangenehm."

Vom Aussichtspunkt aus blicken Sie direkt in die Wohnstatt Peles. Der Durchmesser des Kraters beträgt 914 m, seine Tiefe wurde 1992 mit 85 m gemessen. Allerdings haben sich Ausmalße des Halemaumau im Verlauf der letzten sechzig oder siebzig Jahre erheblich geändert. 1924 maß die Kratermündung nur 457 m im Durchmesser, und der Krater selbst fast vollständig von einem See geschmolzener Lava ausgefüllt, die mit Temperaturen von ca. 1149 Grad Celsius vor sich hin brodelte.

Als unterirdische r1agmamassen sich am Ostrift des Kilauea entlang verschoben, floß der Lavasee binnen drei Monaten ab. Während dieses Zeitraums stürzten große Stücke aus Kraterrand und -boden in das von der verschwindenden Lavasäule hinterlassene riesige Loch. Erhitztes Grundwasser drang in den entstandenen Leerraum nach, was auf dem Grund des Kraters zu einer Reihe von gewaltigen Wasserdampfexplosionen führte. Die groben Gesteinsbrocken um den Halemaumau wurden alle im Verlauf dieser Explosionen aus dem Krater geschleudert. Ein neugieriger Photograph, der sich zu nah an das Schauspiel herangewagt hatte, wurde während einer solchen Detonation von einem herabstürzenden Felsen tödlich getroffen. Das ist allerdings der einzig bekannte Todesfall seit 1790, der in ursächlichem Zusammenhang mit einem Vulkanausbruch auf Hawaii stand.

Nach dem Kollaps von l924 betrugen Durchmesser und Tiefe des Halemaumau-Kraters 914 bzw. 366 m. Seither hat er sich infolge mehrerer weiterer Ausbrüche bis auf die jetzige Höhe aufgefüllt. Während der letzten größeren Eruption im Jahr 1967 füllte er sich bis auf einen Abstand von ca. 30 m vom Rand mit geschmolzener Lava, die anschließend jedoch wieder abfloß. Zurück blieb ein Ring aus verfestigter Lava, der die ehemalige Füllhöhe noch anzeigt.

Heute sind weite Teile des Grundes des Halemaumau von einer Lavaschicht bedeckt, die während einer kurzfristigen Eruption im Jahr 1974 ausgeworfen wurde.

Peles Anhänger bringen der Göttin bis auf den heutigen Tag Opfer dar, indem sie Flaschen von Gin, Geld, oder gelegentlich sogar ganze Spanferkel in den Halemaumau werfen. Während der alljährlichen Aloha-Woche (sie fällt gewöhnlich auf die erste Oktoberwoche) werden auf dem Kraterrand formelle Kultfeiern mit traditionellen Hula-Tänzen und Gesängen abgehalten.

Möglicherweise sehen Sie hier einen anmutigen Vogel über dem Krater aufsteigen, dessen weißes Gefieder in angenehmen Kontrast zur unnachgiebigen Schwärze der Bodenflächen der Kilauea-Caldera und des Halemaumau steht. Es handelt sich dabei um den sogenannten Weißschwänzigen Tropenvogel (White-tailed Tropicbird), der von den Einheimischen auch Kratervogel oder Koa'e genannt wird. Dieser Vogel mit seinen charakteristischen langen weißen Schwanzfedern und einer Flügelspannweite von über 90 cm ist häufig am Himmel über dem Kilauea zu sichten. Koa'es suchen sich ihre Nahrung im r1eer und nisten in Steilfelsen wie diesen hier.

Der nächste Stop ist in 1,0 Meilen/ 1,6 km.

BEACHTE Südwestlich des Halemaumau-Parkplatzes überquert die Straße einige vollkommen kahlen Lavabänke. Die rötlich-braunen Lagen stammen von Ausbrüchen in den Jahren 1919 und 1921, wohingegen die grauen bis schwarzen Schichten...
_____
23

1971 bzw. 1974 ausgeworfen wurden. Die Farbunterschiede betreffen allerdings nur die Oberflächen der Laven und sind erosionsbedingt. Die ursprünglich schwarzen Mineral- und Glasbestandteile des Basalt enthalten Eisenzusammensetzungen, die im Verlauf ihrer Oxidation einen rostfarbenen Überzug bilden.

Hier im Abwind des Halemaumau wird die Verwitterung durch natürlich sauren Regen jntensiviert. Aus dem Krater entweichen täglich etwa 180 bis 270 Tonnen Schwefeldioxids. Bei ausreichender Luftfeuchtigkeit bilden sich im Verlauf cies Oxidationsprozesses kleine Tröpfchen von Schwefelsäure aus dem Gas. Die Ka'u-Wüste, die sich südwestlich im Lee der Caldera ausdehnt, erhält zwar weniger Regen als die üppigen Farnwälder auf der dem Wind zugewandten Seite des Kilauea, doch fallen die durchschnittlich etwa 76 bis 100 cm betragenden NiedersGhlagsmengen pro Jahr (das ist mehr als San Francisco jährlich verbuchen kann) zumeist als saurer Regen, für dessen Langzeitwirkung die kargen Mondslandschaften der Halemaumau-Region und dsr Ka'u-Wüste ein eindringliches Beispiel liefern.

Die Südwestliche Riftzone

STEIGE AUS (6,9 Meilen/ 11 km) Die Straße nähert sich in einer Schleife wieder dem oberen Rand der Caldera und verläuft dann quer über die südwestliche Riftzone des Kilauea, die an dieser Stelle ein Netz tiefer Brüche und Rinnen aufweist.

Riftzonen werden die von unterirdischen Sprüngen durchzogenen Schwachstellen an den Vulkanseiten genannt. Die Entstehung der Risse ist auf zunehmenden Drucks in den unter den Vulkanen lagernden Magmamassen zurückzuführen. Während die Felsmassen nachgeben, strömt Magma in die unterirdischen Zwischenräume ein und sprengt das Gestein. Manchmal dringt das Flüssigmaterial in einer Eruption bis an die Erdoberfläiche, oft aber bleibt es unter der Erde; dann sind Risse die einzig sichtbaren Auswirkungen an der Oberfläche.

Hier verlaufen die Sprünge und Rinnen in den dicken, lederfarbenen Ascheschichten, die sich nach dem gewaltigen Ausbruch von 1790 um den Kilauea ablagerten. In einige der Rinnen ergossen sich während einer Eruption von 1971 Lavaströme, die inzwischen natürlich ausgekühlt sind und...
_____
24

einen schwarzen Farbton angenommen haben. Die südwestliche Riftzone erstreckt sich vom Gipfel des Kilauea bis zur Küste und darüberhinaus noch ein gutes Stück über den Meeresgrund.

Ihr nächster Anhalt ist in 1,8 Meilen/ 2,9 km.

BEACHTE Während Sie die unmittelbar im Abwind des Halemaumau gelegene Region verlassen, bemerken Sie, daß allmählich wieder Pflanzenleben in Erscheinung tritt, dürftig zunaähst, doch mit zunehmenden Abstand von der Caldera langsam kraftvoller. Auch wenn die Ohi'a-Bäume hier kaum mehr als armselige Büsche sind, an ihren charakteristischen, an Federn erinnernden roten Blüten sind sie zweifelsfrei erkenntlich.

Das Jaggar Museum und Die Hawaiianische Vulkan-Beobachtungsstelle

STEIGE AUS (8,7 Meilen/ 14 km) Dr. Thomas A. Jaggar, Professor der Geologie am Massachusetts Institute of Technology, gründete 1912 das Hawaiian Volcano Observatory (HVO), dem er bis 1940 als Direktor vorstand. Jaggars Ziel war es, vulkanische Vorgänge besser verstehen zu lernen, und mit Hilfe des daraus resultierenden Wissens die Gefahren vulkanischer Aktivität weltweit zu verringern.

Professor Jaggar -- so ließ er sich gern anreden -- war einer der maßgeblichen Personen, auf deren Initiative hin der Kongreß der Vereinigten Staaten 1916 den Hawaii Volcanoes National Park einrichtete. Das HVO wurde zunächst vom National Park Service sowie verschiedenen Bundesstellen unterstützt, bevor es 1947 der U. S. Geological Survey (oder Geologischem Amt der Vereinigten Staaten) als offizielle Mitgliedsorganisation beitrat. Die Laboratorien der Beobachtungsstelle sind dem Publikumsverkehr zwar nicht zugängig, aber die Ausstellungen im zugehörigen Jaggar-Museum veranschaulichen auf hervorragende Weise die Methoden, mit denen Wissenschaftler heute an der Erforschung von Vulkanen arbeiten.

Obgleich die Überwachungsaufgaben des HVO sich speziell auf den Kilauea und den Mauna Loa beziehen, ist das seismographische Netz der Beobachtungsstelle in der Lage, auch die geringsten Erdbebenzeichen auf anderen potentiell aktiven Vulkanen auf Hawaii und Maui zu registrieren.

Seismographen, Neigungsmeter und andere hochempfindliche elektronische Meßinstrumente zeigen, daß Vulkane auch während der Ruhepausen zwischen ihren Ausbrüchen aktiv bleiben, und die Messungen hinsichtlich des Umfangs und der Bewegung unterirdischer Magmaansammlungen sind erstaunlich genau.

Die fünfzig seismologischen Meßstationen Hawaiis verzeichnen so viele schwache und schwächste Erdbeben -- über 100 000 pro Jahr -- daß in der Vulkanbeobachtungsstelle, wo alle Messungen aufgefangen und ausgewertet werden, ein Computer ständig auf Hochtouren läuft, um die Entstehungsherde dieser Erschütterungen zu lokalisieren. Auf der "Großen Insel" ist man etwa drei bis vier spürbare Beben pro Woche gewohnt, und ungefähr alle zehn Jahre nimmt ein Erdbeben tatsächlich zerstörerische Ausmaße an.

Neigungsmeter weisen nach, daß die sich die Gipfelregionen des Kilauea und Mauna Loa aufgrund zunehmender Magmaansammlungen in der Tiefe über Monate und Jahre hinweg allmählich aufblähen bis es zur Druckentlastung und damit zu einem Vulkanausbruch kommt. Ein Neigungsmeter funktioniert nach demselben Prinzip wie eine Wasserwaage, allerdings mit unendlich größerer Empfindlichkeit. Es registriert Neigungsänderungen in einem Maßstab von eins zu zehn Millionen. Im Vergleich dazu müßte eine 1000 m lange Wasserwage einen Unterschied anzeigen, wenn unter eines ihrer Enden ein Blatt Papier geschoben würde. Jegliche der Caldera entgegengesetzte Bodenneigung in der Gipfelregion, deutet auf eine Druckzunahme im Vulkan hin, jede nach innen gerichtete, das heißt dem Zentrum der Caldera zugewandte Neigung, läßt auf eine Druckabnahme infolge eines Schwunds von unterirdischem r1agma schlielßen. Solche Druckabnahmen sind auf unterirdische Bruchstellen an den seitlichen Riftzonen eines Vulkans zurückzuführen, in die Teile des unter dem Gipfel lagernden Magmas ausweichen.

Die aus dem Halemaumau und anderen Schloten um den Gipfel und an den Riftzonen des Kilauea dringenden Gase werden ebenfalls als wichtige Indikatoren unterirdischer vulkanischer Aktivität untersucht. Änderungen im Volumen und in der Zusammensetzung vulkanischer Gase geben entscheidende Hinweise zur Beurteilung der wechselnden Vorgänge im Untergrund eines Vulkans.
_____
25

Die abenteuerlichste Aufgabe der Vulkanologen besteht in der Dokumentation tatsächlicher Eruptionen. Durch ihre Beobachtung von Lavafontänen und -strömen aus größtmöglicher Nahe versuchen sie Antworten auf eine ganze Reihe von Fragen zu finden: Wieviel Lava wird stündlich ausgeworfen? Nehmen die Mengen zu oder ab? Handelt es sich um Lava des Pahoehoe oder des A'a-Typs? MIt welcher Geschwindigkeit bewegen sich die Ströme? Wie weit werden sie voraussichtlich fließen? Sind Wohnsiedlungen in Gefahr? Einige der Fragen können exakt beantwortet werden; hinsichtlich anderer lassen slch nur rationale Schätzungen anstellen. Bezüglich der Frage, was wohl als nächstes geschieht, muß man sich mit auf Erfahrung gestützten Vermutungen zufriedengeben. Doch mit zunehmendem Verständnis vulkanischer Aktivität werden auch diese Vermutungen allmählich zuverlässiger.

Voraussagen hinsichtlich des Zeitpunkts, des Ortes und des Charakters vulkanischer Ausbrüche auf Hawaii können inzwischen mit einiger Sicherheit getroffen werden; man bewegt sich hier längst nicht mehr im Bereich willkürlicher Vermutungen, doch hundertprozentig genau sind auch diese Berechnungen bei weitem noch nicht. Obwohl solche Voraussagen mit wachsender Kennntnis des Vulkanismus sicher zutreffender werden, ist es unwahrscheinlich, daß sie je mit absoluter Präzision gemacht werden können. Wie bei Wettervorhersagen trifft auch auf Vulkane das englische Sprichwort zu: Die Natur hat immer das letzte Wort.

Professor Jaggar würde sich, wenn er noch am Leben wäre, über die Fortschritte der Vulkanforschung seit seinen eigenen Pioniertagen sicher freuen. Als 1983 die langanhaltende Eruption des Kilauea einsetzte, lösten vulkanische Zitterbeben einen Telefonalarm aus, der Wissenschaftler kurz nach Mitternacht des 2. Januar aus dem Bett unverzüglich zur Beobachtungsstelle eilen ließ. Solche Zitterbeben, während derer der Boden kontinuierlich vibriert, werden durch die Beweguny von Magmamassen in unterirdischen Bruchstellen verursacht. Sie sind im allgemeinen nicht spürbar, werden jedoch von hochsensiblen Seismographen erfaßt.

Die Auswertung der schwachen Erdbebenwellen, die von den neu entstehenden Bruchstellen...
_____
26

ausgingen, half den Seismologen im HVO die unterirdischen Rupturen und das Eindringen des Magmas in die östliche Riftzone des Kilauea genau zu verfolgen. Die Magmamasser bewegten sich nur mit ca. anderthalb Kilorneter in der Stunde fort, so daß die Geologen vor Ort, die mit den Seismologen in der Beobachtungsstelle in Funkkontakt standen, auf der Oberfläche der Riftzone mit der unterirdischen Bewegung direkt Schritt halten konnten. Würde die glutheiße Flüssigkeit ausbrechen? Tatsächlich kam es in der folgenden Nacht, vierundzwanzig Stunden nach der ersten Warnung, und in nur 14,5 km Entfernung vom HVO schließlich zur Eruption. Die Geologen konnten unmittelbar zusehen, wie sich die Erde in einer unterbrochenen Linie von Rissen öffnete und feurige Schleier rotflüssiger Lava ausspuckte. Sie ahnten damals nicht, daß der Kilauea aus dieser unterirdischen Ader auch noch zehn Jahre später bluten würde.

Wie Jaggar es vorgesehen hatte, exportierte das HVO seine wissenschaftlichen Erkenntnisse auch über die Landesgrenzen hinaus. Den hochexplosiven Ausbrüchen des Pinatubo auf den Philippinen im Jahr 1991 gingen schon Tage zuvor Schwarmbeben voraus. Das Philippinische Institut für Vulkanologie war durch die zunehmende Zahl und laufende Lageänderung der Beben auf das Schlimmste vorbereitet und trug durch Weiterleitung der Warnung zur Evakuation von 40 000 Menschen aus der gefährdeten Region bei. Zwar wurden hunderte während der gewaltigen Eruptionen vom 14. und 15. Juni getötet -- sie wurden zumeist von unter einem nassen, schweren Ascheregen einstürzenden Hausdächern begraben -- doch zig-tausend weitere Menschenleben konnten auf Grund der relativ genauen Voraussagen gerettet werden.

Die Sicht auf die Kilauea-Caldera und den Halemaumau-Krater vom Aussichtspullkt außerhalb des Jaggar-Museums ist eine der besten, die man hier im Park genießen kann. Am Horizont jenseits der Caldera erhebt sich die Kuppel des Mauna Ulu oder "Wachsenden Berges," der seine Entstehung einer langanhaltenden Eruption an der östlichen Riftzone des Kilauea zwischen 1969 und 1974 verdankt. Rechts der Caldera markieren einige Kegel die Linie der südwestlichen Riftzone, die sich bis zum Ozean hinunterzieht.

Der nachste Zwischenstop ist in 1,7 Meilen/ 2,7 km.

BEACHTE Bei (9,1 Meilen/ 14,6 km) biegt rechts eine Seitenstraße zum Kilauea-Aussichtspunkt ab, wo man auch einen Picknickplatz eingerichtet hat. Die Aussicht von hier unterscheidet sich kaum von der am Jaggar-Museum; falls Sie aber noch einen Blick auf den Krater genießen möchten, oder auf der Suche nach einem geeigneten Picknickplatz sind, bietet sich Ihnen hier eine ausgezeichnete Gelegenheit.
_____
27

Entlang dieses Teilstücks des Crater Rim Drive wachsen die Büsche der Ohela-Beeren im Überfluß, an denen zu fast jeder Jahreszeit einige reife Früchte hängen. Die saftigen Beeren ähneln roten Heidel- oder etwas blassen Preiselbeeren (vergleichen Sie das Photo auf S. 15 Devastation Trail (Pfad der Zerstörung) (39K) ). Laut hawaiianischer Sage ist diese Frucht der Göttin Pele gewelht. Falls Sie davon kosten wollen, sollten Sie sich daher an den entsprechenden Brauch halten und die erste Handvoll als Gabe an die Göttin in Richtung der Caldera werfen.

Bei (9,8 Meilen/ 15,7 km) durchqueren Sie einen Hain junger Koas. Typisch für diese schöngewachsenen, einheimischen Bäume, sind ihre halbmondförmigen Blätter und ihre hellgraue Rinde. Sie können bis über 30 m hoch werden. Frühe Hawaiianer verwendeten ihr hartes Holz zum Bau von Kanus und für Schnitzarbeiten. Gleich nach dem Wäldchen befindet sich das Kilauea Military Camp, ein Erholungslager für Angehörige der Armee der Vereinigten Staaten, das schon vor der Gründung des Nationalparkes bestand.
_____
28

Steaming Bluff oder Dampfende Klippe

WANDERE (10,4 Meilen/ 16,7 km) Diese baumlose terrassenförmige Ebene ist zwischen den inneren und äußeren Randfelsen der Kilauea-Caldera eingeschlossen. Nur etwa einen Meter unter der Oberfläche ist der Boden hier so heiß, daß Baumwurzeln nicht überleben könnten, aber flachwurzelige Gräser, Ohelo-Beerensträucher und Bambusorchideeen gedeihen auf dem Terrain. Grundwasser, das bis auf die immer noch heißen vulkanischen Felsen absickert, kommt als Dampf an die Oberfläche zurück, vor allem nahe dem Rand der Caldera. An manchen Tagen dampft es hier sichtlich mehr als an anderen; das rührt allerdings nicht von zunehmender Bodenhitze her, sondern liegt an veränderten Wetterbedingungen mit erhöhter Luftfeuchtigkeit. An Tagen mit geringer Windbewegung quillt der Dampf über die Felswände und strömt in den Kessel der Caldera hinab. Gehen Sie die fünf Minuten bis zum Rand des Kraters, um zu sehen was sich heute tut.

Fahren Sie 0,5 Meilen/ 0,8 km weiter und nehmen Sie die nächste Abfahrt nach links.

Die Schwefelbank

WANDERE (11,0 Meilen/ 17,7 km) Diese kurze Seitenstrecke führt zur sogennanten Schwefelbank, einer Stelle, an der mit Wasserdampf vermischte vulkanische Gase nach außen dringen. Die Dämpfe sind reich and Kohlen- und Schwefeldioxiden, sowie Schwefelwasserstoff; letzterer ist verantwortlich für den typischen Geruch nach faulen Eiern. Einige dieser Schwefelgase lagern reine Schwefelkristalle ab, wodurch die Sulfur Bank ihren hellgelben Überzug erhielt. Andere der Gase bilden Schwefelsäure aus, welche die Lava in rot-braunen, rostige Eisenoxide enthaltenden Ton zersetzt.

In 0,3 Meilen/ 0,5 km gelangen Sie am Ende Ihrer ersten Tour zum Visitor Center des Nationalparks zurück. Wenn Sie noch etwas Zeit für einen Erkundungsgang haben, bieten sich der Bird Park Trail (Weg durch den Vogelpark) oder das erste Stück (ca. 0,8 km) des Halsmaumau Trail an. Beide Strecken sind auf S. 46 kurz beschrieben.


_____
29

CHAIN OF CRATERS ROAD

Die Chain of Cra'ters Road (Kratterkettenstraße) erstreckt sich über 23 Meilen/ 37 km vom Crater Rim Drive bis zu den Stellen in Küstennähe, wo relativ frische Lavaströme die Weiterfahrt versperren (vergleichen Sie die Karte auf den Seiten 30-31 Kartenskizze -- Chain of Craters Road (221K)).

Die Freihaltung der Strecke bedeutet einen ständigen Kampf mit Pele; immer wieder fließen Lavaströme darüber hinweg, wiederholt wurden ganze Abschnitte durch Erdbeben zerstört. Zwischen 1969 und 1974 verschwanden 12 Meilen/ 19,2 km der Straße unter der Lava des Mauna Ulu (vergleichen Sle die Kartenskizze auf S. 38 Schemazeichnung -- Lavaflüsse des Mauna Ulu 1969-1974 (117K)), 5 Meilen/ 8 km der Verbindungsstraße nach Puna wurden zwischen 1986 und 1991 während eines Ausbruchs des Pu'u O'o von Lava aus dem Kupaianaha-Schlot begraben, und im November 1992 mußte eine weitere Straßenmeile gesperrt werden, weil sich wiederum Lavaströme aus neuen, in der Nähe des Pu'u O'o gelegenen Schloten über die Stellfelsen und den Highway bei Kamoamoa bis in den Ozean ergossen.

Wenn Sie die Gipfelregion des Kilauea einmal hinter sich gelassen haben, gibt es auf dem ganzen Weg weder Wasser noch Essensmöglichkeiten. Die nächste Tankstelle liegt außerdem ein gutes Stück zurück in Volcano Village. Wenn Sie sich fur die Tour einen halben oder ganzen Tag Zeit nehmen wollen, überprüfen Sie Ihren Tank und nehmen Sie genügend zu Essen und Trinken mit, um an einer der landschaftlich reizvollen Stellen unterwegs ein Picknick einzulegen. Die Entfernungen in diesem Führer gehen von der Anschlußstelle der Chain of Craters Road am Crater Rim Drive aus, darum sollten Sie hier Ihr Tourenmeter wieder auf Null stellen, oder sich Ihren Meilenstand aufschreiben.

Als der Missionar William Ellis den Kilauea 1823 besichtigte, blubberte im Halemaumau Krater ein Lavasee unablässig vor sich hin. Ellis kampierte mit seiner Reisegruppe am Steaming Bluff, von wo aus er freien Blick auf das eindrucksvolle Schauspiel genoß, und seine hawaiianischen Scouts erklärten ihm, daß er hier auf die Wohnstatt Peles, der Feuergöttin, schaute. Sie erzähalten ihrr auch, daß Ausbrüche sich nicht nur am Gipfel des Kilauea, sondern manchmal auch viele Kilometer entfernt davon an den Vulkanseiten ereignetenj und daß dann Pele auf unterirdischen Wegen von ihrer Residenz in der Caldera zur Ausbruchsstätte gereist sei.

Die Geologen von heute stimmen dieser Interpretation prinzipiell zu, auch wenn Sie eine etwas wissenschaftlichere Erklärung dazu beisteuern. Das in einem flachen Reservoir 3 bis 6,5 km unter dem Gipfel anschwellende Magma bewirkt eine Erhöhung des unterirdischen Drucks, aufgrund dessen an den seitlichen Schwachzonen des Kilauea, den Riften, Brüche entstehen können. In solche Spalten in den Riftzonen dringt Magma ein und strömt unterirdisch oft noch kilometerwelt fort, bevor es in einer Seiteneruption an die Oberfläche dringt.

Die Entstehung solch unterirdischer Brüche und ihre Auffüllung mit Magma ist von Tausenden kleiner Erdbeben begleitet. Während sich das Magma langsam entlang der Riftzone fortbewegt, sinkt der Gipfel nachmeßbar um Beträge bis zu einigen zig Zentimetern ein. Diese seismologischen und deformatorischen Daten liefern den Wissenschaftlern wichtige Hinweise, welchen Verlauf solche Rifteruptionen nehmen, und wann es vermutlich zu einem Lavaausbruch kommt.

Vom Gipfel bis zum Mauna Ulu, dem Schauplatz einer größeren, fünf Jahre (1969-1974) lang anhaltenden Eruption, erstreckt sich die Chain of Craters Road entlang der Achse der östlichen Riftzone des Kilauea . Von da ab steigt sie in Serpentinen über die Südflanke des Berges bis zum Meer ab, um dann der Küstenlinie bis zu der von Lavaströmen blokierten Stelle zu folgen.

LOOK Auf den ersten paar r1eilen entlang der Chain of Craters Road fallen Ihnen die typischen r1erkmale der östlichen Riftzone ins Auge: Krater, Spalten, sowie Lavaberge und Schlacken um die divers'en Ausbruchsschlote. Die frisch wirkende Lavabank, die Sie bei (0,3 Meilen/ 0,5 km) überqueren, wurde 1974 aus Schloten rechts der Straße ausgeworfen.
_____
30

Der Lua-Manu-Krater

STEIGE AUS (0,4 Meilen/ 0,6 km) Der Lua Manu rechts der Straße ist ein kleiner Kesselkrater, der von Lavaströmen, die während einer Eruption im Jahr 1974 an die Oberfläche drangen, teilweise aufgefüllt wurde. Kesselkrater sind von steilen Ringwällen eingefaßte Becken, auf deren Rand sich jedoch keine von explosionsartigen Ausbrüchen herrührenden Trümmer finden. Sie bilden sich, wenn unter ihnen liegende Magmaansammlungen abfließen, und der Grund in den dadurch entstandenen Leerraum absinkt. Die Krater an der Chain of Craters Road stammen aus vorgeschichtlicher Zeit, doch einige von ihnen erhielten ihre jetzige Gestalt und Tiefe vermutlich erst im Verlauf der größeren Gipfelsenkung von 1790, der größtenteils auch die heutige Kilauea-Caldera ihre Entstehung verdankt.

Der nächste Zwischenstop ist in 0,6 Meilen/ 0,9 km.

Der Puhimau-Krater

STEIGE AUS (1,0 Meilen/ 1,6 km) Der grolße ovale Kesselkrater links der Straße ist ca. 180 x 122 m weit und 152 m tief. In den Puhimau haben sich seit seiner Entstehung niemals Lavaströme ergossen, und seine steilen aus Geröllbrocken bestehenden Innenwände, die sich nach unten trichterförmig verengen, sind typisch für ungefüllte Kesselkrater. Im oberen Bereich seiner überhängenden Wände sehen Sie eine ganze Anzahl von Lavaschichten, die aus früheren Ausbrüchen entlang des Ostrifts stammen, und erst als der Boden des Puhimau abstürzte freigelegt wurden.

In dem Ohi'a-Wald, den Sie hier sehen, machen sich mehr und mehr sogenannte Faya-Bäume breit. Diese wenig willkommenen Spätankömmlinge wurden offenbar als Kulturpflanzen von den Azoren eingeführt und haben sich schnell verbreitet. Die Bäume fallen durch ihre kegelförmige Silhouette und dunkelgrünes Laubwerk auf; die jungen Blätter an den nach oben weisenden Astenden sind dagegen hellgrün. Es bleibt abzuwarten, ob diese widerstandskräftigen Eindringlinge die einheimischen Bäume hier schließlich ganz verdrängen werden.

Ihr nächster Anhalt ist in 2,2 Meilen/ 3,5 km.

BEACHTE Der kleine, inseitig bewaldete Kesselkrater, der bei (1,5 Meilen/ 2,4 km) rechts in Sicht kommt, ist der Koko'olau. (Koko'olau ist der hawaiianische Name für die Klette, deren klebrige Samen sich bekanntlich gern in Socken und Kleidung festsetzen.) Die Erhebung auf dem nordwestlichen Rand dieses Kraters ist ein prähistorischer....
_____
31

Lavaschlot. Seine dichte Vegetation weist darauf hin, daß dieser Krater seit langem, vermutlich schon über 200 Jahre, ruht.

Bei (2,2 Meilen/ 3,5 km) führteine Abzweigung nach rechts über 9 Meilen/ 14,5 km zum Hilina Pali, einer steil abstürzenden Felsbank, von der aus man die Südkküste der Insel überblickt. Machen Sie den Abstecher, wenn Sie Zeit genug haben, andernfalls können Sie ähnliche Palis (Steilfelsen) auch ein Stück weiter entlang der Chain of Craters Road sehen.

Auf halbem Weg der Straße zum Hilina Pali liegt Kipuka Nene, ein Ort mit guten Picknick- und Campingmöglichkeiten, von dem aus auch ein Wanderweg zur Küste abzweigt. Am Hilina Pali am Ende der Straße gibt es einen wettergeschützten Picknickplatz; außerdem befinden sich hier weitere Ausgangspunkte für Wanderungen zur Küste (vergleichen Sie dazu die Beschreibung des Halape Trail auf S. 46.)

Bei (2,4 Meilen/ 3,8 km) durchschneidet die Chain of Craters Road....
_____
32

einen Kegel aus rötlichen Lavafetzen (sogenannten Bomben) und Schlacken. Zu Ihrer Linken können Sie die freiliegenden Schichten betrachten. Der Kegel bildete sich um einen prähistorischen Ausbruchschlot, und unter Einwirkung säurehaltiger Gase färbten sich die in der Lava enthaltenen Eisenminerale rostrot.

Bei (2,6 Meilen 4,2 km) kommen Sie an eine Stelle, wo l973 ein Lavastrom die Straße von rechts nach links überfloß und sich dann in den Hi'iaka Krater ergoß. Die Ausbruchstellen befanden sich zu beiden Seiten der Straße in einer von Fissuren durchzogenen Zone, die sich über ca. 0,8 km erstreckt. Solche Eruptionen kündigen sich in der Regel einige Stuncien vorher durch Schwärme geringer Erdbeben an, die in der Vulkanbeobachtungsstelle registriert und lokalisiert werden. Aufgrund dieser Informationen ist die Verwaltung des Nationalparks in der Lage, Straßen rechtzeitig vor Beginn einer Eruption zur Sicherheit zu räumen und abzusper ren.

Der Pauahi-Krater

STEIGE AUS (3,2 Meilen/ 5,1 km) Dieser wie eine Acht geformte Kesselkrater ist etws 609 m lang und über 90 m tief. 1973 und 1979 ergossen sich Lavaströme von nahegelegenen Ausbruchstellen auf den Grund des Kraters Ein Teil des flüssigen Eruptivmaterials von 1973 floß nach dem Ausbruch durch Risse im Kraterboden wieder in den Untergrund zurück. Auch hier zeigt ein Ring oberhalb des jetzigen Kraterbodens an der gegenüberliegenden Wand des Kraters noch den früheren Stand des Lavasees an.

Im November 1979 wurden im Hawaiian Volcano Observatory unterirdische Schwarmbeben in dieser Region festgestellt. Die Geologen richteten ihr volles Augenmerk auf den Pauahi-Krater und waren auf der Aussichtsplattform zur Stelle, als der Ausbruch tatsächlich elf Stunden nach dem Auftreten der Beben begann. Die Fissur trat zunächst am Nordrand des Kraters zutage; weiße Dampfwolken entwichen unter einem Geräusch wie von Düsenmotoren. Kurz darauf spaltete sich die Nordwand des Kraters mit einem Knall wie aus einem Gewehrlauf. Erdbeben erschütterten die Plattform (die von den Beobachtern schnellstens aufgegeben wurde), und aus der Bruchstelle in der Kraterwand begann rotglühende lava zu auszuströmen. Am Westrand des Kraters spritzten Lavafontänen auf, als der Riss sich weiter verläingerte, und Ströme flüssigen Lavas überspülten die Straße südlich des Parkplatzes. Der Ausbruch des Pauahi dauerte nur einen Tag, doch da die Stelle leicht zu erreichen war, konnten Tausende von Besuchern das Spektakel bestaunen.

Bei den beiden Hügeln in der Ferne links hinter dem Pauahi handelt es sich um zwei der größeren Ausbruchschlote in der östlichen Riftzone. Der steile, bewaldete Berg links ist der Pu'u Huluhulu oder "Struppige Hügel," ein aus vorgeschichtlicher Zeit stammender Kegel aus Bomben und Schlacken. Der größere sanft geböschte kahle Hügel rechts davon ist der Mauna Ulu oder "Wachsende Berg," dessen Schild sich aus einer Vielzahl von Lavaschichten bildete, die zwischen 1969 und 1974 aus diesem Schlot ausgeworfen wurden.

Nach weiteren 0,6 Meilen/ 0,9 km biegen Sie links auf einen Ausläufer der alten Chain of Craters Road zum Mauna-Ulu-Parkplatz ein.

Der Mauna Ulu

WANDERE (4,2 Meilen/ 6,7 km) Gehen Sie die paar Meter bis zum Ende der Straße, dort wo 1973 die Pahoehoe-Lavaströme aus dem Mauna Ulu, dem stattlichen Schildvulkan im Hintergrund, die Fahrbahn unter sich begruben. Hinter der dünnen Pahoehoe-Schicht liegt eine dickere Schicht aus A'a-Lava, die 1974 ebenfalls aus dem Mauna La ausgeworfen wurde. Pahoehoe- und A'a-Lava haben eine ähnliche basaltartige Zusammensetzung, doch hat A'a-Lava etwas niedrigere Temperaturen und ist zähflüssiger. Die Oberfläche eines fließenden Pahoehoe-Lavastroms ist glatt oder streifig gezogen, während in Bewegung befindliche A'a-Laven von einer bröckeligen bis großklumpigen Kruste aus Schlacken bedeckt sind.

Falls Sie die Zeit dazu erübrigen können, sollten Sie hier einen Fußmarsch bis zur Spitze des Pu'u Huluhulu auf dem dafür eingerichteten 3,2 km langen Rundweg einlegen; das Panorama, das Sie von dort genießen können, ist die Mühe allemal wert. Der Fußweg führt über Lavaströme des Mauna Ulu von 1973 hinweg, die durch Steinanhäufungen (auf Hawaiianisch Ahu) gekennzeichnet sind. Vom Aussichtspunkt auf dem Pu'u Huluhulu sehen Sie 8 km im Nordosten....
_____
33

den 234 m hohen Kegel des Pu'u O'o (Berg des O'o-Vogels), der zwischen 1983 und 1986 aus Schlacken und Lavaspritzern entstand, die aus über vierzig bis zu über 450 m hohen Lavafontänen herabprasselten. 1984 schoß eine solche Fontäne während eines gleichzeitigen Ausbruchs am Mauna Loa auf, und die Wanderer auf dem Weg zum Pu'u Huluhulu konnten den seltenqn Anblick zweier zur gleichen Zeit aktiven Vulkane genießen.

1986 wechselten die Eruptionen des Pu'u O'o auf einen etwa 3,2 km weiter unten am Rift liegenden Schlot, den Kapaianaha (hawaiianisch für geheimnisvoll), über. Aus diesem neuen Schlot ergossen sich langsam aber stetig fließende Lavaströme bis ins Meer (vergleichen Sie die Karte auf S. 31 Kartenskizze -- Chain of Craters Road (221K) ). Bis 1992 hatte diese langanhaltende Eruption des Pu'u O'o fast 200 Wohnhäuser und andere Gebäude zerstört, davon abgesehen Hawaii jedoch rund 120 Hektar neuen Landes hinzugefügt.

Kehren Sie nun vom Parkplatz am Mauna Ulu zur Chain of Craters Road zurück, und fahren Sie dort nach links weiter. Ab hier entfernt sich die Straße von der Riftzone und geht allmählich in die Küstenregion über. Der nächste Anhalt ist 3,1 Meilen/ 5 km von hier entfernt.

BEACHTE Bei (4,9 Meilen/ 7,9 km ) überqueren Sie einige der 1969 aus dem Mauna Ulu ausgeworfenen Lavaströme. Beachten Sie, daß die Höhe der Ohi'a-Wälder entlang dieses Teilstücks der Strecke entsprechend dem Alter der Lavaschichten, auf denen sie wachsen, erheblich variiert.

Bei (6,5 Meilen/ 10,5 km) fahren Sie am Kipuka Kahali'i, einem sich gerade erst erholenden Wald aus jungen Ohi'as und anderen Bäumen vorbei. Obgleich dieses Areal von den Lavaströmen des Mauna Ulu verschont blieb, wurde es tief unter herabfallenden Schlacken begraben, die der Abwind aus dsn hohen Lavafontänen von 1969 bis hierher trug. Der größte Teil der Vegetation erstickte unter der Decke aus heißen Schlacken und Asche, nur die widerstandsfähigsten Pflanzen wuchsen nach.

Mau Loa o Mauna Ulu

STEIGE AUS (7,3 Meilen/ 11,7 km) Hier, am Rand eines weiten von Lavaströmen des Mauna Ulu bedeckten Geländeabschnitts, überqueren Sie auf der neu verlegten Straße ein schillerndes Lavameer (vergleichen Sie dazu auch die Skizze auf S. 38 Schemazeichnung -- Lavaflüsse des Mauna Ulu 1969-1974 (117K) ). Farne beginnen die harte, schimmernde Oberfläche der aus dem Jahr 1974 stammenden Pahoehoe-Lava an dieser Stelle mit einer ersten Vegetationsschicht zu begrünen.

So steril und wenig einladend die Lava auch aussieht, enthält sie doch fast alle lebenswichtigen Pflanzennährstoffe. Der einzig maßgebliche äußere Faktor zur Entstehung pflanzlichen Lebens ist offensichtlich Wasser; wo immer ausreichend Regen fällt, können sich in kleinen Rissen und Spalten Samen und Sporen festsetzen, und schon ein paar Monate nach Auskühlen einer Lavaschicht beginnen sich Farne, Flechten und Algen zu entwickeln. Holzgewächse treten bald danach in Erscheinung; der Ohia-Baum ist in der Regel einer der ersten Kolonisatoren. Auf der Wetterseite der Insel sind Schichten, die gerade erst hundert Jahre zählen, schon von dichten Dschungeln bewaldet, während in den Trockengebieten selbst prähistorische Laven der gleichen Art noch glatt und kahl sind.

Der nächste Stop ist in 1,0 Meilen/ 1,6 km.

Muliwai a Pele

STEIGE AUS (8,3 Meilen/ 13,4 km) Das Gesamtvolumen der zwischen 1969 und 1974 aus dem Mauna Ulu ausgeworfenen Lava beläuft sich auf rund 342 Millionen Kubikmeter; mit dieser Menge ließe sich eine 60 cm dicke und 14 m breite Straße rings um den Äquator der Erde anlegen. Schicht über Schicht bedeckt die Lave in einer Stärke von ungefähr 7,5 m ein Gebiet von mehr als 44 km2.

Starke Lavaströme bilden im Zentrum oft Kanäle aus, in denen die weißglühende Lava sich mit einigen Kilometern pro Stunde fortbewegt. Da sich solche Kanäle jedoch an der Spitze der Ströme auflösen, beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit fließender Lava auf Hawaii selten mehr als ein paar Kilometer pro Tag.
_____
36

Von der Plattform in der Nähe des Parkplatzes aus blicken Sie auf einen größeren Lavakanal, der sich entlehrte, nachdem aus dem stromaufwärts gelegenen Eruptionsschlot keine weitere Lava mehr nachdrang. Stellen Sie sich diesen Kanal bis an den Rand mit rot-glühend dahinfließender Lava gefüllt vor; die Hitze würde Ihnen auch noch auf diese Entfernung in Sekunden das Gesicht verbrennen.

An dieser Stelle sehen Sie zu beiden Seiten der Straße Musterbeispiele für Pahoehoe- und A'a-Lava Falls kurz vor Ihrem Besuch in der östlichen Riftzone hohe Lavafontänen ausgebrochen sind, sollten Sie hier in Rissen in der Lava nach Strähnen aus Peles Haar -- feinen Fäden aus vulkanischem Glas, die wie gesponnenes Gold aussehen -- Ausschau halten. Bei diesen Strähnen handelt es sich um Kleinstmengen geschmolzenen Gesteins, das durch die Eruptivgewalt innerhalb von Lavafontänen zu Fäden gezwirbelt wird, um dann vom Wind oft kilometerweit weitergetragen zu werden.

Ihr nächster Anhalt ist in 2,4 Meilen/ 3,9 km.

BEACHTE (8.8 Meilen/ 14,2 lkm) Das Gebiet, das sich hier über ca. 0,8 km erstreckt, ist eine sogenannte Kipuka, eine Vegetationsinsel, die von den Lavaströmen des Mauna Ulu eingeschlossen, aber nicht überflossen wurde. Die intense Hitze der vorbeifließenden Lavaströme führt jedoch auch innerhalb solcher verschonten Kipukas oft zu Gras- oder Waldbränden.

Ke ala Komo

STEIGE AUS (10,7 Meilen/ 17,2 km) Dieser Aussichtspunkt und ein überdachter Ausstellungsplatz befinden sich auf dem Kamm des Holei Pali, der zu einer Kette von steilen Felsbänken entlang einer Verwerfungslinie gehört. Hier hat sich die Küstenregion relativ zur östlichen Riftzone des Kilauea verschoben. Die jüngsten Lageänderungen größerer Rangordnung im Bereich dieser Felsen traten während heftiger Erdbeben in den Jahren 1968 und 1975 auf.

Im November 1975 rutschten während eines Erdbebens der Stärke 7,2 einige der Steilfelsen anderthalb Meter tief ab. Die Küste sank ganze 3 m und verschob sich um mehr als 6 m zum Meer hin. Der plötzliche Schub löste eine eine Flutwelle (Tsunami) aus, die über eine Gruppe von Menschen am Halape-Strand hereinbrach. Der Strand ist jedoch nur durch einen Pfad am Fuß einer sich steil von der Küste nach Südwesten ziehenden Felsbank mit dem Hinterland verbunden. Zwei Männer und einige Packpferde ertranken; dreißig andere jugendliche Mitglieder der Gruppe wurden von der riesigen Welle zwar ins Landesinnere geschwemmt, doch überlebten auf wunderbare Weise.

In der Ferne sehen sie von hier die Stelle, wo die Lavamassen des Mauna Ulu in Kaskaden über den steilen Holei Pali stürzten und von da über das darunterliegende flachere Gelände bis ins Meer flossen, um Hawaii weitere 84 Hektar Land anzugliedern.

Der nächste Aufenthalt ist in 3,6 Meilen/ 5,9 km.

BEACHTE Von Ke ala Komo aus steigt die Straße in Serpentinen mehr als 300 m über den Abhang des Pali ab. Das Gefälle befindet sich im Lee der Passatwinde, was bedeuted, daß die Regenfälle in dieser Region drastisch abnehmen. Am Schlot des r1auna Ulu ist es oft kühl und feucht, während 11 km südlich davon und etwa 900 m tiefer das Klima warm und trocken ist.

Gekröse- Lava

STEIGE AUS (14,3 Meilen/ 23 km) Rechts der Straße, dort wo sich die Lavaströme des Mauna Ulu über den steilen Pali abwärts ergossen, hat sich Pahoehoe-Lava zu einem an ein Gewirr ineinander verschlungener schwarzer Schlangen erinnernden Berg gestaut. Unglücklicherweise wird diese surrealistische Skulptur der Natur Stück für Stück von Souvenirjägern demontiert. Das ist nicht nur rücksichtslos, sonder auch gesetzwidrig. Außerdem behaupten Peles Anhänger, daß es Unglück nach sich zieht, wenn man Stücke der ihr geweihten Lava aus ihrer natürlichen Umgebung entfernt. Nehmen Sie sich daher anstelle des Briefbeschwerers lieber ein Erinnerungsphoto mit nach Hause zurück.
_____
37

Der nächste Stop ist in 0,6 Meilen/ l km.

Alanui Kahiko

STEIGE AUS (14,9 Meilen/ 24 km) Auf der linken Seite der Straße, etwa 61 m bergabwärts sind hier noch einige Überreste der früheren Chain of Craters Road zu sehen. Als 1972 Lavaströme aus dem Mauna Ulu dieses Areal überschwemmten, begruben sie auch die Straße bis auf einige isolierte Stellen wie diese unter sich. Oberhalb der Straße formten die in Kaskaden über den Steilfelsen stürzenden Ströme dieser relativ kurz zurückliegenden Eruption ein Wirrwarr verschiedener Pahoehoe- und A'a-Texturen.

Der nächste Anhalt ist in 2,2 Meilen/ 3,5 km.

Die Felsbilder von Pu'u Loa

WANDERE (17,1 Meilen/ 27,5 km) Vom Parkplatz aus führt ein 3,2 km langer Rundwanderweg nach Pu'u Loa an der alten Puna-Ka'u-Straße, wo sich mit über 15 000 Gravuren die größte Ansammlung von Felsbildern auf Hawaii befindet. Die meisten der Figuren, Formen und Symbole wurden von frühen Einwohnern Hawaiis noch vor der Ankunft weißer Siedler in die Pahoehoe-Lava eingeritzt.

Pu'u Loa heißt wörtlich "Langer Hügel," doch die Hawaiianer interpretieren das sls "Hügel des Langen Lebens." In die Lava am Gipfel dieses Hügels haben Menschen offenbar vor sehr langer Zeit mindestens 7000 tassenförmige Dellen geschlagen. Auch in den flachen Lavaschichten rings um den Berg finden sich Gravuren in reicher Anzahl, wobei die tassenförmigen Dellen oder Löcher in unterschiedlicher Anordnung immer wieder auftauchen. Einige erscheinen einfach für sich oder in Gruppen, andernorts sind die Formen auf phantasievolle Art miteinander verbunden, so daß Muster entstehen, und an wieder anderen Stellen hat man menschliche Figuren zu mehreren socher Löcher in Bezug gesetzt.

Nach einer Theorie bestand unter den früheren Einwohnern Hawaiis der Brauch, die Nabelschnur (auf Hawaianisch Piko) eines jeden Neugeborenen zum Pu'u Loa zu bringen? wo man sie in einem in den Fels geschlagenen Loch verwahrte, dessen Öffnung dann mit einem Stein verschlossen wurde, Fand sich der Piko am nächsten Morgen noch dort vor, hielt man das für ein Zeichen, daß dem Kind langes Leben beschieden sei. Qas war nicht nur ein lokaler Brauch; auch Familien aus Oahu, Maui und sogar Kauai sammelten die Nabelschnüre ihrer Kinder, um sich eines Tages mit dem Kanu auf den weiten Weg bis zum Pu'u Loa zu machen. Dort schlugen sie für eine jede Nabelschnur...
_____
40

ein Loch und zogen einen Kreis um die Ansammlung, um anzudeuten, daß es sich hier um eine Familiengruppe handelte. Manche dieser Kreise enthalten bis zu dreißig oder vierzig Löcher.

Dieser Brauch hat sich allem Anschein nach über viele Generationen hinweg bis spät ins 19. Jahrhundert erhalten, als christliche Missionare ihm nach und nach ein Ende setzten.

Der Plankenpfad führt in Windungen an einigen der besten Beispiele dieser faszinierenden alten Felsbilder vorbei. Bleiben Sie jedoch unbedingt auf dem Weg, um nicht versehentlich auf eine der fragilen Gravuren zu treten; die Kanten splittern und bröckeln leicht ab. Auf dem Rückweg zum Parkplatz fällt Ihnen auf, wie glatt die Pahohehoe-Schicht des alten Pfades von den (meist unbeschuhten) Füßen der vielen Pilger innerh(alb der vergangenen tausend Jahre getreten wurde.

Ihr nachster Zwischenstop ist in 2,5 Meilen/ 4 km.

Der Holei-Meeresbogen (Holei Sea Arch)

STEIGE AUS (19,6 Meilen/ 31,5 km) Meereswellen sind der mächtigste Erosionsfaktor auf Hawaii. Hawaiianische Legenden, die von den hitzigen Machtkämpfen zwischen Pele und ihrer Schwester Namakaokaha'i, der Göttin des Meeres, erzählen, tragen dieser Tatsache Rechnung. Pele baute sich eine Wohnstatt nach der anderen, doch ihre Schwester folgte ihr überall hin nach, um sie zu zerstören.

Meeresklippen sind nichts Außergewöhnliches auf Hawaii, besonders nicht dort, wo die Küsten starken Brandungswellen des Ozeans ausgesetzt sind. Die Wellen entfalten ihre Erosionskraft auf Meereshöhe, wo sie Felsen unterhöhlen, die früher oder später losbrechen und ins Wasser stürzen. Unterschiede in der Härte der Laven und der Art der Wellen bewirken einen unregelmäßigen Abschliff, und es entstehen sogenannte Meeresbögen und Meerespyramiden. Halten Sie hier nach Uferschwalben und anderen in den Klippen nistenden Küstenvögeln Ausschau. Im Winter können Sie draußen auf dem Ozean auch Wale sichten, wenn sie an die Wasseroberfläche kommen, um ihre Fontänen aufsteigen zu lassen.

Der Felsen des Holei-Meeresbogens ist etwa 27,5 m hoch. Auf den Rändern niedrigerer Klippen finden sich oft gewaltige Gesteinsbrocken, die von Tsunami-Wellen, welche gelegentlich von lokalen qder entfernten Erdbeben ausgelöst werden, emporgeschleudert wurden.

BEACHTE Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, daß weder der Crater Rim Drive noch die Chain of Craters Road ie über einen Wasserlauf hinwegführen. Die Lavaschichten in diesem Teil der Insel sind zu frisch und porös, als daß hier Flüsse entstehen könnten. Die frühen Hawaiianer, die in dieser Region siedelten, waren auf Wasser angewiesen, das sie während der seltenen Regenfälle auffingen, oder das sich, nachdem es durch das Gestein gesickert war, in sogenannten "Tropfhöhlen" ansammelte.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war diese trockene Küstenregion nichtsdestoweniger von Hawaiianischen Dörfern übersät. Der Palmenhain rechts der Straße bei Lae'apuki (22,1 Meilen/ 35,6 km) ist der Überrest einer solchen Siedlung. Das Dorf wurde 1868 von einem Erdbeben und einer nachfolgenden Flutwelle praktisch dem Erdboden gieichgemacht. Rinder und Ziegenzüchter nutzten den Ort noch für eine Weile, bis auch sie ihn in den frühen zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts aufgaben.

Lae'apuki ist der Name eines sogenannten Ahupua'a, wie die keilförmigen althawaiianischen Gebietsabschnitte genannt werden, die jeweils verhältnismäßig breiten Raum für Siedlungen an der Küste, sowie sich landeinwärts verengende Zugangszonen zu den für Jagd und Brennholzsammlung wichtigen Wald- und Gebirgsregionen umfaßten.

Lava versperrt die Straße

WANDERE Vorne links, auf den höher gelegenen Hängen der östlichen Riftzone des Kilauea, sehen Sie die Spuren der Lavaströme, die der Pu'u O'o während einer langandauernden Eruptionsperiode ausspuckte, die 1983 begann. Immer wieder stiegen hohe Lavafontänen aus dem Schlot des Pu'u O'o im undurchdringlichen Dschungel mitten in der östlichen Riftzone. Die einzelnen dramatischen Ausbruchsphasen dauerten jeweils qin paar Stunden bis Tage an, dazwischen lagen Ruhepausen von durchschnittlich einem Monat. A'a Lava, ....
_____
42

die aus den Fontänen ausgeworfen wurde, floß über den steilen Südabhang bis nach Royal Gardens, wo sie eine Reihe von Wohnhäusern zerstörte und mehrere unbebaute Grundstücke unter sich begrub.

1986 öffnete sich eine Spalte unterhalb des hohen Bombenkraters des Pu'u O'o, und ein neuer Schlot, der Kupaianaha wurde aktiv. Damit änderte die Eruption ihre Form; die geiserartigen, periodischen Spritzfontänen, die den Pu'u O'o entstehen ließen, wurden von einem Dauerausbruch aus ciem neuen Schlot abgelöst. Die Gesamtmenge der an die Oberfläche dringenden Lava blieb zwar ciieselbe, doch anstatt alle paar Wochen innerhalb einer Tagesfrist sturzartig hervorzubrechen floß das Flüssiggestein nun langsam aber kontinuierlich. Der Pu'u O'o warf hauptsächlich Lava des A'a-Typs aus, während sich aus ciem Kupaianaha Ströme von Pahoehoe ergossen (vergleichen Sie die Karte auf S. 31 Kartenskizze -- Chain of Craters Road (221K)).

In den Strömen aus ciem Kupaianaha bildeten sich Tunnel, innerhalb derer die geschmolzene Lava ohne Temperaturverlust weiterfloß. Langsam aber unaufhörlich bewegte sich die Pahoehoe über den Südhang des Kilauea nach unten auf das Meer zu. Dort wo sich die glühendheißen Lavaflüsse in den Ozean ergossen, stiegen Wolken salzsäurehaltigen Wasserdampfs auf; ein fantastischer Anblick -- eine Schlacht der Gottheiten von Feuer und Meer. Neuland entstand, aus dem Feuer geboren und geformt von Wasser und Winci.

Zwischen 1986 und 1991 erreichte rund 6,5 km weiter, bei Waha'ula, ein Lavastrom das Meer. Er begrub ein 8 km langes Teilstück der Straße unter sich und zerstörte ein Besucherzentrum und einen Naturpfad; doch den altehrwürdigen Waha'ula Heiau oder "Tempel des Roten Mundes," gegründet im Jahre 1250 n. Chr., umfloß er. Wie der Name des Heiligtums vermuten läßt, wurden in diesem Tempel womöglich Menschenopfer dargebracht. Während wir unseren Straßenführer verfaßten, stand die Plattform des Waha'ula Heiau noch, wenn auch kilometerweit von Lava eingeschlossen.

Wenn Lava ins Meer flielßt, kühlt sie schlagartig ab und kristallisiert in unzähligen Kleinstfragmenten aus; was bleibt, sind in reiche Mengen schwarzen 5andes. Der Sand wird von der Meeresströmung westwärts weitergeschwemmt und lagert sich in Einbuchtungen entlang der Küste ab. Bei Kamoamoa, nur ein Stück weiter von hier, bildete sich zwischen 1986 und 1991 ein neuer Strand aus schwarzem Sand (vergleichen Sie das Photo auf S. 45 Strände aus schwarzsm Sand entstehen (52K) .... wo glühende Lava ins Meer fließt (65K)). Als die nachfließende Lava 1991 stoppte, setzte Erosion ein, was zu allerhand Spekulationen darüber führte, ob der Strand sich wieder auf seine alte felsenbegrenzte Linie zurückziehen würde. Im November 1992 floß frische Lava aus neuen Schloten in der Nähe des Pu'u O'o nach und errelchte das Meer. Diesmal kamen die Ströme über Kamoamoa und schlängelten sich über den Strand. Ein anderer alter Tempel, der Moa Heiau, errichtet, wie es heißt, um reiche Ernten zu garantieren, stand der Lava im Weg und wurde überflossen. Während wir dieses Buch schrieben, war der Strom gerade dabei, langsam weitere Stellen von archeologischer Bedeutung, wie auch die palmenumsäumten Grasflächen des Camping- und Picknickplatzes von Kamoamoa aufzufressen.

Erkundigen Sie sich beim diensthabenden Ranger, ob Sie die fließende Lava von einem Fußweg aus beobachten können. Bis zu dem Zeitpunkt, da die Straße nach dem endgültigen Stillstand des Ausbruchs über den Lavaschichten neu verlegt ist, endet die Strecke hier.


_____
43

DIE ERUPTION DES PU'U 0'0

Begann am 3.Januar 1983, ausgehend von einer unterbrochenen Linie von Rissen in der östlichen Riftzone des Kilauea. Sie schritt bislang in vier Phasen fort und dauerte im November 1992 noch an.

Phase 1: Januar bis Mai l983: Periodische "Feuerschleier" und Lavafontänen aus chloten entlang der 6,4 km langen ursprüinglichen Rißzone.

Phase 2: Juni 1983 bis Juli 1986: Über vierzig Mal steigen hohe Lavafontänen auf; auf die Ausbrüche, die jeweils etwa einen Tag anhalten, folgen Ruhepausen von durchschnittlich einem Monat. Um den Ausbruchschlot des Pu'u O'o bildet sich ein über 240 m hoher Aufschüttungskegel. Die A'a-Laven dieser Phase erreichen noch nicht das Meer.

Phase 3: Juli 1986 bis Februar 1992: Die Eruption wechselt auf einen neuen Schlot der östlichen Riftzone, den 3,2 km unterhalb des Pu'u O'o liegenden Kupaianaha, über und setzt sich von da an beinahe kontinuierlich fort.

Phase 4: Februar bis November 1992 und darüberhinaus: Neue Bruchstellen öffnen sich an der Basis des Pu'u-O'o-Kegels. Infolge periodischer bis fast ununterbrochener Ausbrüche aus diesen Schloten strömt Lava des A'a- und Pahoehae- Typs bis nach Kamoamoa und erreicht im November das Meer.

DATEN BEZÜGLICH DER ERUPTION
Pu'u O'o bedeutet: Berg des O'o-Vogels
Kupaianaha bedeutet: Geheimnisvoll
Höchste Stelle des Pu'u O'o: 257 m (1986)
Spitzenhöhe der Lavafontänen: ca. 450 m
Spitzentemperatur der Lava: 1160 Grad Celsius
Maximale Flußlänge: ca. 14,5 km
Fläche des von Lava bedeckten Gebiets: ca. 80,5 km2 (6% des Kilauea)
Angegliedertes Neuland: 136 Hektar
Gesamtvolumen der Lava: 1 216 000 000 Kubikmeter (genug, um eine viermal um die Erde Führende Straße zu asphaltieren)
Gesamtwärmeeenergie der Lava: 2.7 x 10^18 Joules (vergleichbar der Hitze, die 300 000 000 Fässer Öl erzeugen)
Anzahl Zerstörter Wohnhäuser: 181


_____
46

WANDERWEGE

Halemaumau Trail

Fängt an der dem Visitor Center gegenüberliegenden Straßenseite an, führt durch den üppigen Dschungel des nördlichen Randes der Kilauea-Caldera abwärts und über deren kargen Boden bis zum Halamaumau-Krater und dem zugehörigen Parkplatz; 5,1 km; 2 1/2 Stunden; verläuft nur in eine Richtung; Wegbeschreibung am Kilauea Visitor Center erhältlich.

Kllauea Iki Trail

Beginnt an der dem Thurston-Lavatunnel gegenüberliegenden Straßenseite, führt abwärts in den Kilauea-lki-Krater, über den Lavasee von 1959 und bei Byron Ledge wieder aufwärts, um über den Crater Rim Trail wieder zum Ausgangspunkt zurückzugelangen. Starker Kontrast zwischen dschungelartigen Farn- und Ohi'a-Wäldern und der dampfenden Kruste des jungen Lavasees; 8 km; Hin- und Rückweg 4 Stunden.

Bird Park Trail

Geht von der Mauna Loa Strip Road aus (in der nordwestlichen Ecke der Karte auf S. 13 Kartenskizze -- die Caldera des Kilauea und der Crater Rim Drive (156K)); windet sich durch einen ausgewachsenen Wald aus Ohi'a-, Koa- und selteneren einhetmischen Bäumen in einer Kipuka (ein von jüngeren Lavaschichten eingeschlossenes Gebiet älterer Vegetation); Rundweg, 1,6 km, 1 Stunde. Wanderführer am Visitor Center erhältlich.

Napau Trail

Eingang am Mauna-Ulu-Parkplatz; führt über lavaschichten der Jahre 1969-1974 zum Makaopuhi-Krater und weiter in den Farn- und Ohia-Dschungel des Napau-Kraters; hin und zurück 22,5 km; Tagesmarsch; auf einer alternativen Route gelangen Sie vom Makaopuhi-Krater aus über den Naulu Trail bis Ke ala Komo an der Chain of Craters Road. Nehmen Sie Trinkwasser mit und tragen Sie festes Wanderschuhzeug.

Halape Trail

Steigt vom Ende der Hilina Pali Road (weiterer Zugang zweigt bei Kipuka Nene ab) über 670 m zu einem schmalen Strand am Fuß hoher Küstenfelsen ab, wo sich auch eine Unterschlupfmöglichkeit befindet; Rundweg, 22,5 km, Zweitagestour für erfahrene Rucksackwanderer. Versorgen Sie sich mit genügend Trinkwasser. Eine Alternativroute führt über den alten Coastal Trail (Küstenpfad) bis zum Parkplatz am Pu'u Loa an der Chain of Craters Road. Erforderliche Sondergenehmigung (Back Country Permit) am Visitor Center erhältlich.

Mauna Loa Trail

Beginnt auf einer Höhe von 2012 m am oberen Ende der Mauna Loa Strip Road und steigt auf 29,5 km bis auf 4039 m am Südrand der Moku'aweoweo-Caldera an. Oberhalb ca. 3000 m folgt der Pfad der nordöstlichen Riftzone des Mauna Loa. Diese anstrengende Route ist nur erfahrenen und gutausgerüsteten Bergwanderern zu empfehlen. Stürme und Schnee sind in der Gipfelregion zu jeder Jahresziet zu erwarten; zudem kann Höhenkrankheit zu einem Problem werden. Berechnen Sie vier Tage für diese Wanderung (2 Tage aufwärts, 1/2 Tag am Gipfel, 1 1/2 Tage abwärts). Bei Red Hill am Gipfel, 11,3 km vom Eingang des Pfades entfernt, steht eine begrenzte Anzahl von Hütten zur Übernachtung zur Verfügung, doch gilt hier: "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!" Erforderliche Sondergenehmigung (Back Country Permit) am Visitor Genter erhältlich.


_____
47

ESSEN UND ÜBERNACHTUNG

Campingplätze:
Namakani Paio
Kipuka Nene
Picknickvorräte und Benzin:
Volcano Village, two stores
Frühstück:
Volcano Village
Volcano House
Volcano Golf & Country Club
Mittagessen:
Volcano Village
Volcano House
Volcano Golf & Country Club
Abendessen:
Kilauea Lodge (in Volcano Village)
Volcano House
Hotelunterkunft:
Volcano House
Kilauea Lodge (in Volcano Village)
Übernachtung & Frühstück:
(Sehen Sie im Telefonbuch nach)


LITERATURVORSCHLÄGE

Allgemein:

Armstrong, Warwick (Hrsg.). ATLAS OF HAWAII, 2. Auflage; Honolulu: University of Hawaii Press, 1983.

Bier, James. MAP OF HAWAII. Honolulu: University of Hawaii Press, 1988.

Carlquist, Sherwin. HAWAII -- A NATURAL HISTORY. Kauai: Pacific Tropical Botanical Garden, 1980.

Cox, Halley. HAWAIIAN PETROGLYPHS. Honolulu: Bishop Museum Press, 1970.

Pflanzen:

Lamoureaux, Charles. TRAILSIDE PLANTS OF HAWAII'S NATIONAL PARKS. Hawaii National Park: Hawaii Natural History Association, 1992.

Kepler, Angela. HAWAIIAN HERITAGE PLANTS. Honolulu: Oriental Publishing Company, 1984.

Vögel:

Hawaii Audubon Society (Editor). HAWAII'S BIRDS. Honolulu: Hawaii Audubon Society, 1991.

Vulkane:

Decker, Robert, und Barbara Decker. MOUNTAINS OF FIRE. London & New York: Cambridge University Press, 1991.

Decker, Robert, und Barbara Decker. VOLCANO WATCHING. Hawaii National Park: Hawaii Natural History Association, 1991.

Hazlett, Richard W. GEOLOGICAL FIELD GUIDE KILAUEA VOLCANO. Hawaii National Park: Hawaii Natural History Association, 1990.

Macdonald, Gordon, Agatin Abbott, und Frank Peterson. VOLCANOES IN THE SEA. Honolulu: University of Hawaii Press, 1986.

Macdonald, Gordon, und Douglass Hubbard. VOLCANOES OF THE NATIONAL PARKS OF HAWAII. Hawaii National Park: Hawaii Natural History Association, 1989.


_____
48

PHOTONACHWEISE

Außer den nachfolgend aufgeführten wurden sämtliche Photographien in diesem Straßenführer von den Autoren selbst aufgenommen: Einband: Pu'u O'o eruption, 193, JD Griggs, US Geological survey (USGS); Einband (innen): Halemaumau, 1967, R.S. Fiske, USGS; S.5, 1983, JD Griggs, USGS; S.8, 1959, National Park Service (NPS); S.10, TJ Takahashi, USGS; S.22, Tai Sing Loo, NPS archives; S.26, Bishop Museum, negativ CPBM 58815; S.34-35, 1969, DA Swanson, USGS; S.39 (oben), 1983, JD Griggs, USGS; S.39 (unten), 1970, JB Judd, USGS; S.42, 1960, R Haugen, NPS; S. 44, 1978, NPS; S.45 (oben & unten), 1990, JD Griggs, USGS; Rückumschlag: Lavafluß vom Ausbruch des Pu'u O'o, 1983, J. D. Griggs, USGS.


Züruck zum Aufhang der Seite

Züruck zu The Electronic Volcano
Web Page by Elaine Anderson for the Electronic Volcano